S-Bahnbau in Beuel

Besserer Lärmschutz vor der ersten S13

Küdinghoven. Die Bahn untersucht in Küdinghoven die Schallimmission. Ingenieure untersuchen im Rahmen der Lärmvorsorge 12.000 Wohnungen entlang der Trasse.

Einen ruhigen Tag daheim kennt Norbert Stuhlmann nicht. Seit 34 Jahren wohnt er am Mehlbergweg und hat – wie viele andere Beueler auch – ständig Lärm um sich herum. Auf der einen Seite des Hauses rattern die Güter- und Personenzüge entlang. Auf der anderen rollt die Straßenbahn auf ihren Schienen. Das Knattern und Rauschen auf Autobahn und Königswinterer Straße kommen auch hinzu. Doch noch vor dem Bau der S 13 wird wohl alles besser.

Morgens klingeln die Bautechniker Andreas Franke und Swen Kühn von dem von der Bahn beauftragten Ingenieurbüro an der Haustür: Sie wollen im Auftrag der Bahn genau wissen, wie es um den Lärm steht. Dabei geht es aber nicht um den der heutigen Züge, sondern um die Belästigung in ein paar Jahren, wenn die S 13 auf ihren neuen Gleisen fährt.

Das bedeutet natürlich, dass diese Prognose nicht mit einem Mikrofon in Stuhlmanns Wohnung gemessen werden kann. Sie wird am Computer errechnet. „Wo man am Zustand bestehender Bahnstrecken etwas ändert, muss man die Grenzwerte einhalten“, sagt S 13-Projektleiter Jens Sülwold. Will heißen: Die Karten werden neu gemischt. Da, wo es jetzt schon durch die Bahn zu laut ist, besteht auf einmal gesetzlich verordneter Handlungsbedarf. Lärmvorsorge heißt das.

„Ich schlafe nachts immer mit Ohropax. Anders geht es gar nicht“, sagt Stuhlmann zum permanenten Lärmpegel, der mit der frischen Luft durchs offene Fenster ins Schlafzimmer dringt. So geht es vielen entlang der geplanten Trasse. Franke und Kühn klappern deshalb bis 2020 Tausende Wohnungen ab. „8000 Gebäude sind betroffen, das sind 12 000 Wohnungen“, sagt Kühn. Rund 30 Prozent der Bewohner würden aber auf einen Besuch verzichten. Dabei wird es für die meisten schon bald leiser, lange bevor die erste Schiene verlegt ist. Und das noch umsonst.

Schallschutzwand reicht nicht aus

Die erste Maßnahme ist ein aktiver Lärmschutz, also eine Wand. Doch in Küdinghoven und vielen weiteren Wohngebieten reicht das nicht: „Mit den geplanten vier Meter hohen Schallschutzwänden allein können die Grenzwerte nicht eingehalten werden“, sagt Sülwold. Dafür seien die Züge später einfach zu laut (siehe „Grenzwerte“). So untersuche die Bahn nun, wem ein passiver Schallschutz zusteht.

Für Stuhlmann wird in den nächsten Wochen nun ausgerechnet, ob er beispielsweise ein neues, besseres Fenster bekommt. Das gilt aber nur für Aufenthaltsräume wie Schlaf- und Wohnzimmer. Franke und Kühn vermessen sie genau, schauen nach den Rollladenkästen und wollen von dem Küdinghovener Auskünfte über Dämmung, Dach und Putz haben. Die Umbauten erfolgen dann schon in den nächsten Monaten. Vielleicht springt sogar ein Frischluft spendender Schalldämmlüfter für ihn raus, mit dem das Fenster geschlossen bleiben kann. Das 500 Euro teure Gerät kann den Krach wie eine 40 Zentimeter dicke Wand zurückhalten.

Wie berichtet, entstehen die Gleise für die seit 1997 diskutierte S 13 neben der bestehenden Trasse. Baubeginn ist 2023. Es werden meist zwei Stränge verlegt, von Beuel bis Oberkassel sei es aber einer, sagt Sülwold. Das Stück wird 2028 in Betrieb genommen, das bis Beuel 2026. Die Bahnen fahren dann im 20-Minuten-Takt. Die Lärmschutzwände „werden sukzessive nach dem Gleisbau errichtet“, so Sülwold.

Es gibt Anwohner, die sind noch weitaus mehr gebeutelt als Norbert Stuhlmann. Etwa die am Fasanenweg in Sankt Augustin, so die Bautechniker. Dort schaut man aus dem Fenster direkt aufs Gleisbett. Auch für sie soll es bald schon leiser werden.