Rhein-Sieg-Eisenbahn

Beueler Unternehmen soll vom DB-Netz abgetrennt werden

"Herr der Beueler Gleise": RSE-Geschäftsführer Rainer Bohnet scheut den Rechtsstreit mit der Deutschen Bahn nicht.

BEUEL. Zwischen der Deutschen Bahn (DB) und der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) hängt der Haussegen schief. Grund ist der geplante Bau der Schnellbahnstrecke Troisdorf-Oberkassel (S13). Die DB hat dem Beueler Unternehmen mitgeteilt, dass es während der mindestens fünfjährigen Bauzeit mehrfach und über Monate keinen Zugang zum DB-Netz am Beueler Bahnhof haben wird.

Die RSE will diese Ankündigung nicht hinnehmen und droht mit einem Rechtsstreit. "Wir alle sind geschockt. Wir werden unseren gesetzlich garantierten Netzzugang durch alle Instanzen verteidigen. Denn schließlich hängen am Beueler Standort neben dem regionalen Schienengüterverkehr auch der sehr erfolgreiche und beliebte Touristikverkehr sowie unsere Lok-Werkstatt und ein Großteil der Arbeitsplätze", erklärte Geschäftsführer Rainer Bohnet.

Bislang waren die RSE, die Politik und die Stadtverwaltung davon ausgegangen, dass die Lok-Werkstatt, der Schienenstrang von Beuel nach Hangelar und der Zugang zum DB-Schienennetz erhalten bleiben. "Sollten wir abgeschnitten werden, würde das das Ende der RSE am Standort Beuel bedeuten", sagt Bohnet im Gespräch mit dem GA. "Wir können ja nicht für fünf Jahre den Betrieb stilllegen. Danach hätten wir alle unsere Kunden verloren."

Alternativstandorte in Bonn oder der Region stehen nach Angaben des RSE-Geschäftsführers nicht zur Verfügung: "Alle bahnaffinen Flächen im Großraum Köln/Bonn sind hirn- und sinnlos von der DB verhökert worden. Dieser Kahlschlag rächt sich jetzt gnadenlos."

Das gleiche Bild habe sich bei der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg abgezeichnet. Bei der Vorstellung eines vom Rhein-Sieg-Kreis in Auftrag gegebenen Gutachtens sei deutlich geworden, dass es für lokalen Schienengüterverkehr - wie ihn die RSE betreibt - in Bonn und der ganzen Region keinerlei Alternative zum Beueler Güterbahnhof gebe.

"Diese Entwicklung werden wir keinesfalls hinnehmen. Ich will nicht über Sinn und Unsinn der S13 streiten, aber das Eisenbahnrecht ist hier klar auf unserer Seite. Wenn die DB das bei ihren S13-Planungen nicht berücksichtigt hat, ist das nicht unsere Schuld", sagte Bohnet.

Dass die RSE keine gerichtlichen Auseinandersetzungen scheut, ist in Fachkreisen seit Jahren bekannt. Bisher hat sie dabei in den meisten Fällen obsiegt. Derzeit führt sie zwei Prozesse in zweiter Instanz vor dem Oberverwaltungsgericht Koblenz gegen das Land Rheinland-Pfalz über eine beantragte Betriebsgenehmigung für die Trasse von Gerolstein nach Prüm und vor dem Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg gegen die Bundesrepublik Deutschland über eine Stilllegung von Gleisen im Bahnhof Sulingen.

Bundesweit bekannt wurde das sogenannte Wiehltalbahn-Urteil, das die RSE in einer zähen Auseinandersetzung letztinstanzlich und rechtsgültig erstritten hat und das exemplarische Bedeutung für den Betrieb von stilllegungsbedrohten Strecken hat.

Rhein-Sieg-Eisenbahn

Die Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) GmbH wurde 1994 gegründet und beschäftigt acht fest angestellte Mitarbeiter. Sie betreibt vier

Lokomotiven und drei Schienenbusse für den Touristikverkehr.Der Jahresumsatz liegt bei ungefähr zwei Millionen Euro. 2012 hat die RSE mehr als 500.000 Tonnen im Güterverkehr von Troisdorf und von Beuel aus transportiert.

Seit Jahren fährt die RSE zu Pützchens Markt die Kirmesfreunde vom Beueler Bahnhof zum Jahrmarktsgelände. 2012 waren das allein knapp 11.000 Fahrgäste. Seit dem Jahr 2011 bietet die RSE auch verschiedene Tourismusfahrten an.

Nähere Informationen zu den Angeboten im Internet auf www.rhein-sieg-eisenbahn.de.