Situation am Rathaus in Bonn-Beuel

Anwohner beschweren sich über zu viele Obdachlose

Am Rathausvorplatz in Beuel und am Dreieck neben dem Konrad-Adenauer-Platz sollen sich viele Obdachlose aufhalten.

Am Rathausvorplatz in Beuel und am Dreieck neben dem Konrad-Adenauer-Platz sollen sich viele Obdachlose aufhalten.

Beuel. Anwohner und Gewerbetreibende beschweren sich über den Zustand am Beueler Rathaus. Die Politik will Mülleimer und Aschenbecher aufstellen lassen, um den Platz attraktiver zu machen.

Als Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa vor Kurzem zu einem Sicherheitsgespräch in das Beueler Rathaus kam, erlebte sie die Lage rund um die Bezirksverwaltungsstelle hautnah. Ein Polizist platzte in die Besprechung. Er informierte darüber, dass jemand gerade die Autoscheiben eines Kollegen eingeschlagen hatte.

Von einem Brennpunkt will Bezirksbürgermeister Guido Déus zwar nicht sprechen, wohl aber von „Problemen“, die sich seit der Schließung des Bonner Lochs verstärkt hätten. „Es gibt häufiger Beschwerden von Anwohnern und Gewerbetreibenden“, sagt er. Sie berichteten von aggressiven Jugendlichen, Obdachlosen, alkoholisierten Herumtreibern, Drogenhandel und Müll, der herumliegt. Abhilfe sollen unter anderem mehr Kontrollen und auch eine bessere Beleuchtung schaffen.

Vier Seiten umfasst der Infobrief, den Déus an Gewerbetreibende und Bürger verteilen lässt. Die einleitenden Worte: Es sei inakzeptabel, dass die „Verdrängung bestimmter Gruppen innerhalb des Bonner Stadtgebietes“ das Beueler Rathausumfeld in Misskredit bringe. Es geht um das, was schon unternommen wurde und das, was noch folgen soll. Auch die Schuldigen sind bereits ausgemacht. Obdachlose, Alkoholiker, Drogensüchtige und pöbelnde Jugendliche. Das wird auf dem Pressetermin, zu dem der Bezirksbürgermeister und die Beueler Politiker eingeladen haben, schnell deutlich.

„Es geht darum, dass derzeit an einem zentralen Ort in Beuel all diese Personengruppen zusammenkommen“, erklärt Déus. Ziel sei es, sie zu zerstreuen. Man wolle aber auch Sozialarbeiter einsetzen. „Denn das ist ein gesellschaftliches Problem, mit dem man in einer Stadt dieser Größenordnung nun einmal konfrontiert wird“, sagt Déus. Allerdings dürften gewisse Grenzen – Straftaten, Pöbeleien und Verwahrlosung von öffentlichen Plätzen – nicht überschritten werden.

Es sind viele kleine Dinge, die das Areal zwischen dem Beueler Rathaus und dem Konrad-Adenauer-Platz nach Vorstellung der Lokalpolitiker attraktiver machen sollen. Einiges ist bisher auch schon passiert. So sind die Glascontainer hinter dem Rathaus an der Sankt Augustiner Straße verschwunden, weil Passanten den Sichtschutz nutzten, dort ihre Notdurft zu verrichten. Die Terrasse des Rathausrestaurants ist umzäunt worden. Das Ordnungsamt stellt seine Fahrzeuge häufiger auf dem Vorplatz ab, um Präsenz zu zeigen. Zusätzlich hält der Polizeiberatungsbus dort – als Abschreckung, wozu auch stärkere Kontrollen von Polizei und Ordnungsamt beitrügen. Zudem hat die Bezirksvertretung beschlossen 20 000 Euro bereitzustellen um den Platz attraktiver zu gestalten. Das Geld sei unter anderem für die Verbesserung der Beleuchtung zwischen Rathaus und Adenauer-Platz vorgesehen.

Politiker wollen das Areal täglich von Bonnorange reinigen lassen

Was weiterhin kommen soll: Ein Zaun um den kleinen Park hinter dem Rathausrestaurant, mehr Mülleimer und Aschenbecher und eine tägliche Reinigung durch Bonnorange. Obdachlose und Jugendliche sollen „in gebotenen Situationen“ vom Treppenaufgang neben „Hans im Glück“ verscheucht werden – der Bereich ist eine private Fläche des Restaurants. Ein gefährlicher Ort ist das Beueler Zentrum aber aus Polizeisicht nicht, was auch die Kriminalstatistik zeige. „Wir haben keinen signifikanten Anstieg von Straftaten in diesem Bereich“, sagt Polizeisprecher Frank Piontek. In ganz Beuel seien sie von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar gesunken, von rund 1900 auf etwa 1700.

„Allerdings beobachten wir, dass sich dort seit dem Frühjahr verstärkt die Trinkerszene aufhält.“ Dabei handele es sich um etwa 50 Personen, die wegen lautstarker Streitereien und auch Wildpinkelns auffallen. In solchen Fällen würde die Polizei einschreiten. Dass dort Alkohol getrunken werde oder Jugendliche auf den Treppen und Bänken säßen, sei kein Straftatbestand.

Auf die Frage an die Bonner Stadtverwaltung, ob es einen Verdrängungseffekt durch die Schließung des Bonner Lochs gibt, erhielt der General-Anzeiger am Mittwoch keine Antwort. Ebenso blieb offen, wie Ordnungs- und Sozialamt die Situation im Beueler Zentrum bewerten.

Die Beueler Politiker wollen jedenfalls an ihren Maßnahmen festhalten und zudem für eine soziale Kontrolle sorgen. „Es geht dabei auch um die gefühlte Sicherheit“, sagt Déus.