Schüler sammeln Geld

Beueler Dachdecker helfen bei Aufbau einer Schule in Haiti

Die Schüler des Ernst-Kalkuhl-Gymnasiums (hier: Klasse 5b) sammelten Geld – die Arbeit vor Ort erledigen die Dachdecker Eckhard Behm (rechts hinten) und Ernst Willms (links daneben).

Die Schüler des Ernst-Kalkuhl-Gymnasiums (hier: Klasse 5b) sammelten Geld – die Arbeit vor Ort erledigen die Dachdecker Eckhard Behm (rechts hinten) und Ernst Willms (links daneben).

Beuel. Der Beueler Dachdecker Eckhard Behm und Kollege Ernst Willms helfen beim Aufbau einer Schule in Haiti. Beueler Schüler sammelten dafür Geld.

Ein Blick auf tropische Strände statt über die Dächer von Beuel. Doch die beiden Dachdecker Eckhard Behm und Ernst Willms kommen nicht als Touristen, sondern als Helfer. Auf Haiti arbeiten die beiden vier Wochen lang am Dach einer Schule, dank des Geldes, das Schüler des Ernst-Kalkuhl-Gymnasiums (EKG) gesammelt haben.

Arbeit für ein Sozialprojekt statt Unterricht heißt es in den letzten Jahren immer am Tag nach Christi Himmelfahrt im EKG in Oberkassel. Alle Schüler der Klassen fünf bis elf arbeiteten deshalb an jenem Freitag für ein Hilfsprojekt in Haiti, mit dem die Schule die nachhaltige und dauerhafte Unterstützung des Waisenhauses und der Schule „Ecole Notre Dame de la Médaille miraculeuse“ unterstützt. Die Schüler haben nicht nur den Eltern oder Großeltern gegen Entgelt im Haus oder Garten geholfen, sie haben Kuchen gebacken und verkauft, sie haben auf Flohmärkten alles Mögliche verscherbelt und um Spenden gebeten.

„Wenn die Leute gehört haben, dass dies für einen guten Zweck, wie eben die Schule in Haiti ist, dann haben viele freiwillig mehr gegeben“, erzählt ein Junge aus der 5b. Seine Klasse tat sich besonders hervor und sammelte mit über 1 500 Euro im Vergleich am meisten. „Wir haben noch keine Klasse gehabt, die so viel Geld eingenommen hat“, berichtet Monika Willcke, Lehrerin an der Schule und gleichzeitig Vorsitzende des Vereins Integer, der sich um das Waisenhaus und die Schule in Haiti kümmert.

Ex-Schüler aus Beuel kam bei Erdbeben ums Leben

Diese Partnerschule in Cap Haïtien bekommt derzeit drei neue Erweiterungsgebäude. Die Haitianerin Marie-Josée Franz ist die Schwester der Schulleiterin und lebt in Bonn. Sie suchte Unterstützung über Karl-Heinz Rosenbaum, der ihr in allen organisatorischen Fragen behilflich ist, um das Dach der Gebäude gedeckt zu bekommen. Die erste Idee, dass zwei Dachdecker-Wandergesellen diese Arbeit erledigen könnten, zerschlug sich aus terminlichen Gründen. So sprach Rosenbaum den Obermeister der Dachdeckerinnung Bonn/Rhein-Sieg, Eckhard Behm aus Oberkassel an, ob er jemanden kennen würde, der diese Arbeit übernehmen könnte. „Fünf Minuten habe ich gebraucht“, so Behm, „dann habe ich gesagt, dass ich das selber machen würde.“ Außerdem konnte er noch seinen Stellvertreter bei der Innung, Dachdeckermeister Ernst Willms, für diese Aktion gewinnen. So kommt es, dass diese beiden gestandenen Meister am 19. Juni für vier Wochen nach Haiti fliegen, um vor Ort zu helfen.

„Wenn ich diese Arbeit in unserer Gegend kalkulieren würde, dann würde ich auf gut 150 000 Euro kommen“, sagt Behm. Deshalb hat er bei zahlreichen Firmen für seine Arbeit Ziegel, Werkzeuge und Hilfsmaterialien gesammelt, alles in einen großen Container gepackt und diesen vor einigen Wochen per Schiff auf die Reise geschickt. Er ist sich sicher, dass die Arbeit nicht in vier Wochen erledigt werden kann. „Wir werden einige einheimische Kräfte einweisen, sodass sie zum Schluss die Arbeit alleine zu Ende bringen können.“

Eine Sorge nehmen Behm und Willms mit auf die Reise: wird der Container vor Ort sein, wenn sie in Cap Haïtien eintreffen? Behm: „Wir fahren zum Arbeiten rüber und nicht, um Urlaub zu machen.“