Munition im Flussbett

110-Kilo-Sprenggranate am Bonner Rheinufer geborgen

Bonn. Der Kampfmittelräumdienst hat am Montagmorgen eine 110 Kilo schwere Sprenggranate am Bonner Rheinufer geborgen. Zuvor war in mehreren Fällen Kriegsmunition gefunden worden.

Es ist der Moment, in dem die Zuschauer am Bonner Rheinufer unweit des Biergartens „Schänzchen“ die Luft anhalten. In einem Radius von 100 Metern müssen auch Feuerwehr und Ordnungsamt am Montagmorgen weichen. Dagegen schreitet Munitionsspezialist Michael Daenicke gelassen zu der 110 Kilogramm schweren Granate, deren Sprengkraft ein Dreifamilienhaus mühelos zerstören könnte. Die Experten vom Kampfmittelräumdienst kommen aber nicht mit hochmodernen Messgeräten, sondern mit Spitzhacke und Schaufel.

Und Daenicke ist nicht zimperlich: Er legt Spitzhacke ab, rüttelt an der Spitze der verrosteten und mit Rheinkieseln überzogenen Granate. Von jetzt an soll es keine halbe Stunde dauern, bis der Blindgänger sicher verzurrt zum Abtransport bereitliegt. Was für Außenstehende unverantwortlich scheint, kommentiert der Technische Einsatzleiter Wolfgang Wolf trocken: „Wir wissen, was wir gefahrlos machen können und was nicht. Emotionen spielen keine Rolle.“ Eines hätten die Experten aus Düsseldorf bereits am Freitag festgestellt: Die etwa 60 Zentimeter lange Granate, die zur Hälfte im Flussbett des Rheins steckt, sollte sich mühelos bergen lassen – wenn sie sich denn aus dem Boden löst. Nach einigem Rütteln und Graben mit der Schaufel ist die Sprenggranate transportfähig.

Unterstützt von Feuerwehrmännern wuchten die Männer die Granate auf eine Trage und schleppen sie zu fünft an die Uferkante. Von dort hebt sie ein Feuerwehrkran auf den Gehweg. Dann verschwindet sie im orangefarbenen Spezialtransporter.

Seit dem Fund am Freitag hatte der Stadtordnungsdienst die Granate rund um die Uhr bewacht. Immer wieder kamen auch Bomben-Touristen vorbei. „Die meisten guckten nur“, sagt Günter Barczewski vom Ordnungsdienst. In der Nacht zu Montag wollte ein Mann sogar die Absperrung durchbrechen. Vergebens: Die Ordnungshüter eskortierten ihn. Grundsätzlich warnt die Stadt derzeit davor, die durch das Niedrigwasser freigewordenen Uferbereiche zu betreten. Die Wahrscheinlichkeit, auf gefährliche Blindgänger zu stoßen, sei hoch.

Was in Bonn für viel Aufruhr sorgt, ist für Wolf und seine Kollegen ein Routineeinsatz. Das Wochenende über waren sie entlang des Rheins unterwegs, um Blindgänger wie Handgranaten und Phosphorbomben aufzusammeln. Alleine in Bonn waren es sieben Stück. Dazu kamen sechs Funde in Köln und einer in Niederkassel.

Nicht immer ist das, was die Kampfmittelräumer alarmiert, auch alarmierend gefährlich. „Manchmal sind es auch nur Metallstücke, die wie Granaten oder Bomben aussehen. Doch wir gehen jeder Meldung nach“, erzählt Wolf. Was es ist, erkennt der 65-Jährige meist schon von Weitem. Er ist seit 1971 bei den Kampfmittelräumern – erst in der Privatwirtschaft, dann im Staatsdienst. Gelernt hat er einen „feinen Handwerksberuf“, wie er selbst sagt. Genauer beschreiben will er ihn aber nicht. Heute beaufsichtigt er die Räumaktionen meist nur noch und kümmert sich um die Planung. Die Handarbeit übernehmen Kollegen wie Daenicke. Während er erzählt, klingelt wieder sein Diensthandy. Als Nächstes geht es nach Köln. Im Zentrum der Domstadt sind zwei Blindgänger gefunden worden.