Bücherei-Konzept

Beuel legt sich mit Bonn an

Die Schließungen der Bezirksbüchereien in Beuel sorgen für viel Zündstoff.

Die Schließungen der Bezirksbüchereien in Beuel sorgen für viel Zündstoff.

BEUEL. Erneut ist es am Mittwochabend in der Bezirksvertretung Beuel zu einem heftigen verbalen Schlagabtausch zum Thema "Büchereien-Schließungen" gekommen.

Bezirksbürgermeister Guido Déus (CDU) war sichtlich genervt und gab sich kämpferisch: "Die Stadt Bonn will zu lasten von Beuel ihr Büchereien-Konzept finanzieren." Von der gesamtstädtischen Sparvorgabe von mindestens 400 000 Euro solle Beuel durch die Schließung beider Standorte allein die Hälfte aufbringen. "Das kann nicht sein, das wird nicht sein. Aktuell sind diese Bestrebungen für Beuel sehr gefährlich. Ich habe meiner Ratsfraktion für den Fall, dass es bei dieser Absicht bleiben sollte, angekündigt, dass ich gegen sie stimmen und mir eine eigene Mehrheit organisieren werde", echauffierte sich Déus noch nach Sitzungsende.

Den Sündenbock für diese Entwicklung will Déus auch ausgemacht haben: die Bonner Grünen, der Koalitionspartner seiner Partei auf Stadtratsebene. Hatte die Bonner Stadtverwaltung vor Monaten noch vorgeschlagen, nur einen von zwei Bibliotheksstandorten - und zwar den im Brückenforum - zu schließen, legten die Grünen in einem Prüfungsantrag nach und baten die Verwaltung auszurechnen, was die Schließung beider Standorte finanziell bringen würde. Zum Ausgleich dafür wollen die Grünen im Rathaus Beuel eine Kinder- und Jugendbibliothek einrichten - und zwar in den 2016 frei werdenden Räumen des Bürgeramts. Zum weiteren Ärger von Déus: Dieser Prüfungsauftrag wurde mit den Stimmen der Jamaika-Koalition beschlossen, also auch mit denen der CDU.

Die Beueler Koalition will die städtischen Sparbemühungen unterstützen und schlägt deshalb vor, die Trägerschaft der Gesamtschulbücherei von der Stadt an die Schule zu übergeben. Dafür soll die Schule eine zeitlich begrenzte personelle Unterstützung von der Stadt erhalten. "Wir sind bereit zu sparen, wir wollen nur eine andere Bücherei schließen als die Verwaltung", sagte Déus. Er wertete die neuerlichen Bestrebungen als "einseitige Kiste gegen unseren Stadtbezirk" und forderte alle Beueler Politiker auf, sich bei den Kollegen in Bonn für die Beueler Lösung, einzusetzen.

Déus Parteikollege, der ehemalige Beueler Bezirksbürgermeister und heutige Ratsfraktionsgeschäftsführer Georg Fenninger, sorgte mit seinem anschließenden Redebeitrag für Aufmerksamkeit und Staunen. Er kritisierte die Alleingänge der Stadtbezirke, übte indirekt Kritik an den Parteikollegen: "Das kann ich so nicht stehen lassen. Unsere Haushaltslage ist ernst, wir müssen jetzt handeln. Alle Bezirke, viele Politiker bezeichnen unsere Sparvorschläge als Peanuts. Das kann ich nicht mehr hören." Bonn produziere jährlich ein Defizit von rund 100 Millionen Euro, die Maxime seiner Partei laute: "Davon müssen wir runter."

Die Kostenexplosion beim WCCB könne er auch nicht gut ertragen, und die Kostensteigerungen beim Bau des "Hauses der Bildung" erschreckten ihn ebenfalls. "Aber mit der Entscheidung für das ,Haus der Bildung' musste jedem klar sein, dass es Veränderungen in der Bonner Büchereien-Struktur geben wird. Und jetzt kommen sie auf uns zu", betonte Fenninger. Ein Vertagen des Themas nütze niemandem. Sowohl der Kultur- als auch der Finanzausschuss im April sowie letztlich der Stadtrat im Mai müssten eine Entscheidung treffen, so Fenninger.

Unterstützung erhielt die Beueler Mehrheitskoalition von Bonns Bibliotheken-Chefin Gabriele Belloff. Sie sprach sich für eine leistungsfähige Stadtteilbibliothek im Brückenforum aus. Alle Zahlen würden einen Fortbestand der Bücherei im Beueler Zentrum rechtfertigen: "Beuel ist so groß wie eine Mittelstadt und benötigt ein multifunktionales Büchereien-Angebot. Und deshalb ist die Verwaltung auch bereit, ein komplettes Angebot in Beuel zu erhalten." Besonders bei der Nutzungsintensität belege die Bücherei im Brückenforum einen absoluten Spitzenwert: Jedes Medium werde pro Jahr 5,5-mal ausgeliehen.

Derzeit seiendort 3,5 Stellen angesiedelt. Fenninger fragte daraufhin nach, ob man dort nicht auch mit 2,5 Stellen auskommen könne. Dazu Belloff: "Da der Personalbedarf sich nach der Nutzungsintensität ausrichtet, würde das für die Bücherei im Brückenforum bedeuten, dass die Öffnungszeiten entsprechend reduziert werden müssten. Der Umsatz muss dann absichtlich heruntergefahren werden."

Die Beueler Grünen, die am liebsten beide Standorte erhalten würden, erkennen zwar an, dass das nicht funktionieren wird, enthielten sich aber bei der Abstimmung wie bei der letzten Sitzung. Die Vorgabe der Grünen-Ratsfraktion zeigt offenbar immer noch Wirkung. Die Kultursprecherin der Grünen, Ros Sachsse-Schadt, warnte: "Wir verbeißen uns, weil eine Lösung nicht in Sicht ist." Die übrigen Parteien bestätigten den Beschluss aus der letzten Sitzung. Will heißen: Die Bezirksvertretung Beuel hat sich einstimmig für den Erhalt der Bücherei im Brückenforum und für einen Trägerwechsel bei der Bücherei in der Gesamtschule ausgesprochen.