Bürgerdialog in Pützchen

Bibliotheksschließung bleibt Thema

Das drohende Aus der Gesamtschulbibliothek Beuel-Ost sorgt für Zündstoff.

PÜTZCHEN. Nicht nur die Bundesregierung setzt aktuell mit ihrer Initiative "Gut leben in Deutschland" auf einen offenen Bürgerdialog. Mit der Reihe "Heimvorteil(e)" der SPD-Fraktion Bonn fand nun ein Stadtteilspaziergang in Pützchen statt. Die Politiker wollten erfahren, was den Menschen vor Ort wichtig ist.

Gleich die erste Station in der Stadtteil- und Gesamtschulbibliothek Beuel-Ost bot genug Diskussionspotenzial. Im Zuge der Haushaltskonsolidierung und der damit verbundenen Streichung der städtischen Zuschüsse steht die Bibliothek vor der Schließung.

Dorothee Grisstede, Leiterin der Lesehilfe, machte die Notwendigkeit der Bibliothek als Versammlungsstätte für Jung und Alt deutlich: "Wir betreuen 33 Kinder aus sieben Schulen und es werden immer mehr. Auch Eltern und ältere Menschen nutzen unser Angebot." Neben der Lesehilfe müsse daher die Rechtschreib- und Mathematikförderung sowie das Leseangebot ausgebaut werden. "Dafür brauchen wir die Hilfe der Ehrenamtlichen, die Wertschätzung für ihre Arbeit erfahren. Es geht hier nicht um Haushalte, es geht um eine Förderung ohne Druck. Dafür kämpfe ich", erklärte Grisstede. SPD-Oberbürgermeisterkandidat Peter Ruhen-stroth-Bauer stimmte mit ein: "Die Stadt muss dafür sorgen, dass die Strukturen für ehrenamtliche Arbeit finanziell gesichert sind." Dies könne über Sponsoren aus der Wirtschaft erfolgen, so der 58-Jährige.

Einige Gehminuten entfernt sprachen zwei Bewohner des Therapiezentrums (TZ) Pützchen für Menschen mit körperlicher Behinderung über ihre Wünsche: Eine Wohnung mit ausreichenden Geh- und Fahrwegen, um selbstständig Freunde zu besuchen, ins Theater oder ins Kino zu fahren. Doch die Voraussetzungen für das ambulante betreute Wohnen seien häufig nicht erfüllt, erklärte Leiterin Sabine Rickes, sodass das TZ selbst bauen lassen müsse.

Ein Lösungsvorschlag der SPD: Die Stadt Bonn solle in Bebauungsfragen mit dem Rhein-Sieg-Kreis kooperieren und sich aufteilen. "Wir haben keinen Platz für Gewerbe. Wir brauchen Platz zum Wohnen", sagte Ruhenstroth-Bauer. Die Sorge um verlorene Einnahmen aus der Gewerbesteuer räumte er direkt aus: Alles eine Frage der Aufteilung und Absprache mit den Regionen.

Das Wohnkonzept "Gemeinsames Wohnen" des ehemaligen Karmelklosters bildete die letzte Station. In 66 Wohneinheiten leben die Bewohner jeden Alters miteinander und tauschen sich bei Lesungen oder Kochabenden aktiv aus. Die Integration des angrenzenden Seniorenheims Sankt Albertus-Magnus-Haus liegt den Bewohnern daher sehr am Herzen. "Wir bräuchten ein Nachbarschaftscafé als Treffpunkt für die Senioren und die Anwohner", meinte Gerhard Seidl, der seit 15 Jahren im Karmelkloster lebt.

Abgerundet wurde der Spaziergang mit einem Bürgergespräch im Gemeindehaus an der Nommensen-Kirche. Die nächste Möglichkeit für den Austausch mit der SPD-Fraktion bietet sich den Beuelern am 5. Mai.