Lehrer auf vier Pfoten

Alle lieben Schulhund Balu in der Bonner Marktschule

Alles wird zur Nebensache, wenn Stefanie Martin und Balu in der Klasse auftauchen.

Alles wird zur Nebensache, wenn Stefanie Martin und Balu in der Klasse auftauchen.

PÜTZCHEN-BECHLINGHOVEN. Sonderpädagogin Stefanie Martin nimmt ihren Hund täglich mit in die Marktschule. Dort ist er die Attraktion für die Schüler.

Mit zehn Wochen schon eingeschult: Was für Menschen wohl doch ein bisschen früh wäre, ist für einen Hund gerade richtig. Seit dem Sommer geht Balu jeden Tag zur Marktschule und Frauchen Stefanie Martin ist ganz besonders von seiner Note in „Betragen“ begeistert: Balu ist nämlich ein Labrador Retriever und die Rasse ist für ihr besonders freundliches und ausgeglichenes, stressresistentes Wesen bekannt und dadurch geradezu für den Einsatz als Schulhund prädestiniert.

Und als ein solcher wurde der junge Rüde nämlich „eingestellt“ - zunächst noch als Praktikant: Obwohl der fluffige Vierbeiner zur Zeit noch eine Hundeschule besucht, soll er sich von Anfang an und so früh wie möglich an den Umgang mit Kindern beziehungsweise an das Schulleben gewöhnen. „Balu wird künftig als 'Lehrer auf vier Pfoten' durch die Klassen ziehen“, erläuterte der Konrektor der Schule, Johannes Bildstein. Und zwar immer in Begleitung von seinem Frauchen.

Ein eigener Hund sei schon immer ihr Traum gewesen und sie fühle sich daher von den zusätzlichen Aufgaben nicht überlastet, erzählte die junge Sonderpädagogin, während sie im Lehrerzimmer Balu zärtlich den Nacken kraulte. Auf einer Hundedecke hat der vierbeinige Lehrer in spe dort sein „Plätzchen“, an dem er sich in den Pausen von der anstrengenden Lehrtätigkeit erholen kann. Während der unterrichtsfreien Zeit und nach Feierabend lebt das Tier wie ein ganz normaler Familienhund in Martins Haushalt.

Förderung der emotionalen und sozialen Kompetenz

Und auch Frauchen muss zurzeit noch selber die Schulbank drücken: Bereits während ihres Studiums habe sie erstmals von der tiergestützten Sonderpädagogik gehört, so die Lehrerin, die seit einem Jahr an der Marktschule unterrichtet. Und nun durchlaufe sie gerade mit Balu eine Schulhundausbildung in Meckenheim. Dort lernen die beiden alles, was im Verhältnis zwischen Kind und Hund von Bedeutung sein könnte. Verpflichtend sei eine solche Ausbildung allerdings nicht, so Martin. Sie biete aber allen Beteiligten zusätzliche Sicherheit.

In der Schule wird Balu vielfältige Aufgaben übernehmen: Als Schulhund soll er vor allem die emotionalen und sozialen Kompetenzen der Schüler fördern. „Es gibt zahlreiche Studien, die die positiven Effekte, die ein Hund auf die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit eines Menschen nehmen kann, bestätigen“, erläuterte Martin. Ein Schulhund könne den Unterricht durch verschiedenste Aufgaben bereichern; das reiche von der Verbesserung des Lernklimas über die Stärkung der Motivation und des Selbstbewusstseins der Schüler bis zur Förderung ihres Verantwortungsbewusstseins.

Balu wird durch einen Tierarzt regelmäßig entwurmt, geimpft und tierärztlich untersucht – auch die regelmäßige Parasitenprophylaxe ist für die Arbeit in der Schule eine Selbstverständlichkeit. „Ich bin gespannt, ob Balu die Kinder vermissen wird“, sagte Martin, bevor sie sich mit ihm in die Weihnachtsferien verabschiedete.