Kriminalität in Bonn

50 Taten gemeldet - Jugendbande in Beuel weiter aktiv

Ein junger Mann hebt am 11. Januar 2008 seine geballte Faust (gestelltes Archivfoto).

15.04.2013 BEUEL/BONN. Seit mindestens einem halben Jahr sorgt eine Jugendbande in Beuel für Angst und Schrecken unter anderen Jugendlichen. Wie berichtet, raubten die vier mutmaßlichen Haupttäter ihren Opfern am helllichten Tag Handys, Geld, Zigaretten und Kleidungsstücke. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft wurden die fast 50 bisher gemeldeten Taten geklärt und die Täter ermittelt.

Aber was die Opfer sowie deren Eltern beunruhigt und auch empört: Nach wie vor treibt sich die Bande auf der Straße herum, und nach Angaben einer Mutter erhält ihr Sohn auch jetzt noch Anrufe von den Tätern. "Sogar mitten in der Nacht und keinesfalls anonym", so die Oberkasselerin, die den GA über die Vorfälle informiert hatte.

Sie meldete sich am Montag erneut, da sie nicht nachvollziehen könne, worauf die Justiz noch warte. "Die verkennt den Ernst der Lage", meint die Mutter, deren Sohn bereits Ende 2012 überfallen wurde. Ihre Sorge: Aus Frustration könnten sich die Opfer zu Dummheiten hinreißen lassen. Das habe sie den ermittelnden Behörden mitgeteilt, aber zu hören bekommen, man müsse eben Geduld haben. "Das sehe ich aber nicht mehr ein, zumal mein Sohn mehrfach ausgesagt hat, sich dafür in Gefahr gebracht hat, und trotzdem passiert nichts", so die Mutter. Sie will sich jetzt mit ebenfalls betroffenen Eltern vernetzen.

Bandenmäßig begangene Taten werfen die Ermittler den Beschuldigten aus Beuel und Bonn vor; sie sollen ihre Opfer vor allem entlang der Bahntrasse Beuel bis Bad Honnef ausgewählt haben, das Zentrum war Oberkassel. Dabei schüchterten die Täter die Jugendlichen mit Drohungen ein. Weil den Opfern auch gedroht wurde für den Fall, dass sie die Polizei einschalteten, sind die Ermittler sicher, dass ihnen nicht alle Überfälle gemeldet wurden.

Ein Problem nicht nur dieses Falles: Viele Jugendliche, die Opfer des sogenannten Abziehens wurden, werden den Ermittlern zufolge so eingeschüchtert, dass sie aus Angst nicht zur Polizei gingen und selbst Eltern gar nicht oder erst viel später informierten.

Wie die Leiterin der Abteilung für Jugendkriminalität bei der Staatsanwaltschaft, Petra Krämer, erklärte, sei die Zahl der von einzelnen Jugendlichen begangenen Straftaten im Bonner Raum zwar rückläufig: 2009 seien es 2450 Verfahren gewesen, 2012 dann nur noch knapp 1600. Dafür beobachten Krämers Kollegen in der Abteilung für Organisierte Kriminalität einen starken Anstieg der Bandenkriminalität.

Immer häufiger "rotten" sich demnach die Jugendlichen zusammen und gehen auf Beutezug. "Das ist für viele so alltäglich wie für andere zur Arbeit zu gehen", erklärt eine für Bandenkriminalität zuständige Staatsanwältin.

Die Jugendlichen wüssten zwar, dass sie Unrecht begingen, aber die Tragweite sei ihnen nicht klar. Umso wichtiger sei es, dass die Strafe der Tat auf dem Fuß folge. Doch von der Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft bis zur Terminierung des Prozesses durch das Gericht vergehe viel zu viel Zeit.

Im Schnitt dauere es fünf Monate, bis der Täter vor Gericht lande. "Aber es kann auch mal ein Jahr dauern", so Krämer. Und in der Zeit würden erneut Taten begangen.

Anstieg der Straßenkriminalität
Seit Jahren beobachten Polizei und Justiz einen deutlichen Anstieg der Straßenkriminalität, die von Jugendlichen begangen wird. Immer häufiger rotten sich die jugendlichen Täter zu Banden zusammen und begehen Überfälle. Dabei stellt das sogenannte "Abziehen" anderer Jugendlicher ein besonderes Problem dar.

Und was Ermittler und auch Richter nicht mehr verhehlen: Mehr als 90 Prozent der gesamten Jugendkriminalität wird von Jugendlichen mit Migrationshintergrund begangen. Längst haben Jugendrichter und -staatsanwälte die Jugendkriminalität als gesellschaftliches Problem erkannt und die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft zum Handeln aufgefordert. (Silke Elbern und Rita Klein)