Königsschießen auf dem Stingenberg

Alexander Bärhausen wird Schützenkönig in Oberkassel

Beuel. Das Königsschießen auf dem Stingenberg ist Höhepunkt der fünftägigen Oberkasseler Kirmes. Alexander Bärhausen nahm zum ersten Mal am Wettbewerb teil und schoss den Vogel ab.

Ein Knall, noch einer und noch einer. Einer nach dem anderen hallt über den Stingenberg in Oberkassel. Die Zuschauer sind mucksmäuschenstill, schauen gebannt auf den Holzvogel hoch oben auf dem Platz. Dann ein letzter Schuss und der Holzvogel fällt hinunter. Spätestens jetzt gibt es kein Halten mehr. Alle stürmen auf den Platz, lassen ihren neuen Schützenkönig hochleben im wahrsten Sinne des Wortes. Alexander Bärhausen weiß nicht, wie ihm geschieht. Er kann es immer noch nicht fassen, auch wenn er mittlerweile rücklings auf den Händen der Kameraden getragen wird. Seine Kappe ist ihm in die Stirn gerutscht, aber die Reste des Vogels lässt er nicht los, hält sie fest in seinen Händen.

„Ich bin heute super nervös gestartet“, sagt Bärhausen immer noch außer Atem. „Es war mein erstes Schießen, auch deshalb bin ich noch ganz benommen, dass es direkt geklappt hat“, fügt er hinzu. 156 Schuss waren nötig, um den Vogel zu Fall zu bringen. „Fast wäre der Freund meiner Tochter dran gewesen“, sagt Albert Schlüter, „und meine Tochter wäre Schützenkönigin geworden.“ Enttäuscht sei er nicht. „Ich gönne es Alexander“, sagt Schlüter lächelnd. Schlüter ist ein „Angeschwemmter“, wie die hinzugezogenen Oberkasseler genannt werden. Die Freude am jährlichen Schützenfest der Jesus-Maria-Josef-Junggesellenschützenbruderschaft haben ihm seine Nachbarn vermittelt. „Das ist klasse hier – eine wunderbare Tradition und eine Woche Volksfest“, so Schlüter.

Mit dieser Meinung steht Schlüter keineswegs alleine da. Fast jeder im Ort scheint es genauso zu sehen. Erstaunlich ist, wie viele junge Menschen auf dem Schießplatz dabei sind und auch die übrigen Tage mitgefeiert haben. So wie Julia Dinier. Die 24-Jährige ist gebürtige Oberkasselerin und lebt immer noch dort. „Das Fest hier lebt eine Verbundenheit, die Tradition ist ganz wunderbar, auch wenn das vielleicht ein bisschen abgedroschen klingt“, sagt die junge Frau, die vor zwei Jahren den Titel Schützenkönigin tragen durfte.

Fünftägige Kirmes

Fünf Tage lang steht Oberkassel kopf. An den Häusern wehen Fahnen, die Straßen sind mit Fähnchen gesäumt, und an fast jeder Ecke weisen Schilder auf die Kirmes hin. „Jeder hier hat Urlaub genommen“, meint Martin Dinier. Auch er ist ein „Angeschwemmter“ und mit der Tradition fest verwurzelt. „Das kommt zwangsläufig, wenn man mit einer Oberkasselerin verheiratet ist“, meint er.

Oberkassel ist ein Dorf. Man kennt sich und so feiert auch fast jeder mit dem Junggesellenschützenverein die fünftägige Kirmes, die mehr oder weniger ohne Fahrgeschäfte auskommt und irgendwann vom großen Parkplatz auf den Marktplatz umgezogen ist. Das Schützenfest ist zweifelsohne der Mittelpunkt. Und das Schießen am Montag der Höhepunkt des Festes, das in diesem Jahr unter einem ganz besonderen Jubiläum steht. 225 Jahre gibt es den Schützenverein schon, der mit seinen etwa 220 Mitgliedern, darunter 95 aktive, zu den größten Schützenvereinen Bonns zählt.

Dass er vor allem junge Menschen mit der alten Tradition begeistert, habe natürlich damit zu tun, dass jeder im Dorf mit dem Fest aufgewachsen ist und die aktiven Schützen eben Junggesellen sind und somit per se schon jünger sind, wie der zweite Brudermeister Phillip Fritzsche erklärt. Über den neuen Schützenkönig freut sich Fritzsche sehr. Alexander ist einer seiner besten Freunde. „Ich gönne ihm den Titel von ganzem Herzen“, sagt Fritzsche, selbst noch ganz außer Atem vom zweistündigen Mitfiebern. Dann hieß es auch schon wieder Abmarsch, denn für die bevorstehende Krönung mussten sie sich alle noch einmal zurückziehen.