Zwischen Furios und Doktor-Weis-Platz

Beueler Geschäftsstraße mit Schönheitsfehlern

BEUEL. In der Oberen Wilhelmstraße in Beuel loben Einzelhändler und Passanten das Flair, bemängeln aber die schlechte Erreichbarkeit. Der Ga hat sich vor Ort einmal umgehört.

Trotz ihrer geringen Länge ist die Straße nach dem Gefühl der meisten Besucher zweigeteilt: Hier, nahe des Kreisverkehrs und dem Doktor-Weis-Platz, dominieren kleine Fachgeschäfte, dort, Richtung Beueler Bahnhof finden sich hauptsächlich Restaurants und Gastronomiebetriebe. Die Obere Wilhelmstraße liegt eigentlich im Herzen des Stadtbezirks, hat aber wie viele sogenannte B-Lagen mit Leerständen zu kämpfen.

Herausragendstes Beispiel dafür ist die seit Jahren leerstehende ehemalige Studentenkneipe „Furios“. An dem Gebäude das, wenn man vom Bahnhof kommt, so etwas wie das Entree der Straße darstellt, hängen inzwischen die Fenster schief in den Angeln und Graffiti verunzieren die Fassade. „Es liegt ein Bauantrag vor“, hatte der GA bereits im vergangenen Sommer vermeldet. Das Antragsverfahren zog sich in die Länge, weil ein Grundstücksabgleich vorgenommen wurde, der Eigentümer wollte einen kleinen Teil öffentlicher Fläche auf dem Beueler Bahnhofsplatz übernehmen. Der Zuschlag für die Zufahrt sei mittlerweile über die Bühne gegangen, teilte das Liegenschaftsmanagement auf Anfrage des GA mit. Die Baugenehmigung sei allerdings noch nicht erteilt, da noch Stellplatzfragen geklärt werden müssten.

Zum Glück bestimmen aber inzwischen eher die Erfolgsgeschichten das Erscheinungsbild der Straße: Gleich gegenüber dem Doktor-Weis-Platz reicht die Schlange vor David Bornscheins beliebtem Fischladen oft bis auf den Gehsteig: Zwei Jahre hatte der Fachhändler nach einem geeigneten Ladenlokal gesucht, bevor er 2012 endlich fündig wurde: Auch weit über die Grenzen des Stadtbezirks hat sich sein hochwertiges, frisches Angebot mittlerweile herumgesprochen.

Kurse im ehemaligen Friseursalon

Das passende Gemüse als Begleitung zum Fisch, aber auch mediterrane oder nahöstliche Spezialitäten finden die Kunden direkt gegenüber: Schon von weitem locken die zahlreichen Obst- und Gemüsekisten Gourmets in den Feinkostladen von Musa Kahve. „Wir haben viele Stammkunden, aber immer, wenn eine Bahn kommt, merken wir, dass auch Spontankäufer gerne zu uns kommen“, so der Inhaber.

Auf halber Wegstrecke zwischen Furios und Doktor-Weis-Platz stehen selbst bei kälterer Witterung ein Tisch und Sitzgelegenheiten vor dem kleinen Kaffeeladen von Carola Zipper: Proppenvoll ist die Kaffeerösterei mit angeschlossenem Kaffeehausbetrieb besonders vor den Wochenenden: „Seine ganz eigenen Kaffeespezialität rösten lassen und vorab probieren - das ist ein Erlebnis, das sich viele Kunden besonders gern zu Beginn des Wochenendes gönnen“, so Zipper, die das Geschäft mit ihren beiden Söhnen Luka und Leon betreibt.

Auch weniger kommerziellen Angeboten bietet die Straße Raum: In einem ehemaligen Friseursalon will Jihad Mahko unter anderem Musik-, Computer- und Sprachkurse anbieten. „Ich wünsche mir eine Begegnungsstätte für Kinder mit und ohne Migrationshintergrund, so der Übersetzer, der erst vor Kurzem sein Eltern-Kind-Café eröffnet hat. Seit Dezember 2006 ist die Straße wieder für Autofahrer erreichbar, seinerzeit wurde eine zuvor bestehende Sperrung zunächst probeweise und dann komplett aufgehoben.

Einzelhändler fordern mehr Parkplätze

„In einer Lage wie dieser ist es einfach unabdingbar, dass die Kunden auch mit dem Wagen schnell zu uns kommen“, findet Claudia Lütz. Das sei aber nur sehr eingeschränkt möglich: „Und zwar, weil Sie trotz des eigentlich ja vorhandenen Platzes wenig Chancen haben, ihren Wagen mal für ein paar Minuten abzustellen“, so die Inhaberin des Fachgeschäfts für Hundenahrung. Biologisch-artgerechtes rohes Futter produziert und vertreibt die 47-jährige Hundefachfrau, die mit ihrem Geschäft im Jahr 2015 nicht zuletzt wegen des guten Umfelds in die Obere Wilhelmstraße zog. „Die Nachbarschaft des ja über das Beueler Zentrum hinaus beliebten Spaniers 'Sa Finca' war für mich einer der entscheidenden Punkte“, so Lütz.

Obwohl das Restaurant natürlich am besten frequentiert sei, wenn ihr Laden schon geschlossen habe, falle ihr Geschäft vielen auf, die dann zu anderer Zeit als Kunden zurückkämen. Für mehr Parkplätze macht sich nicht nur Lütz stark, auch Zipper, deren Laden genau vis à vis liegt setzt sich dafür ein: „Die abgesperrten Flächen am Doktor-Weis-Platz würden sich doch hervorragend für Kurzzeitparker eignen. Die Freifläche wird doch absolut für gar nichts genutzt – weder von Passanten, noch von Geschäftsleuten und Pflanzenkübel oder ähnliche Deko-Elemente gibt es auch nicht.“