Neuer Quartiersmanager der LVR-Behinderteneinrichtung

Aufbruchstimmung im Ledenhof

Michael Heine will den Bürgern das Wohnquartier während einer Versammlung vorstellen.

Michael Heine will den Bürgern das Wohnquartier während einer Versammlung vorstellen.

Vor dem Mitarbeiterteam und den Bewohnern des Heilpädagogischen Heims Ledenhof in Vilich liegt eine unruhige Zeit. Ab 2016 werden nach und nach alle Gebäude der Behinderteneinrichtung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) abgerissen. Die heute nahezu von der Öffentlichkeit abgeschirmte Wohnanlage wird von dem Investor NCC in ein inklusives Quartier mit 125 Wohneinheiten umgebaut. Seit dem April arbeitet Michael Heine als Quartiersmanager auf dem Ledenhof.

Seit sieben Wochen arbeiten Sie auf dem Ledenhof. Welchen Eindruck haben Sie von der aktuellen Situation gewinnen können?

Michael Heine: Es herrscht Aufbruchstimmung. Alle Betroffenen bereiten sich auf den Neuanfang vor, weil er die Chance birgt, Dinge im Arbeitsalltag der Mitarbeiter und im Lebensumfeld der Menschen mit geistiger Behinderung positiv zu verändern.

Bis vor Kurzem hat der LVR auf dem Ledenhof 106 Behinderte betreut. Die Planung sieht vor, dass nach dem Umbau nur noch 50 Menschen mit Behinderung im Quartier leben werden. Was geschieht mit den übrigen?

Heine: Derzeit leben noch 74 Kunden bei uns. Einen Teil der Bewohner haben wir bereits in neue Unterkünfte umgesiedelt. Dabei wurde genau hinterfragt, wer mit wem zusammenpasst. Wir haben für jede Person ein Bewohnerprofil angelegt, anhand dessen wir für 50 Kunden, die hier in Vilich bleiben werden, grundsätzliche Wohnkonstellationen entwickelt haben. Nach unserer Einschätzung ergibt sich für sie ein besonders großer Mehrwert, weil sie in einem inklusiven Wohnquartier leben dürfen. Für sie wird sich sehr viel ändern, weil sie nicht mehr in großen Wohngruppen, sondern allein oder zu viert in Apartments wohnen werden. In drei Neubauten werden jeweils zehn Bewohner untergebracht. Außerdem werden fünf Vierer-Apartments im Erdgeschoss von fünf Häusern eingerichtet.

Wie wird diese Zielgruppe darauf vorbereitet?

Heine: Es ist unsere Aufgabe, sie durch Gespräche und Schulungen dazu zu befähigen, dass sie allein oder mit mehreren in einer Wohnung klarkommen. Wir haben so eine Art Wohnungsführerschein geplant. Das bedeutet zum Bespiel, dass sie den Umgang mit einer Mikrowelle lernen werden. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, dass alle 50 Betroffenen den Übergang in ein durchlässiges Wohnquartier schaffen werden. Jeder der 50 wird ein eigenes Badezimmer erhalten, somit muss er auch lernen, in diesem Raum zurechtzukommen.

Was geschieht mit den 50 Menschen mit Behinderung während der zweijährigen Bauphase?

Heine: Die Gebäude werden in zwei Bauabschnitten errichtet, damit unsere Kunden hier wohnen bleiben können. Nach derzeitigem Stand der Planung will der Investor im Januar 2016 mit der Rodung des Geländes beginnen, der Abriss beginnt dann im April auf der östlichen Seite des Ledenhofs. Anschließend wird direkt mit dem Neubau begonnen. Im ersten Quartal 2018 soll alles fertig sein.

Wie bereiten Sie ihre Mitarbeiter auf die neue Situation vor?

Heine: Wir veranstalten mehrere Workshops, um alle Kollegen an dem Entwicklungsprozess zu beteiligen. Es steht auch noch nicht fest, wie viele Mitarbeiter wir hier künftig benötigen. Die Personaleinsatzplanung wird im Vorfeld in einem Projekt entwickelt werden.

Wie wollen Sie sich künftig als LVR-Einrichtung in dem Wohnquartier einbringen?

Heine: Wir wollen uns so weit wie möglich öffnen, wollen Kontakt zu den Vereinen und den Nachbarn aufbauen. Das Herzstück des Quartiers wird das Begegnungszentrum mit Café werden. Dort wollen wir Veranstaltungen wie zum Beispiel Public Viewing bei Sportereignissen anbieten. Auch derzeit bringen wir uns als Einrichtung schon ein. Und zwar werden wir am Sonntag, 31. Mai, einen Stand auf dem Adelheidis-Markt auf Burg Lede eröffnen und dort uns und unsere Arbeit vorstellen. Zwischen Ende September und Anfang Oktober werden wir eine Bürgerversammlung zum Thema "Vom Ledenhof zum inklusiven Wohnquartier" durchführen und dabei alle Pläne und Konzepte den Vilicher Bürgern vorstellen.

Zur Person

Michael Heine ist 31 Jahre alt und wurde in Kleve/Niederrhein geboren. Derzeit lebt er in Köln. Er hat in den Niederlanden studiert und ist von Beruf Sozialpädagoge und Sozialarbeiter. Seit 1. April arbeitet er als Quartiersmanager in der LVR-Einrichtung "Heilpädagogisches Heim Ledenhof" in Vilich, Stiftsstraße 77. Wer mit ihm in Kontakt treten will, kann das per E-Mail unter michael.heine@lvr.de tun.