Beide Bibliotheken sollen geöffnet bleiben

Büchereien: Beuel schickt ein starkes Signal nach Bonn

In Beuel wird es weiterhin beide Bibliotheken geben.

Ein gutes Buch für eine ruhige Minute ist auch ein gern gesehenes Geschenk für die Mutter.

BEUEL. Die Bezirksvertretung Beuel hat am Mittwochabend nach mehr als einstündiger Diskussion einstimmig beschlossen, dass die beiden städtischen Bibliotheken im Brückenforum und in der Gesamtschule Beuel geöffnet bleiben sollen.

Allerdings soll die Bücherei in Beuel-Ost in die Trägerschaft der Gesamtschule übergehen. Dafür werden 12 000 Euro, die durch die Einsparung einer halben Stelle im Brückenforum gewonnen werden sollen, an die Gesamtschule als Zuschuss für die personelle und organisatorische Verantwortung für die Bibliothek gezahlt.

Damit distanziert sich die Bezirksvertretung vom Vorschlag der Verwaltung, aufgrund der angespannten Haushaltslage die Bücherei im Brückenforum zu schließen. Die Fraktion der Grünen hat sich bei der Abstimmung enthalten. Bei den Haushaltsberatungen kam es zwischen den Parteien zu einem inhaltlich heftigen Schlagabtausch über die künftige Ausrichtung des öffentlichen Bibliotheksangebots in Beuel. Allerdings waren die Fronten ungleich besetzt. Da sich die Vertreter vom Bürgerbund, der Linken und der AfD auf die Seite der aus CDU, SPD und FDP bestehenden Mehrheitskoalition geschlagen hatten, standen die Grünen mit ihrer Haltung allein auf weiter Flur.

Für Aufregung und Verärgerung hatte in Beuel ein von den Grünen initiierter Prüfungsantrag gesorgt, wonach die Verwaltung folgendes Modell kostenmäßig durchrechnen soll: Beide Stadtbezirksbibliotheken werden in Beuel geschlossen und dafür soll eine Kinder- und Jugendbücherei im Rathaus eröffnet werden - und zwar in den Erdgeschoss-Räumen, die im nächsten Jahr durch die von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch verfügte Schließung des Bürgeramts frei werden.

Bezirksbürgermeister Guido Déus (CDU) war von der Grünen-Initiative derart genervt, dass er den Sitzungsvorsitz an seinen ersten Stellvertreter Ralf Laubenthal (SPD) abgab und als Bezirksverordneter von der Fraktionsbank aus sprach: "Die Stadtverwaltung will bei den Büchereien pro Jahr 440 000 Euro sparen. Die Bonner Grünen wollen anscheinend, dass diese Summe weitgehend in Beuel generiert wird. Das kann doch nicht deren Ernst sein." Déus' Kampfansage in Richtung Bonn war nicht zu überhören: "Auch als Stadtverordneter werde ich im Rat genau für dieselbe Meinung einstehen."

SPD-Fraktionschef Dieter Schaper war von der Vorgehensweise der Grünen ebenfalls enttäuscht: "Unsere Mehrheitskoalition hat sich schon schwer getan, sich auf eine Bücherei festzulegen. Wir erkennen aber den Sparzwang an und wollen unseren Anteil dazu beitragen. Aber beide Bibliotheken abzugeben, kommt nicht in Frage." Die Beueler Grünen versuchten, für ihre Haltung zu werben. "Wir wollen alle Zahlen und alle möglichen Lösungen auf dem Tisch liegen haben. Erst dann werden wir entscheiden.

Grundsätzlich sind wir für ein dezentrales Büchereiwesen, und wir wollen auch nicht die eine gegen die andere Bibliothek ausspielen", sagte Fraktionssprecherin Doro Schmitz. Sie erinnerte daran, dass die Jamaika-Koalition in Bonn den Prüfungsantrag gestellt habe - also auch CDU und FDP. Und Werner Rambow (Die Grünen) betonte: "Herr Déus, Sie unterliegen in Bonn als Stadtverordneter doch denselben Zwängen, wie wir Grünen. Hätten Sie mal vorher mit uns über Ihre Ideen gesprochen, aber Sie haben ja den Dialog mit uns ausgeschaltet." Michael Seeland (Die Grünen) war dagegen um Annäherung bemüht: "Auch wir wollen beide Büchereien retten. Aber wir wollen uns jetzt noch nicht entscheiden. Wir haben bis zur alles entscheidenden Ratssitzung noch Zeit und noch eine weitere Sitzung der Bezirksvertretung zur Beratung."

Rambow griff den Wortbeitrag seines Fraktionskollegen auf und schlug als Kompromiss vor: "Wir sind doch gar nicht so weit auseinander. Wir werden uns bei der Abstimmung deshalb enthalten." Achim Joest (Die Linke) merkte an, was viele Kollegen nicht angesprochen haben: "Wenn ich die Stimmung in Bonn betrachte, bewegen wir uns auf ganz dünnem Eis."