Behindertenwohnanlage am Ledenhof

Bewohner dürfen mitbestimmen

Quartiersmanager Michael Heine (Mitte) nimmt die Wünsche und Anregungen der Bewohner entgegen.

VILICH. "Blassrosa!" - Wolfgang Dederichs muss nicht lange überlegen, welche Farbe die Wände seines neuen Zuhauses haben sollen. Ab nächstem Jahr werden nach und nach alle Gebäude des sogenannten Ledenhofs, einer Behinderteneinrichtung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), abgerissen.

Die heute relativ abgeschirmte Wohnanlage wird von dem Investor NCC in ein inklusives Quartier mit insgesamt 125 Wohneinheiten verwandelt.

Um die bisherigen Bewohner zu informieren und deren Wünsche und Anregungen aufzunehmen, hatte Quartiersmanager Michael Heine am Donnerstag zu zwei Workshops eingeladen: "Wie will ich wohnen?" waren die Veranstaltungen überschrieben, bei denen die Teilnehmer - von denen kaum einer schreiben oder lesen kann - auf zwei in einfacher Sprache gehaltenen und mit Piktogrammen versehenen Fragebögen ihre Vorstellungen äußern konnten.

Um die Frage nach der Raumfarbe zu beantworten, galt es, in die Skizze des Hauses einen briefmarkengroßen Zettel in der Wunschfarbe zu kleben, aber der 60-jährige Dederichs suchte vergeblich nach einem blassrosa Schnipsel. "Kein Problem", schmunzelt Heine, der die Workshops mit jeweils vier Kollegen durchführt: "Wir streichen Ihre Wände natürlich trotzdem so, wie Sie möchten."

Von den ursprünglich 106 Bewohnern des Ledenhofs leben aktuell noch 74 auf dem Gelände im Zentrum Vilichs: "Einen Teil der Bewohner haben wir in andere Unterkünfte vermittelt. Für die 50 Kunden, die hier in Vilich bleiben werden, haben wir ein Bewohnerprofil angelegt", erläutert Heine.

"Für sie wird sich sehr viel ändern, weil sie nicht mehr in großen Wohngruppen, sondern allein oder zu viert in Apartments wohnen werden. Die Workshops dienen nun zur weiteren Planung der Ausstattung und der Belegung." Die Interessen der Bewohner sollen so weit wie möglich berücksichtigt werden: Außer der Farbe konnten die Teilnehmer auch aus einer ganze Reihe von Einrichtungsgegenständen wählen, deren Piktogramme sie ebenfalls in der Skizze platzierten.

Um die soziale Komponente ging es auf dem zweiten Bogen: Ob sie lieber alleine oder mit einem anderen Menschen wohnen würden, wie sie ihren Ordnungs- und Sauberkeitssinn einschätzen oder welche Personen sie gerne regelmäßig sehen wollen, wurden die Bewohner hier gefragt.

"In den beiden Workshops wollen wir aber nicht nur die Wünsche abfragen, die Veranstaltungen dienen auch der Information", erläutert Heine weiter. "Daher habe ich ein Architektenmodell der Anlage besorgt, anhand dessen ich die Planungen sehr plastisch erklären kann."

In drei Neubauten werden jeweils zehn Bewohner untergebracht, außerdem wird es im Erdgeschoss von fünf weiteren Häusern jeweils ein Vierer-Apartment geben. Bis zur Fertigstellung dieses ersten Bauabschnitts können alle Bewohner in ihren Räumen wohnen bleiben. "Nach unserer Einschätzung ergibt sich für Menschen mit und ohne Behinderung ein großer Mehrwert, wenn sie in einem inklusiven Wohnquartier leben", so Heine.