40 Hochwasser in 40 Jahren

Aufräumen nach Hochwasser im Bundeshäuschen in Oberkassel

Bis das Restaurant wieder Gäste empfangen kann, müssen die Opgenorths noch einige Tage schrubben und aufräumen.

Bis das Restaurant wieder Gäste empfangen kann, müssen die Opgenorths noch einige Tage schrubben und aufräumen.

Oberkassel. Seit Mittwoch sind Vater, Mutter, zwei Söhne und weitere Helfer mit Saubermachen und Aufräumen beschäftigt. Das Restaurant am Rheinufer öffnet nächste Woche wieder.

Die Familie Opgenorth hatte sich den Jahresauftakt ganz anders vorgestellt: Seit 40 Jahren verwöhnen die Gastronomen ihre Gäste im Bundeshäuschen am Oberkasseler Rheinufer – und deshalb haben sie sich für 2018 viel vorgenommen. Das Hochwasser hat die Planung völlig durcheinander gebracht.

Da das beliebte Ausflugslokale keine zehn Meter vom Rheinstrom entfernt liegt, zählt es in Beuel zu den ersten Gebäuden, die unter Wasser stehen. „Ab einem Pegelstand von acht Metern fließt das Wasser in das Restaurant. Der Keller ist schon vorher nass“, erklärte Eberhard Opgenorth.

Seit Mittwochmittag sind Vater, Mutter, zwei Söhne und weitere Helfer mit Saubermachen und Aufräumen beschäftigt. „Wenn alles gut läuft, öffnen wir am Dienstag wieder, spätestens aber am Mittwoch“, sagte Monika Opgenorth.

Die Eheleute sind bedingt stolz darauf, dass sie in 40 Jahren gerade den Dreck des 40. Hochwassers beseitigen. Haben sie jemals seit 1978 ans Aufhören gedacht? Dazu Eberhard Opgenorth: „Nein, niemals. Der Betrieb im Bundeshäuschen ist für uns zu einer Herzensangelegenheit geworden. Wir haben diese Situation akzeptiert: Im Sommer leben wir vom Rhein, im Winter mit dem Rhein.“

Dieses Mal ist die Familie nach eigenem Bekunden einigermaßen glimpflich davon gekommen: „Das Wasser stand nur 21 Zentimeter hoch im Erdgeschoss. 1993 beim sogenannten Jahrhunderthochwasser schwappte der Rhein fast zwei Meter höher in unser Haus. Das Wasser stand damals bis zur Decke des ersten Geschosses.“ Vor 25 Jahren richtete das Hochwasser einen Schaden von mehr als 120 000 Mark an. Wie hoch der Schaden dieses Mal ist, kann die Familie noch nicht beziffern. Eine Versicherung gegen Rheinhochwasser können die Opgenorths nicht abschließen: „Wir liegen einfach zu nahe am Ufer. Wir haben schon bei mehreren Versicherungen versucht, unser Hab und Gut abzusichern. Ohne Erfolg.“

Um sich die Reinigungsarbeiten etwas einfacher zu machen, hat die Familie das Hausinnere „hochwassertauglich“gemacht. Will heißen: Dort, wo Fliesen Sinn machen, wurden sie verlegt. Die Söhne Michael und René verfolgen frühzeitig im Internet und am Radio die Pegelstände des Rheins. Und sobald auch nur die Möglichkeit eines Hochwassers besteht, beginnen die Opgenorths mit den Vorbereitungen.

„Fangen wir zu spät an, riskieren wir, nicht mehr zum Haus zu kommen. Wir müssen frühzeitig alles ausräumen“, sagte Eberhard Opgenorth, der beim Leerräumen die Treppe runter gefallen ist und sich folgenschwer an der Hand verletzt hat. Eine zweistündige Operation im Beueler Krankenhaus war erforderlich – und hoffentlich erfolgreich.