Mit „Schäng“ zurück in die 80er

Band aus Beuel dreht Video am Rhein

Videoszene im Retro-Look: Winni Lombardo singt „Schöne Musik“ am Rheinufer.

Videoszene im Retro-Look: Winni Lombardo singt „Schöne Musik“ am Rheinufer.

BEUEL. Die Beueler Mundartband Schäng besingt in ihrem neuen Lied "Schöne Musik" ihre Jugendzeit und dreht ein aufwendiges Video. Auf der Internetplattform Youtube ist das Lied bereits ein Hit.

Die 80er sind am Oberkasseler Rheinufer zurück – mit Modern-Talking-Keyboard, Tante-Emma-Laden und Miami Vice. Die Mundartband „Schäng“ verwandelt in ihrem neuen Musikvideo „Schöne Musik“ die Schäl Sick in ein Retro-Kino, auf der Internetplattform Youtube ist das Lied bereits ein Hit. „Dass die Wellen so hoch schlagen, haben wir nicht erwartet“, sagt Sänger Winni Lombardo. Die hohe Stimme im Refrain kommt aber nicht von ihm, sondern von Schlagzeuger Frank Epstein.

Schon nach den ersten Sekunden ist klar, wovon das untypische Karnevalslied inspiriert wurde. „Das sind nur zwei Akkorde, die aus Modern Talkings 'You're my heart, you're my soul' stammen“, erzählt Winni Lombardo. Der unvergleichliche Sound komme aber vielmehr vom Keyboard, dass schon Dieter Bohlen damals verwendet hat. Das erkennen nicht nur „Kinder der 80er“, wie Lombardo sagt, sondern auch alle anderen sofort. Die Idee dazu kam ihm eben aus diesem Grund: Ihm geht es darum, das Lebensgefühl seiner Jugend zu transportieren. „Und da momentan ja wirklich viel bei der Musik im Karneval ausprobiert wird, wie zum Beispiel Querbeat es macht, wollten wir auch neue Wege gehen.“

So entstanden Zeilen wie „ne braune Bär, de Ghettoblaster op de Schulder. So saßen mir vür McDoof, mit der eetste Zijarett“. „Wir hätten bestimmt 800 Zeilen füllen können, mussten uns dann aber eben für wenige entscheiden.“ Im Refrain springt dann die hohe Stimme von Epstein ein, die, versichert Lombardo, „nicht nachträglich bearbeitet“ wurde. Man habe im Studio lediglich ein wenig Hall hinzugefügt.

Auch für das Video gingen der fünfköpfigen Band die Ideen nicht aus. Zunächst wollten sie im Cadillac durch Bonn rollen und immer wieder Szenen aus den 1980er nachstellen. „Wir merkten aber, dass das viel zu aufwendig werden würde“, sagt Lombardo. Ziel sei nämlich gewesen, das Video an einem Stück zu drehen. Doch das haben sie selbst am Rheinufer, wo es wesentlich ruhiger war, noch auf den Straßen nur schwer hinbekommen. „Wir brauchten sicherlich zehn Anläufe für die Szene, wo ich im Hintergrund im Klappstuhl sitze.“ Vorne laufen passend zu den Versen die Agenten von Miami Vice und Sohn Nico Lombardo samt Ghettoblaster durch das Bild.

Neben den Bandmitgliedern tanzen auch Obermöhn und Lombardos Frau Ina Harder als rothaarige Tante Emma im Video. Diesen Part sollte eigentlich ein ältere Dame übernehmen, die allerdings kurz vor dem Dreh stürzte. „Als ich dann gefragt wurde, konnte ich nicht Nein sagen“, erzählt Harder. Auch Carina Gimber, die Tanzmarie bei den Kölner Höppemötzjer ist, taucht immer wieder im Musikvideo auf.

Insgesamt brauchte das Team zwei Drehtage: einen am Strand in der Nähe des Bootshauses, einen in Aegidienberg in der Unterführung einer ICE-Trasse. „Das war die einzige Stelle, die wir fanden, an der es schöne Graffiti und vor allem nicht so viele Passanten gab“, sagt Lombardo. Am Rhein hatte sich dagegen schnell eine Menschentraube gebildet, die das Treiben beobachtete – schließlich fiel nicht nur Winni Lombardo in seinem bunten Hawaiihemd auf, sondern auch die ganze Ausrüstung mit Kamera und Lampen. Trotz des professionellen Drehs musste am Computer einiges nachbearbeitet werden. „Weil es so bewölkt war, mussten wir mit einer Farbkorrektur arbeiten, um den Sommer-Look hinzubekommen“, erklärt Lombardo. Im Video ist davon aber nichts mehr zu sehen.

Ein neues Album ist noch nicht in Sicht, dafür aber eine „rockige B-Seite, die mit dem Lied „Schöne Musik“ am 11. Juli erscheint. Eigentlich sollte „Wahnsinns Jeföhl“ das Stück für die kommende Session werden, weil es mehr dem Stil von „Schäng“ entspreche. „Aber 'Schöne Musik' kommt jetzt im Sommer schon so gut an, dass es sicherlich auch an Karneval viele hören wollen“, sagt Lombardo.