Mundartexperten Elisabeth und Karl Friedrich Schleier

Bönnsch mal unkarnevalistisch

Die Mundartexperten Elisabeth und Karl Friedrich Schleier geben Einblicke in das echte Bönnsch - und haben Spaß dabei. FOTO: MAX MALSCH

Die Mundartexperten Elisabeth und Karl Friedrich Schleier geben Einblicke in das echte Bönnsch - und haben Spaß dabei.

BEUEL. "Hochdeutsch war die erste Fremdsprache, die ich in meinem Leben gelernt habe", gestand Carl J. Bachem, der Vorsitzende des Denkmal- und Geschichtsvereins Bonn rechtsrheinisch, bei seiner Begrüßung zu "Bönnsch, uns Mottesproch" im Bürgermeister-Stroof-Haus in Vilich.

Bei ihm zu Hause wurde Bönnsch gesprochen. Der Verein, so Bachem, habe die Sorge, dass Bönnsch zur Karnevalssprache degradiert und immer mehr in die kölsche Sprache integriert werde.

Um diese "Unterrichtsstunde", wie die Veranstaltung in der Einladung genannt wurde, so perfekt wie möglich zu gestalten, hatte der Verein die Mundartexperten Elisabeth und Karl Friedrich Schleier eingeladen. Beide sind durch ihre Erlebnisstadtführungen, wie zum Beispiel mit dem "Bonner Nachtwächter", bekannt geworden.

Bereits bei der Vorstellung machte Karl Schleier auf die erste Besonderheit aufmerksam: Er werde eigentlich Schleiers Karl genannt, sagte er, und seine Frau Schleiers Lissi. Beide sind Ur-Bönnsche, er stammt aus Küdinghoven, sie aus Ungarten; beide sprechen Bönnsch - nicht Kölsch oder "Rheinisch", worauf sie großen Wert legen. Doch gleich darauf müssen sie gestehen, dass es "das Bönnsch" eigentlich gar nicht gebe.

Als Karl in Ungarten um die Hand von Elisabeth anhielt, da hatte er große Probleme, seinen zukünftigen Schwiegervater zu verstehen, so groß war der sprachliche Unterschied. So haben sie beispielsweise für das Wort Stachelbeere rund hundert verschieden Wörter im Raum Bonn gefunden.

Über die bönnsche Sprache gibt es kein anerkanntes Werk der Sprachwissenschaften. Wie denn auch, bei den vielen synonymen Begriffen und den unterschiedlichsten Aussprachen. Nach der historischen Betrachtung der Sprachentwicklung in Bonn - Römer, Franken, Franzosen - ging es mit vielen Beispielen ans Eingemachte, an die sprachlichen Regeln: kein "G", offene und geschlossene "O", das Weglassen von "r" und "t" am Wortende, das Hinzufügen von "e" mitten im Wort oder das Zusammenziehen von Wörtern. An diesen Feinheiten, so Karl Schleier, könne er sofort erkennen, ob einer aus Bonn stammt oder nicht.

Beethoven, der perfekt Bönnsch gesprochen habe, soll, als er schon schwerhörig war, es dennoch verstanden haben, wenn er in seiner Heimatsprache angesprochen wurde. "Bönnsch ist einfach der melodischste Dialekt in Deutschland", sagte Karl Schleier voller Überzeugung. Nach freudigem Applaus für die beiden Schleiers meinte Carl Bachem abschließend: "Man hat gesehen und gehört: Bönnsch geht auch ohne Karneval."