Vilicher Wohnprojekt Ledenhof

„Mitten im Leden“ mit Leben füllen

Ledenhof-Einrichtungsleiter Michael Heine, Bezirksbürgermeister Guido Déus, Pfarrer und Kabarettist Rainer Schmidt.

Ledenhof-Einrichtungsleiter Michael Heine, Bezirksbürgermeister Guido Déus, Pfarrer und Kabarettist Rainer Schmidt.

Vilich. Beim Nachbarschaftssymposium des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) hat sich am Mittwochabend alles um das Thema Inklusion gedreht. Anlass für die Informationsveranstaltung im Garten von Burg Lede war der geplante Umbau des Heilpädagogischen Heims Ledenhof in ein inklusives Wohnquartier mit 350 Bewohnern (der GA berichtete).

Beim Nachbarschaftssymposium des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) hat sich am Mittwochabend alles um das Thema Inklusion gedreht. Anlass für die Informationsveranstaltung im Garten von Burg Lede war der geplante Umbau des Heilpädagogischen Heims Ledenhof in ein inklusives Wohnquartier mit 350 Bewohnern (der GA berichtete).

Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus, dem „sprachliche Luftblasen“ zuwider sind, muss mit dem Ergebnis des Nachbarschaftssymposiums sehr zufrieden sein, denn es wurden formale Begriffe mit Inhalt gefüllt. Trotz hochsommerlicher Temperaturen waren mehr als 90 Gäste zu dieser Dialogveranstaltung, die von GA-Redakteur Holger Willcke moderiert wurde, gekommen.

Kabarettist Rainer Schmidt sorgte dabei nicht nur für Unterhaltung, er brachte seine ganz persönliche Sichtweise ins Gespräch ein. Der evangelische Pfarrer weiß, wovon er spricht: Seit Geburt fehlen ihm beide Unterarme. Mit einer Mischung aus entwaffnender Direktheit und großem Feingefühl berichtete Schmidt von seinem Leben mit Behinderung. Dabei diskutierte er die Begriffe „normal“ und „anders“ mal ernst, mal humorvoll: „Wer bei 34 Grad mit Krawatte und Sakko rumrennt, ist auch ein bisschen anders“, flachste er, gerichtet an Ledenhof-Einrichtungsleiter Michael Heine.

Inklusion definierte er als „die Kunst des Zusammenlebens von sehr unterschiedlichen Menschen“, gelingen könne diese nur, wenn eine emotionale Bindung entstehe. Als anschaulichen Vergleich benutzte er Lebenskrisen wie eine Trennung oder der Verlust des Arbeitsplatzes: „Durch Bindungs- und Erfolgserlebnisse finden wir dann wieder auf die rechte Bahn.“

Schmidt sprach offen die Unsicherheit an, die für Nichtbehinderte bei Begegnungen mit Beeinträchtigten zunächst unvermeidlich sei: „Als ich auf der Sonderschule das erste Mal Rollstuhlfahrer und spastisch Gelähmte sah, waren die für mich ganz komisch. Nach einem halben Jahr empfand ich sie aber als völlig normal.“ Eigentlich laufe Inklusion ganz von selbst ab, den ersten Schritt dürfe man aber nicht immer von denen erwarten, die anders sind: „Leider können die manchmal nicht gut auf andere zugehen.

Gehen Sie als Nachbarn einfach mit Brot und Salz vorbei, laden Sie zu Veranstaltungen ein, bei denen sich jeder beteiligen kann“ lautete seine Empfehlung. Quartiersmanager Michael Heine stellte anschließend das geplante Wohnquartier vor und äußerte den Wunsch, dass der Kontakt zwischen Bürgerschaft und Ledenhof noch mehr vertieft werden kann. Er sagte zu, dass diese Informationsreihe fortgesetzt werden wird, damit alle Interessierten Einblick in den Fortschritt des Projekts erhalten. In Kürze wird der LVR ein Büro als Anlaufstelle in der Adelheidisstraße eröffnen.