Abriss des Heilpädagogischen Heims

Arbeiten für inklusives Wohnquartier in Vilich beginnen

Einen Schutzzaun für die verbleibenden 50 Ledenhof-Bewohner errichten Bauarbeiter derzeit auf dem Gelände an der Stiftsstraße.

Einen Schutzzaun für die verbleibenden 50 Ledenhof-Bewohner errichten Bauarbeiter derzeit auf dem Gelände an der Stiftsstraße.

Bonn. Die Planung und Vorbereitung für das inklusive Wohnquartier hat mehr als 40 Monaten gedauert. Jetzt geht es los. Der erste Bauabschnitt soll Mitte 2020 fertig sein.

Es geht los: In der Ausgabe vom 17. Juli 2014 hat der GA seine Leser darüber informiert, dass das Heilpädagogische Heim (HPH) auf dem Ledenhof-Gelände abgerissen wird. Rund dreieinhalb Jahre später rollen jetzt die Bagger in Vilich an und reißen die Häuser aus den 1980er Jahren ab. Die Planungsphase und die Genehmigungsverfahren haben laut Investor Bonava lange gedauert, weil man sich mit Behörden und Nachbarschaft abstimmen musste und wollte. „Und was mehr Zeit in Anspruch genommen hat, als wir erwartet haben, war das Bereitstellen der unabhängigen Ver- und Entsorgung für die Häuser eins bis drei, die während des ersten Bauabschnitts auch weiterhin von 50 Menschen mit Behinderung bewohnt bleiben“, erklärte Stefan Nagel, Bonava-Projektleiter für das Neubauvorhaben. Sogar eine eigene Zufahrt hat die „Wohninsel“ auf der Baustelle erhalten und zwar von der Straße Am Ledenhof aus.

An den ersten Arbeitstagen geht der Abriss nur langsam voran, weil die Bauarbeiter von Hand belastete Baustoffe beseitigen müssen. „An bestimmten Stellen haben wir asbesthaltige Materialien gefunden, die wir getrennt als Schadstoffe entsorgen müssen“, so Nagel. Danach fahren die Bagger auf das fast drei Hektar große Areal an der Stiftsstraße und legen die Häuser vier bis neun nach und nach nieder. Um die Abfallmenge zu reduzieren, will Bonava gewisse Mengen an Beton und Steinen wiederverwenden. Dazu wird das Baumaterial vor Ort gebrochen und als kleinteiliges Schüttmaterial für den Kanal- und Straßenbau wieder eingesetzt. Der Rest wird auf eine Deponie abtransportiert.

Schutzzaun für die bewohnten Häuser

Was seit wenigen Tagen optisch besonders auffällt, ist der 2,50 Meter hohe Schutzzaun aus Holz. Er dient vor allem als Sichtschutz für die drei Häuser, die noch bis 2020 bewohnt sein werden. Die 50 Menschen mit Behinderungen ziehen erst dann von dort in Wohnungen des fertigen ersten Bauabschnitts ein, wo sie dauerhaft leben werden. An der Stiftsstraße entsteht bekanntlich ein inklusives Wohnquartier, in dem mehr als 300 Menschen mit und ohne Behinderungen leben werden.

Die Abbrucharbeiten werden bis Ende Februar andauern. Ab März 2018 beginnen die Kanal- und Straßenbauarbeiten. Dafür hat Bonava rund sieben Monate einkalkuliert. Im Juli sollen dann die Baugruben ausgehoben und im September mit dem Hochbau begonnen werden. „Die Zeitschiene steht. Nach den anfänglichen Verzögerungen werden wir jetzt im Zeitplan bleiben“, sagte Nagel. Der erste Bauabschnitt soll Mitte 2020 fertig sein. Dann schließt sich die gleiche Bauabfolge für den zweiten Abschnitt an, der in der zweiten Jahreshälfte 2022 beendet werden wird.

Wenn alle Bauarbeiten abgeschlossen sind, stehen auf dem Gelände 54 Baukörper mit 139 Einheiten. Neben den Wohneinheiten zählen eine Kita und ein Heilpädagogisches Zentrum zum Bauumfang. Bonava, die in den Bau des Wohnquartiers fast 40 Millionen Euro investiert, wird alle Gebäude verkaufen.

„Die Nachfrage ist jetzt schon ungemein hoch. Die Wohnungen werden von den Immobilienfirmen, an die wir verkaufen, vermietet und weiter verkauft werden. Der Vertriebsstart für die 41 Einfamilienhäuser wird bei der Bonner Immobilienmesse im September 2018 sein“, sagte Nagel.

Bei aller Freude über den Baustart gibt es auch einen betrüblichen Aspekt. Unbekannte haben in den vergangenen Wochen das offene Gelände zur eigenen Bereicherung mit Bonava-Eigentum missbraucht. „Von gepflasterten Flächen sind uns die Steine gestohlen worden. Außerdem wurde eine sechs mal sechs Meter große hölzerne Grillhütte abgebaut und entwendet. Das muss an Wochenenden passiert sein, weil es niemand bemerkt hat“, berichtete Nagel. Um weiteren Überraschungen vorzubeugen, hat Bonava ein Beweissicherungsverfahren durchgeführt. Will heißen: Der bauliche Zustand der Wohnhäuser in der direkten Nachbarschaft wurde von einem Fachgutachter vor Baubeginn bewertet. Außerdem hat der Investor ein Messgerät aufgestellt, das die durch die Baustelle verursachten Erschütterungen aufzeichnet.