Sozialer Zaun am Alten Friedhof

Bauzaun mit Shampoo und Seife

Beuel. Eleni Hoh ist eine Macherin: Zwischen Hip-Hop und Kung Fu kümmert sie sich um Flüchtlinge, Jugendliche in Uganda und Obdachlose. Vor wenigen Tagen hat sie als Kopf der Bonn-Beueler Engel den sozialen Zaun ins Leben gerufen.

Auf einer Verkehrsinsel vor dem Alten Friedhof kann jeder Hilfsgüter, die er spenden will, an ein Gitter hängen. Wer etwas von den Sachen benötigt, holt es sich einfach ab. „Es geht uns so gut in unserer Gesellschaft. Da kann man auch mal was zurückgeben“, sagt die 28-Jährige, die in Beuel ehrenamtlich Tanz und Kampfsport unterrichtet und ansonsten als Beamtin beim Bund arbeitet. Schon früher hatte sie sich Hilfsgruppen angeschlossen. „Dann wollte ich mein eigenes Ding machen“, sagt sie – alles ehrenamtlich. So gründete sie die Engel, die sich über Facebook organisieren. Rund 700 Leute sind der Internetgruppe schon beigetreten, einige helfen hier und da. Rund 20 gehören zu den Aktiven.

Eleni Hoh hatte gesehen, dass es soziale Zäune schon in Hamburg, Darmstadt und Kassel gibt. „Das fand ich eine tolle Sache.“ Es passte auch ganz gut, da die monatliche Verteilaktion von Hilfsgütern im Bonner Loch ein wenig eingeschlafen war. Auch weil dort schon andere Gruppen erfolgreiche Arbeit leisten. Drei Monate hatte es dann gedauert, die Stadt von dem Projekt zu überzeugen. Der Zaun durfte nicht mitten in der City stehen und sollte auch nicht zu weit außerhalb liegen. So kam man auf die Verkehrsinsel an der Ecke Am Alten Friedhof und Bornheimer Straße nahe dem Stadthaus. Die Auflage der Verwaltung: Einmal am Tag soll jemand kontrollieren, ob noch alles in Ordnung ist, und den Müll wegräumen. Eleni Hoh freut sich, dass sie auf die Hilfe von Anwohnern und der Bla-Wirtin zählen kann.

Ein Freund aus Lengsdorf hatte das Bauzaunteil gestiftet, das nun an einem Baum lehnt. Im Prinzip darf da jeder dranhängen, was er will. Nur Lebensmittel sollten es nicht sein. So finden sich, wasserdicht in Tüten verpackt, Shampoos, Seifen und Deos. Auch mal ein kleiner Kopfhörer. Valerie Kermas hat ein paar Kondome gekauft, weil sie weiß, dass auch die gern mitgenommen werden. Zwei Frauenhosen kommen mit an den Zaun. „Ich finde das großartig“, sagt die Beuelerin und will wie Michael Husmann nun öfter vorbeikommen.

Der Oberkasseler bringt Pflaster, Zahnbürsten und Duschgel. „Es ist ja eigentlich eine Kleinigkeit, die man selbst organisieren kann. Und es hilft ungemein.“ Er hofft, dass sich der Zaun schnell rumspricht. Kunden gibt es auf jeden Fall genug: „Es geht gut was weg“, sagt Eleni Hoh und füllt eine Lücke mit Kindermützen.

Die junge Frau stellt sich über Facebook breit auf, unterstützt mit ihren Mitstreitern Tierheime und bastelt mit Flüchtlingen. In Vorbereitung ist eine Tombola in der Marienschule, deren Erlös ins Bildungsprojekt „GirlBe“ für junge Frauen in Uganda fließt. Die Bonn-Beueler Engel haben im vergangenen September den „HelferHerzen“-Preis der Drogeriekette dm gewonnen. So wächst die Internetgemeinde weiter und damit die Hilfsbereitschaft vieler Bonner. Eleni Hoh ist begeistert.

Das Projekt ist über die Suche „Sozialer Zaun Bonn“ bei Facebook zu finden. Mehr auch auf bonn.beueler.engel@gmail.com