Nächtliche Arbeiten an der S13-Strecke

Bahn muss Anwohnern in Beuel Hotelaufenthalt bezahlen

Beuel. In dieser Woche wird es mehrmals laut im Bereich der S-13-Bahnstrecke in Beuel. Die Bahn hat dringend notwendige Arbeiten für die Nacht angekündigt - und muss Anliegern auf Wunsch eine Ersatzunterkunft anbieten.

Aus der Ruhe lässt sich Claudia Kirmis so schnell nicht bringen – „und auch nicht um meinen Schlaf“, lacht die Küdinghovenerin. Selbst die vier exotischen Enten, die im Garten vor ihrem Haus umherwatscheln, sind offenbar lärmresistent und tiefenentspannt. „Wir alle können mit dem Krach sehr gut leben. Wir schlafen trotzdem“, ergänzt sie.

In dieser Woche wird es mehrmals laut im Bereich der S-13-Bahnstrecke und damit direkt vor dem Fenster von Familie Kirmis: Im Zuge des Ausbaus der Strecke hat die Deutsche Bahn für drei Nächte dringend notwenige Arbeiten angekündigt. „Wir haben die Arbeiten extra in die Zeit zwischen 22 und sechs Uhr verlegt, um den Fahrbetrieb so wenig wie möglich zu behindern“, erklärt ein Bahnsprecher. Rund 20 Mitarbeiter führen auf der Strecke 2324 Trenn- und Schweißarbeiten an den Schienen aus. Dafür werden zum Teil schwere Geräte eingesetzt.

„Bisher hatten wir noch keine schlaflosen Nächte“, erzählt Claudia Kirmis. „Da gab es in der Vergangenheit Arbeiten, die uns mehr gestört haben.“ Sie kann den aktuellen Arbeiten sogar etwas Positives abgewinnen. „Wegen der Bauarbeiten fahren die Züge nachts jetzt viel langsamer an unserem Haus vorbei. Das macht nicht nur weniger Lärm, sondern die Erschütterungen sind ebenfalls deutlich geringer“, so die Anwohnerin. Auch über die Bauarbeiter kann sie sich nicht beklagen. „Die sind alle wirklich sehr nett und hilfsbereit. Sie fragen immer nach, ob alles in Ordnung ist. Wir haben wirklich keinen Grund zur Klage.“

Möglichkeit in ein Hotel zu ziehen

Bevor Stromerzeuger, Trenn- und Schleifmaschinen an den Gleisen eingesetzt werden konnten, musste die Stadt im Vorfeld die nächtlichen Baumaßnahmen genehmigen. An ihre Zustimmung waren jedoch Auflagen geknüpft, die die Deutsche Bahn zu erfüllen hatte. Eine ist betroffenen Anliegern auf Wunsch eine Ersatzunterkunft anzubieten. „Aufgrund der eingesetzten Geräte und der Nähe zu der angrenzenden Wohnbebauungen ist ein ausreichender Schutz der Nachtruhe nicht mehr ausreichend gewährleistet“, erklärt Stefanie Zießnitz vom Presseamt. Daher sei es erforderlich, den Anwohnern eine kostenlose, adäquate Ersatzunterkunft für den Zeitraum der Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Diese Auflage werde einzelfallbezogen ermittelt und sei nicht genereller Bestandteil einer Nachtarbeitsgenehmigung, betont das Presseamt.

Daher hält die Bahn für die direkten Anlieger Hotelzimmer bereit. „Dieses Angebot haben wir den Bewohnern von insgesamt 22 Haushalten gemacht. Zwei werden in den betroffenen Nächten umziehen“, so ein Sprecher. Die Deutsche Bahn habe allerdings mehrere Vertragshotels in der Umgebung. „Wir hätten zur Not natürlich alle untergebracht.“ Luxusherbergen können jedoch nicht erwartet werden. „Wir bezahlen maximal 80 Euro pro Nacht ohne Frühstück“, so der Bahnsprecher.

Ausweichen in ein Hotel oder eine Pension kommt für Claudia Kirmis und ihren Mann nicht infrage. „Wieso sollten wir umziehen?“, fragt sie. „Wir fühlen uns nicht belästigt.“ Sollte es dennoch einmal unerträglich werden, dann weiß sie, an wen sie sich wenden kann. „Wir haben von der Bahn die Handynummer eines Mitarbeiters bekommen, bei dem wir uns sogar nachts melden können, wenn es zu laut ist.“ Rosemarie Schmitz, die ebenfalls in direkter Nähe der Bahnstrecke lebt, leidet jedoch unter dem nächtlichen Lärm. „Das höre ich ganz genau. Ich kann zwar nicht schlafen, würde allerdings niemals meine Wohnung verlassen“, sagt die 80-Jährige. „Zur Not hole ich den Schlaf am Tag nach.“

Überhaupt keine Probleme hat ihre Tochter Marion Korth, die gleich nebenan mit Sohn und Enkel lebt. „Wir haben alle gut geschlafen“, sagt sie. „Wir leben ja seit Jahrzehnten mit dem Lärm und kennen es nicht anders.“ Es sei vielmehr ungewohnt, wenn die alltägliche Geräuschkulisse einmal nicht vorhanden ist. „Wir registrieren die Ruhe viel mehr als den Lärm“, lacht sie. Auch für sie kommt ein Umzug in ein Ausweichquartier nicht infrage. „Nein, wir bleiben auf jeden Fall zu Hause.“