S13-Sperrungen: 300 Bürger wollen Provisorium an Schultheißstraße

Beueler fordern eine Behelfsbrücke

Volles Haus in der Mühlenbachhalle: Bahn-Projektleiter Jens Sülwold erläuterte jede einzelne Sperrung von Tunneln und Brücken.

Volles Haus in der Mühlenbachhalle: Bahn-Projektleiter Jens Sülwold erläuterte jede einzelne Sperrung von Tunneln und Brücken.

Beuel. Die mehrjährigen Sperrungen von Brücken und Tunneln, die beim Bau der S13 auf die Beueler Bürger zukommen und sie in den nächsten Jahren zu teilweise weiten Umwegen zwingen werden (der GA berichtete), sorgen für große Unruhe in der Bevölkerung.

Denn davon werden unzählige Haushalte betroffen sein. Wie viele Menschen sich darüber Sorgen machen, zeigt allein die Resonanz auf eine Bürgerinformation am Montagabend in der Mühlenbachhalle, zu der rund 300 Menschen kamen. Mit so vielen Besuchern hatte auch der Bürgerverein Vilich-Müldorf als Gastgeber nicht gerechnet.

Im Zentrum der vielen Fragen stand Bahn-Projektleiter Jens Sülwold. Auch wenn er haarklein die Sperrungs-Details für jede einzelne Unter- und Überführung vortrug und zu beruhigen versuchte, die Bahn sperre ja nicht alle Verbindungswege gleichzeitig, war die Meinung der Bürger klar: Vor allem auf die vielbefahrene Brücke an der Schultheißstraße/Beueler Straße, die von vielen Radfahrern genutzt wird, könne man nicht von 2021 bis 2024 verzichten.

"Es geht gar nicht, für die Dauer von drei Jahren einen Umweg über die B56 zu nehmen", sagte Werner Bock als einer von vielen Betroffenen. Seine Forderung: "Alles andere als eine Behelfsbrücke an der Schultheißstraße zu bauen, ist unzumutbar."

Die anderen Bürger unterstützten diese Meinung mit Beifall. Überraschend kam Unterstützung von der Stadt: "Wir regen bei der Bahn an, ein Provisorium für Fußgänger und Radfahrer an der Schultheißstraße zu bauen", kündigte Monika Gehrmann, die Vize-Chefin des Tiefbauamtes, an. Und ergänzte später noch einmal: "Wir sind fest entschlossen, in diese Planung einzusteigen."

Da musste Bahn-Projektleiter Sülwold neben ihr auf dem Podium schlucken, denn damit hatte er nicht gerechnet. Für eine seit Jahren fertige Planung ist das eigentlich ein technisches Fiasko. "Wir werden das prüfen", sagte er. Aber diese provisorische Brücke müsse über vier Gleise reichen, Geld habe man dafür nicht.

"Und das würde ein Riesenbauwerk", das womöglich gar nicht in den Bauablauf passe und für große Komplikationen sorge. Einen pfiffigen Vorschlag machte später ein Bürger: "Bauen sie eine lange Röhre über die Gleise, die ist auch stabil genug."

Der Druck auf die Bahn wächst, denn auch Bezirksbürgermeister Guido Déus sagte, dass man "zwingend eine Behelfsbrücke an dieser Stelle" brauche. Und noch eins merkte er an, nämlich zu der Sperrung des Bröltalbahnweges, die ab 2021 für drei bis dreieinhalb Jahre kommt.

"Die Siegburger Straße ist keine Alternative für Schüler", so Déus. Das wäre laut Stadt eine Ausweichroute gewesen, die aber als zu gefährlich für Radfahrer angesehen wurde.

Das umso mehr, als der Suggestiv-Radweg keinen ausreichenden Schutz biete und ständig zugeparkt sei. Ein Bürger stellte jedenfalls fest: "Über die Siegburger Straße schicken Sie morgens kein Schulkind." Diese Strecke bräuchte Sicherungsmaßnahmen, damit keine Unfälle passierten.

Viele Details der kommenden Jahre sind überdies noch nicht geklärt. Eine andere Ausweichstrecke für den Bröltalbahnweg solle über eine Rampe zur Auguststraße verlaufen, und dann auf die Königswinterer Straße stoßen. Der Raum ist dort aber zu schmal für den starken Radverkehr.

Dort werde man sich bauliche Maßnahmen überlegen, um mehr Breite zu schaffen, kündigte Gehrmann an. Außerdem werde der ADFC noch in die Planung eingebunden.

Die kleine Bahnunterführung Am Burgpark in Vilich, "heute als Trampelpfad eigentlich keine Alternative", wie ein Ortskundiger anmerkte, müsse hergerichtet werden, um vernünftig befahrbar und begehbar zu sein und um eine Alternative zum Tunnel an der Hammstraße werden zu können.

Der schmale Weg dort brauche deshalb erst mal eine vernünftige Fahrbahn und eine Beleuchtung. Vize-Amtsleiterin Gehrmann sagte zu, darüber auch mit den Stadtwerken zu sprechen.

Was der Bau der S 13 den Bürgern in den nächsten Jahren abverlangt, brachte am Ende der zweistündigen Informationsveranstaltung ein Mann auf den Punkt: "Es geht viel Lebensqualität verloren, wenn man von Vilich-Müldorf nicht mehr direkt zum Rhein kommt."

Wenn dann noch die Baumaßnahmen auf der Nordbrücke dazu kämen, breche das totale Chaos aus. Außerdem warte auf Vilich und Vilich-Müldorf in den nächsten Jahren eine Schwemme an Lkw-Verkehr.

Die Deutsche Bahn hat eine Seite eingerichtet, auf der sie Infos zum Bau der S13 und dem Zeitplan gibt: bauprojekte.deutschebahn.com/p/s13. Bei Fragen zu dem Projekt ist die Bahn unter s13@deutschebahn.com erreichbar.