Antrag aus Roleber

Anwohner wollen Denkmalschutz für Landwirtschaftskammer

Das Kammergebäude aus dem Jahr 1984 soll nach dem Willen des neuen Eigentümers abgerissen werden.

Das Kammergebäude aus dem Jahr 1984 soll nach dem Willen des neuen Eigentümers abgerissen werden.

Beuel. Anwohner rund um Bonn-Roleber verlangen, dass die Gebäude der Landwirtschaftskammer in Roleber bei Beuel unter Denkmalschutz gestellt werden. Im Zuge der geplanten Wohnbebauung soll so ein Abriss verhindert werden.

Bürger aus der Beueler Bergregion haben jetzt bei den zuständigen Behörden schriftlich Denkmalschutz für den ehemaligen Verwaltungssitz der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Roleber beantragt. Damit sollen die Abrisspläne des neuen Eigentümers, der Firma Sahle Wohnen, gestoppt werden.

Das Gebäudeensemble an der Siebengebirgsstraße stammt aus dem Jahr 1984. 2017 wurde das Areal an Sahle Wohnen in Greven verkauft. Seitdem streiten Politik, Verwaltung und Bürgerschaft über die Dimension der geplanten Wohnnutzung.

Es gab bislang mehrere Nutzungsvarianten, die neuen Wohnraum für bis zu 1200 Menschen schaffen sollten. Neuester Vorschlag der Firma Sahle: Abriss aller Gebäude und Neubau von Wohnhäusern auf dem fast zehn Hektar großen Gelände (Baufeld 1: Kammergelände plus „Kragen“). Dadurch sollen circa 250 bis 300 Wohneinheiten geschaffen werden. Darüber berät die Bezirksvertretung Beuel in ihrer nächsten Sitzung.

Die Bürgervereine aus Hoholz, Roleber-Gielgen und Holtorf-Ungarten haben nochmals am Montag auf die angespannte Verkehrssituation in der Region am Berg und die Nähe des zur Diskussion stehenden Wohngebietes zum Naturschutz aufmerksam gemacht. „Die große Mehrheit der Menschen in der Bonner Bergregion lehnt eine Wohnnutzung nicht ab, aber sie muss maßvoll sein und sich nachhaltig in die Landschaft einpassen", erklärte Jens Töpert, Vorsitzender des Bürgervereins Roleber-Gielgen, in einem Gespräch mit dem GA.

Sein Kollege Wolf Lenze aus Hoholz ergänzte: „Wir Bürger steigen durch dieses komplexe, sich immer wieder verändernde Verfahren nicht mehr durch. Die Stadt hatte uns eine Bürger-Werkstatt zugesagt, bei der wir frühzeitig vor Baubeginn unsere Vorstellungen in die Planung einbringen können. Davon ist jetzt keine Rede mehr.“

Verkehrslage ist "Zumutung für Anwohner"

Die Vorsitzende des Bürgervereins Holtorf-Ungarten, Elisabeth Schmid, erinnert an das Chaos auf den Straßen im Berufsverkehr: „Die meisten der Neubürger werden über die Löwenburgstraße durch Niederholtorf fahren, um zu den Arbeitsplätzen nach Bonn und Beuel zu gelangen. Diese Straße ist jetzt schon morgens und abends dicht und stellt aufgrund der Verkehrslage eine Zumutung für die Anwohner dar.“

Die Vereinsvorstände reklamieren eine Freihaltung der Baufelder 2 und 3 (Friedhofserweiterungsfläche und Versuchsflächen der Landwirtschaftskammer). Man wolle einen Beitrag zur Linderung der Wohnungsnot in Bonn leisten, aber diese grüne Region dürfe nicht zubetoniert werden. Das verbiete sich in Zeiten, in denen sich Menschen Sorgen um Klima- und Naturschutz machten, sagten die drei Vorsitzenden übereinstimmend.

Der Verein „Lebenswerte Region Bonn/Siebengebirge“ lehnt einen Abriss der Gebäude ab. Vereinssprecher Tilo Schumann weist darauf hin: „Einige Ratsfraktionen versuchen, wie bei der Beethovenhalle auch, mit den Immobilien der ehemaligen Landwirtschaftskammer eilig Fakten zu schaffen, ohne die Risiken überhaupt näher kennen zu wollen.“

Er verweist darauf, dass Bürger Anfang des Jahres die Kommunalpolitiker daran erinnert hätten, dass bei zusätzlicher Bebauung die Abwassersituation eine Erweiterung des Kanalabflusses durch Holzlar erfordern würde. „Die Kanalerweiterungskosten werden auf 20 Millionen Euro geschätzt. Diese bisher ungeprüften Folgekosten einer Bebauung in Roleber dürfte die Stadt Bonn tragen beziehungsweise auf die Holzlarer Anwohner umlegen“, so Schumann.

Die Bezirksvertretung tagt an diesem Mittwoch ab 17 Uhr im Rathaus Beuel, Friedrich-Breuer-Straße 65.