Holzernte im Godesberger Wald

Forstmitarbeiter sägen 250 Festmeter

BAD GODESBERG.  "Stop! Forstarbeiten! Lebensgefahr" ist zurzeit auf rot-weißen Bannern zu lesen, die die Zufahrt zu manchen Waldwegen versperren. Im Godesberger Stadtwald in der Nähe des Waldkrankenhauses sind Mitarbeiter der Stadtförsterei mit der Holzernte beschäftigt. Das teilt das städtische Presseamt mit. In rund zehn Hektar großen Abschnitten fällen die Männer hauptsächlich Kiefern und Lärchen.
Nach den Fällarbeiten wird in den nächsten Wochen erstmals ein solcher Harvester im Godesberger Stadtwald eingesetzt.
								Foto: Max Malsch
Nach den Fällarbeiten wird in den nächsten Wochen erstmals ein solcher Harvester im Godesberger Stadtwald eingesetzt. Foto: Max Malsch

Nebenbei fällt noch etwas Laubholz an. Insgesamt wird ein Gebiet in der Größe von 20 Fußballfeldern von den Forstwirten und Auszubildenden bearbeitet.

Das Fällen der Bäume ist trotz Einsatz der Kettensäge weitgehend Handarbeit. Bevor das Fallkerb am Stammfuß geschnitten wird, muss genau geschaut werden, wohin der Baum fallen soll. Dann wird ein Fällschnitt auf der anderen Stammseite angebracht, und mit Aluminiumkeilen wird der Baum umgekeilt.

Natürlich nicht, bevor nicht die ringsum arbeitenden Kollegen durch den Zuruf "Baum fällt" gewarnt wurden. Helm und orangefarbene Jacken sind Pflicht im Fällgebiet, auf die Sicherheit legt Stadtförster Sebastian Korintenberg sehr großen Wert.

Nicht immer will ein Baum ganz reibungslos fallen. Dann hängt er sich auf, wie es in der Fachsprache heißt. "Man muss vorher ganz genau schauen, welche Richtung günstig ist, um den Baum fallen zu lassen", erklärt Korintenberg. Im dichten Bestand keine leichte Übung. Die erfahrenen Forstwirtsgesellen geben den Azubis wertvolle Hilfestellung.

Die Holzernte ist für die Ausbildungs-Rotte, so nennen sich die Forst-Azubis selbst, eine gute Gelegenheit, weiter Übung in forstwirtschaftlichen Abläufen zu erhalten. Die Gesellen sammeln Erfahrungen in der Anleitung, was wiederum der Qualität der Ausbildung zugute kommt.

"Wichtig ist auch, dass wir eine sogenannte Rückegasse anlegen", erklärt der Stadtförster. Ausschließlich über diese Gasse wird das Holz später abtransportiert. Die Mitarbeiter ziehen das Holz vor und bringen es so in Position, dass dieses später in einem Zug weggearbeitet werden kann.

Holger Köhne bereitet diese Arbeit vor. Mit dem Forstspezialschlepper zieht er die Bäume in Position. Ausgerüstet mit Polterschild, Packzange und Seilwinden holt er die meterlangen Stämme aus dem Wald.

Durch die Rückegassen wird die Belastung für den Waldboden durch schweres Gerät so gering wie möglich gehalten. Denn je öfter man über den Boden fährt, desto mehr wird er verdichtet. Dadurch lässt die Wasserspeicherfähigkeit nach, die Bodendurchlüftung geht verloren, und feine Wurzeln können durch den Druck abreißen. Die Gassenabstände betragen 40 bis 50 Meter, so wird der Boden geschont.

Rund vier Wochen wird im Wald gefällt und vorgearbeitet. Dann erleben die Mitarbeiter der Stadtförsterei eine Premiere: Zum ersten Mal ist ein sogenannter Harvester im Einsatz. Dieser Vollholzernter ist mit einem ausladenden Kran mit Greifer ausgestattet.

"Das, was wir in vier Wochen vorbereiten, sammelt der Harvester in drei bis vier Tagen ein", sagt Korintenberg. Rund 15 Festmeter schafft die Maschine in der Stunde. Rund 250 Festmeter - das entspricht 250 Kubikmetern fester Holzmasse - wird die Ernte am Ende betragen. Ein Teil wird an Bürger als Brennholz verkauft.

"Durch die regelmäßige Durchforstungen des städtischen Waldes streben wir einen ökologisch wertvollen, artenreichen Mischwald an", sagt Stadtförster Korintenberg. Waldbaulich sei die Holzernte dringend nötig. Nach den Fällungen kommt wieder mehr Licht an den Waldboden, junge, lichtliebende Bäume können so wieder hochkommen. Auch die verbleibenden Bäume haben dann wieder mehr Platz im Kronenbereich.

Der Bonner Stadtwald ist seit 1999 nach den strengen Kriterien des Naturlandverbandes für eine ökologische und nachhaltige Bewirtschaftung zertifiziert. Das bedeutet unter anderem, dass auf Kahlschläge verzichtet und die natürliche Entwicklung des Waldes gefördert wird.

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