Gespräch am Wochenende: Andreas Berger

Andreas Berger spricht über die musikalische Entwicklung am KFG

Andreas Berger

Andreas Berger

Limperich. Andreas Berger ist ein musikalischer Tausendsassa. Der Lehrer und Musiker leitet das Symphonische Blasorchester am Beueler Kardinal-Frings-Gymnasium, das bereits seit 35 Jahren besteht.

35 Jahre Symphonisches Blasorchester am Kardinal-Frings-Gymnasium (KFG) sind auch eine Erfolgsgeschichte. Was sich in diesen Jahren musikalisch am KFG entwickelt hat, wie viele Orchester und Bands, aber auch Solisten daraus hervorgegangen sind, da kann man nur den Hut ziehen. Mit Musiklehrer Andreas Berger sprach über die Entwicklung.

Herr Berger, mit dem Konzert kurz vor Weihnachten feierten Sie mit dem KFG ein besonderes Jubiläum. Was genau gab es denn da zu feiern?

Andreas Berger: 1982 habe ich hier meine erste Stelle nach dem Referendariat angefangen. Ich war übrigens der erste Schüler des Gymnasiums, der als Lehrer zurückgekommen ist. Der damalige Schulleiter, Arnd Zimmermann, hatte mich gebeten, musikalisch etwas aufzubauen.

Sie haben doch sicherlich nicht sofort ein Symphonisches Blasorchester auf die Beine gestellt.

Berger: Mit Unterstützung des Fördervereins haben wir zuerst einen Instrumentenfundus geschaffen, aus dem sich die Kinder Instrumente ausleihen konnten. Ich habe auch Kollegen dazu geholt, die nachmittags Instrumentalunterricht gaben und immer noch geben. Damit erreichen wir Nachhaltigkeit und die Abhängigkeit von starken oder schwachen Jahrgängen reduziert sich. Wir haben somit eine Musikschule in der Schule aufgebaut. Dieses Prinzip ist bis heute geblieben. Bei unserem ersten Konzert 1982 nannten wir uns ‚Bläserkreis‘.

Was heißt nun Symphonisches Blasorchester?

Berger: Damit wird primär die Größe des Orchesters ausgedrückt. Wir sind derzeit über 100 Musiker und spielen große symphonische Werke, die für Blasorchester, teilweise von mir, umgearbeitet worden sind.

Mehr als hundert Musiker – das sind doch nicht nur alles Schüler des KFG, oder?

Berger: Inzwischen sind das nicht nur aktuelle Schüler, sondern auch ehemalige Schüler oder Eltern von Schülern. Wir sind von unten gewachsen und sind sicher das größte Schulorchester in Bonn ...

... und haben die personelle Größe vom Beethoven Orchester.

Berger: Ja, so ungefähr. Aber alle müssen dafür bereit sein, täglich zu üben und auch abends oder an Samstagen zu arbeiten. Für viele Menschen ist Musik Spaß und Unterhaltung, für den Musiker ist dies Arbeit. Ein Konzert ist das Ergebnis dessen, was man sich über Monate erarbeitet hat. Zur Belohnung fahren wir einmal im Jahr eine Woche in eine Winterfreizeit. Wir nennen das blow & snow.

Noch einmal zurück zu den Orchestern an der Schule.

Berger: 1986 kam das Kammerorchester hinzu, danach noch ein Bläserensemble. Darüber hinaus gibt es verschiedene Bands, darunter „Druckluft“, „Knallblech“ und „Lemon Dust“. Und nicht zu vergessen „Querbeat“, die auch aus unserer Schule hervorgegangen sind. Viel zu verdanken haben wir hierbei Erhard Rau, unserem ersten und immer noch aktiven Trompetenlehrer, der selber bei „Köbes Underground“ spielt. Insgesamt haben wir derzeit zehn Gruppierungen an unserer Schule, von denen ich drei leite.

Gab es einen besonderen herausragenden Auftritt für Sie?

Berger: Unvergessen wird uns allen sicher bleiben, wie wir mit mehr als hundert Musikern im August 2017 am Tag der Bischofsweihe von Peter Kohlgraf in Mainz auf der Domplatte spielen durften. Er war Kollege am KFG, ist ein hervorragender Pianist und Organist und spielte oft noch als Ehemaliger bei uns mit. Er hat uns zu seinem Festtag eingeladen.

Sie sind nicht nur Musiklehrer, sondern Sie sind auch ein gefragter Solist als Trompeter.

Berger: Angefangen habe ich mit zehn Jahren mit einer Landsknechttrommel bei den Beueler Stadtsoldaten, was mir viel Rhythmusgefühl gegeben hat. Ich habe zu jener Zeit zwar Klavierunterricht gehabt, wollte aber nicht üben und bin so bei der Trompete gelandet. Mit Karl Büchel hatte ich einen guten Lehrer. Ich erkannte schnell, dass das mein Instrument ist.

Und heute?

Berger: ... spiele ich zum Beispiel große Messen im Bonner Münster bei Markus Karas oder in St. Josef bei Michael Bottenhorn. Außerdem spiele ich in der Rabbit-Tail-Jazzband, die es schon seit Studienzeiten gibt, zusammen mit meinem ehemaligen Schüler und jetzigem Kollegen Tim Haenelt. Jazz zu spielen, das macht großen Spaß. Das geht einfach so, ohne viel zu üben. Schon Louis Armstrong hat gesagt: „Wenn du's nicht fühlst, kommt es nicht aus deinem Horn“.