Güterbahnhof in Beuel

Bahn kündigt Mietvertrag von Autozubehörfirma

Das Schicksal des Beueler Güterbahnhofs nach Baubeginn für die S13 liegt Wissenschaftler Heinz Günter Horn (links) und Verkehrsexperte Volkhard Stern am Herzen.

Das Schicksal des Beueler Güterbahnhofs nach Baubeginn für die S13 liegt Wissenschaftler Heinz Günter Horn (links) und Verkehrsexperte Volkhard Stern am Herzen.

Beuel. So langsam wird es ernst für Florian Kalff und seinen VW-Entfallteiledienst im Beueler Güterbahnhof. Zwar weiß er schon, wie mehrfach berichtet, seit Beginn seiner Pacht, dass ihn der Bau der S13 aus dem Denkmal vertreiben wird. Nach GA-Informationen hat der Geschäftsführer der Autozubehörfirma nun aber von der Deutschen Bahn die Vertragskündigung zu Ende März erhalten.

DB-Sprecher Dirk Pohlmann bestätigte den Vorgang: „Wir sind aber noch in Gesprächen für einen Übergangsmietvertrag bis April 2017.“ Kalff selbst möchte zu dem Thema nichts sagen. Doch es gibt andere, die sich äußern und denen neben seinem Schicksal vor allem die Zukunft des denkmalgeschützten Gebäudes am Herzen liegt. Zum Beispiel Heinz Günter Horn, Vorsitzender des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Denn mit dem Auszug des Pächters seien das 92 Quadratmeter große Büro und die 910 Quadratmeter große Halle dem Verfall preisgegeben.

„Und zwar noch bevor die Bahn das Gebäude transloziert“, so Horn. Denn für den Bau der Schnellbahnverbindung zwischen Oberkassel und Troisdorf müssten rund zwei Drittel des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes abgetragen und 1,80 Meter weiter östlich wieder aufgebaut werden. Der Wesselinger hat sich damit abgefunden, dass die Gleisverbindung wohl ab 2017 gebaut wird, schließlich gebe es einen rechtskräftigen Planfeststellungsbeschluss – mit der Bedingung, das Denkmal zu translozieren. „Aber wir als Rheinischer Verein hätten gerne eine klare Erklärung der Bahn, dass das Gebäude so lange genutzt werden kann, bis es versetzt wird“, sagt der Wissenschaftler.

Seine Theorie: Die Bahn sei oft mit guten Worten dabei, betreibe aber fast schon eine Verfallspolitik. „Heute ist es bei der öffentlichen Hand üblich geworden, Baudenkmäler so zu vernachlässigen, dass der Denkmalwert nicht mehr erkennbar ist“, meint der Vereinsvorsitzende. Die Folge: Abriss oder eben Leerstand. Das sieht auch Volkhard Stern so. Der Bad Godesberger Experte für alles rund um Lokomotiven, Straßenbahnen und alte Bahnhöfe nennt ein Beispiel. „In Kreuzberg an der Ahr wollte eine Initiative das 1987 stillgelegte Bahnbetriebswerk museal erhalten, es wurde sogar unter Denkmalschutz gestellt. Nach jahrelangem Verfall wurde der Schutz aufgehoben, es steht noch eine Bauruine“, sagt Verkehrshistoriker Stern.

Er ist ein Gegner des S13-Projekts, zum einen wegen der seiner Meinung nach immer noch unklaren Finanzierung, zum anderen weil damit der Güterumschlagplatz Bonn-Beuel wegfalle. „Es ist der letzte Verladebereich weit und breit, zudem mit einer betriebsbereiten Kopframpe“, zählt Stern logistische Besonderheiten auf. Büro und Palettenlager seien Ende des 19. Jahrhunderts aufwendig geplant worden, unter anderem gibt es Andreaskreuze im Mauerwerk.

Auch die Verantwortlichen des nordrhein-westfälischen Bauministeriums wollen nach dem Firmenauszug dauerhaft ein Auge auf den Zustand des Güterbahnhofs haben. „Denn die Anlage ist durch den Pächter optimal genutzt und in Schuss gehalten worden“, bescheinigt Thomas Otten, Referatsleiter Denkmalschutz und Denkmalpflege im Ministerium. Es sei alles andere als ideal, wenn das Gebäude leer stehe und zwar mit der Option, dass bautechnisch auf Jahre nichts geschehe. Denn der Bauabschnitt Beuel werde erst in einigen Jahren umgesetzt. „Wir haben uns auch für eine Vertragsverlängerung eingesetzt“, sagte Otten. Bislang scheinbar ohne Erfolg.

Laut Bahnsprecher Dirk Pohlmann sind der Güterbahnhof und seine Umgebung im Planfeststellungsbeschluss als Baustelleneinrichtungsfläche für die Realisierung der S13 ausgewiesen. Folglich werde das Areal auch Baufirmen zur Verfügung gestellt. „Wir benötigen das Gebäude zum Beispiel auch für die Lagerung von Kabeltrommeln“, sagt Pohlmann. Zudem solle ein Baubüro der Bahn einziehen. Es liege wirtschaftlich und verkehrlich günstig. Ebenfalls 2017 würden die Gleisanlagen für die Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) erneuert und für den späteren Endzustand vorbereitet. „Nach Einbau der Kabel auf der Strecke zwischen Troisdorf und Bonn-Beuel ist der Abbau der Halle ab Herbst 2017 geplant“, führt der Bahnsprecher zur Translozierung aus. Die Kosten dafür bezifferte er mit rund einer Million Euro. 2009 war noch mit 312 748 Euro gerechnet worden.

Impressionen vom Beueler Güterbahnhof gibt es unter www.ga-bonn.de/gueterbahnhof