Gespräch am Wochenende

„Meine Zukunft hat mehr Segelflugzeuge“

Am Flugplatz Hangelar: Detmar Jobst ist Mitglied im Aufsichtsrat der Flugplatz GmbH und setzt sich nicht nur in dieser Funktion für weniger Fluglärm ein.

Am Flugplatz Hangelar: Detmar Jobst ist Mitglied im Aufsichtsrat der Flugplatz GmbH und setzt sich nicht nur in dieser Funktion für weniger Fluglärm ein.

Bonn. Detmar Jobst setzt sich gegen Fluglärm ein und hofft auf ein Leben in Einklang mit der Natur. Im GA-Interview spricht er zudem über die Grünen, deren Gründungsmitglied er ist.

Der Beueler Arzt Detmar Jobst hatte nach dem Studium unter seiner Parteizugehörigkeit zu leiden. Als aktives Gründungsmitglied der Grünen war er öffentlichen Arbeitgebern damals suspekt. Er wurde Hausarzt und Forscher, später mit Professur an den Bonner Unikliniken – und blieb bei den Grünen. Seine Nahtstelle zwischen Beruf und Politik ist die Umweltmedizin. Jutta Specht sprach mit ihm über Lärm in Beuel und sein Verständnis grüner Politik.

Sie sind erklärter Gegner von Fluglärm …

Detmar Jobst: Ich wohne in Beuel so, dass ich die volle Welle des Bahn- und auch des Fluglärms abbekomme. Das nervt. Ich wollte es ändern, bin aber in 15 Jahren nicht weit damit gekommen. Mit 28.000 Starts pro Jahr ist Hangelar einer der größten Landeplätze in Nordrhein-Westfalen. So viele Rasenmäher in der Luft. Das aber nur bei schönem Wetter, am Wochenende, an den Feiertagen. Dann, wenn die Menschen in aller Ruhe auf der Terrasse, draußen sein möchten.

Warum sind Sie beim Thema Lärm derart engagiert und unnachgiebig?

Jobst: Beuel ist umgeben von Autobahnen, durchquert von Bundesstraßen und von einer der befahrensten Schienenstrecken, liegt in der Nähe zum Flughafen und ist attraktives Anflugziel vieler Sportflieger. So ergibt sich für die Beueler eine hohe Lärmbelastung. Deren gesundheitliche Folgen sind in Studien nachgewiesen. Insbesondere sind es Bluthochdruck mit den entsprechenden Folgeschäden sowie zunehmendes Herzinfarktrisiko. Bei Kindern steigt auch die Gefahr von Lernstörungen. Stressbedingte Erkrankungen ziehen in Folge auch eine häufigere Verschreibung von Medikamenten nach sich. Den Lärmstress habe ich auch und finde ihn überflüssig.

Ist ein Kompromiss in Sachen Flugplatz Hangelar möglich?

Jobst: Der Widerstand und die Lobbyarbeit der Hobbypiloten ist erheblich. Wir kommen nur sehr langsam voran. Aber wir geben nicht auf. Unsere Ziele sind, die Starts von Hubschraubern zu vermindern und Starts von Sportfliegern zu kontingentieren. Und eine nach der Lautstärke der Maschine gestaffelte erhöhte Startgebühr.

Welche Initiativen sind derzeit aktiv?

Jobst: In Bonn gibt es den Arbeitskreis FLIB Fluglärm in Bonn, die Bürgerinitiative gegen Fluglärm und den AK Hubschrauberlärm in Hangelar.

Ihre Beueler Heimat hat bei allem Ärger über Lärm doch schöne Seiten, oder?

Jobst: Seit 1985 wohne ich hier. Beuel hat eine Transformation durchgemacht. Von einem alten Industriestandort hin zu einer ganz eigenen Identität und Standortqualitäten. Spannend ist in Beuel die Mischung von Bürgern jeder Gesellschaftsschicht, mittelständischen Unternehmen und internationalen Konzernen. Und das einstige Gelände der Bundesgartenschau, die Rheinaue, die wir als Grüne damals abgelehnt haben, ist ein schöner großer Garten für die Beueler.

Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern der Grünen – wie ging es weiter?

Jobst: 1980 haben wir die Grünen in Bonn gegründet. Wir waren mit die ersten. Ich wurde als Delegierter zur Gründung der Bundespartei nach Karlsruhe geschickt. Als angehender Arzt bekam ich die damals herrschenden Ressentiments gegen die Grünen zu spüren. An drei Stellen im öffentlichen Dienst wurde ich wegen meiner Parteizugehörigkeit abgelehnt. Also habe ich mich als Hausarzt niedergelassen. Schließlich brauchte ich eine Existenzgrundlage. Für die Grünen blieb ich aktiv. Bis 1984 war ich im Stadtrat, von 2009 bis 2014 erneut. Ich bin gesundheitspolitischer Sprecher und Mitglied in einer Reihe von Gremien.

Also sind die Grünen seit über 30 Jahren Ihre politische Heimat. Stimmen die Überzeugungen immer noch überein?

Jobst: Ökologie macht für mich den Kern der Grünen aus. Sie hat sogar eine berufliche Entsprechung, die Umweltmedizin. Als Forscher und Arzt will ich Fragestellungen wissenschaftlich untermauern. Ein Beispiel: Amalgam als Zahnfüllung wurde heftig diskutiert. Schadet es dem Körper oder nicht – das wollte auch ich genau wissen. Oder Lärm. Wie beeinträchtigt er die Menschen? Wir sind angetreten, die Zukunft der Erde zu retten. Viele unserer Themen wurden später von den anderen Parteien aufgenommen. Die Grünen haben Pionierarbeit geleistet gegen Atomkraft, für Klimaschutz und Biodiversität, aber auch für Emanzipation und Bürgerrechte. Für mich hat es selten Zeiten der Ferne zur Partei gegeben. Die Geschichte der Bonner Grünen ist auch meine Geschichte.

Wagen Sie einen Blick in die Zukunft?

Jobst: Meine Zukunft hat vor allem Segelflugzeuge über Beuel. Mein Bild: Wir sind uns untereinander einig und mit der Umwelt im Einklang.