Geplante Schließung der Stadtteilbibliothek Beuel-Ost

1721 Unterschriften pro Bücherei

Sehr voll ist das Foyer der Gesamtschule, wo Groß und Klein gegen die geplante Schließung der Stadtteilbibliothek demonstrierten. FOTO: MALSCH

Sehr voll ist das Foyer der Gesamtschule, wo Groß und Klein gegen die geplante Schließung der Stadtteilbibliothek demonstrierten.

PÜTZCHEN. Sehr voll war es am Montagnachmittag das Foyer der Integrierten Gesamtschule Beuel (IGS). Hunderte Schüler, Eltern, Lehrer protestierten unter dem Titel "Bibislam" gegen eine mögliche Schließung der Stadtteil- und Gesamtschulbibliothek Beuel-Ost - aber auch zahlreiche Schüler und Eltern der umliegenden Grundschulen, Kindergarten-Kinder und Besucher aller Altersgruppen, die die städtische Bücherei in der Gesamtschule nutzen.

Schüler der IGS überreichten den anwesenden Stadt- und Bezirksverordneten verschiedener Parteien ein selbstgestaltetes Buch zum Thema. Außerdem bekamen die Politiker eine Liste mit 1721 Unterschriften überreicht, die drei parallel laufende Initiativen für den Erhalt der Bibliothek gesammelt hatten.

In Gedichtform, Liedern und Politikersprech persiflierenden Reden kritisierten die Schüler die mögliche Schließung und gaben ihre ganz persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen rund um "die Bibi" zum Besten. Organisiert wurde der "Bibislam" von der Schülervertretung. "Wir wollen den eingeladenen Politikern zeigen, dass die Bibliothek für unseren Stadtteil wichtig ist", so Schülersprecherin Xenia Sonnenschein.

Dabei werde die Bibliothek längst nicht nur von den Gesamtschülern genutzt, sagte Ruth Breiholz. Sie besuche sie mit ihren Kindern schon seit mehr als 13 Jahren. "Es kommen Menschen aus Pützchen, aber auch aus Holzlar, Vilich und sogar aus Birlinghoven hierher, auch die Bewohner des Therapiezentrums nebenan."

Breiholz ist als ehrenamtliche Lesepatin am Projekt "Leseförderung" beteiligt. Sie hilft zwei Kindern, eines aus Jordanien, das andere russisch-ukrainischstämmig, zweimal in der Woche beim Lesenlernen. "Dieses wichtige Projekt lässt sich nicht einfach ins Brückenforum oder ins Haus der Bildung in der Bonner Innenstadt verlegen." Deswegen hat sie einen Bürgerantrag zum Erhalt der Bibliothek geschrieben, der im Kulturausschuss am Donnerstag, 26. Februar, gemeinsam mit anderen Anträgen zum Thema Bibliotheken zur Beratung ansteht.

Die Verwaltungsspitze hatte im Zuge der Haushaltskonsolidierung zunächst vorgeschlagen, die Bezirksbibliothek Beuel im Brückenforum zu schließen. Die Mehrheit in der Bezirksvertretung Beuel sprach sich aber für deren Erhalt aus.

Die Beueler Koalition aus CDU, SPD und FDP tendiert dazu, wenn überhaupt die städtische Bücherei in der Gesamtschule zu schließen, hat aber angekündigt, nach Lösungen zu suchen, wie die Bücherei in Beuel-Ost gerettet werden kann - beispielsweise dadurch, dass die Gesamtschule die Trägerschaft übernimmt. Wie das gehen soll, kann sich die stellvertretende Schulleiterin Traudel Gebing-Sommersberg nicht vorstellen. "Wir können als Schule ja nicht eine städtische Bibliothek betreiben - dafür haben wir nicht das Personal."

Sollten Politik und Verwaltung beschließen, die Stadtteil- und Gesamtschulbibliothek zu schließen, könnte sie höchstens als reine schulinterne Bücherei weiterbestehen.