Wachkoma-Patient in der Godeshöhe

Daniil Safin ist aufgewacht

BAD GODESBERG.  "Es war eine richtige Gänsehaut-Situation", sagt Andreas Hildesheim. Der Oberarzt im Reha-Zentrum Godeshöhe strich dem 24-jährigen Wachkoma-Patienten Daniil Safin wieder einmal die Hand - und wurde zurückgedrückt.
Am Bett von Daniil Safin: (von links) Krankenschwester Caroline Mehnert, Bruder Ruslan und Schwägerin Olesia Safin sowie Oberarzt Andreas Hildesheim. Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

"Das ist ein großartiger Moment für unser ganzes Team", ist Hildesheim immer noch berührt. In der ganzen Station sei seither die Freude zu spüren. "Daniil ist wieder aufgewacht." Seitdem der 24-jährige Student in seiner russischen Heimatstadt drei Frauen vor einer Vergewaltigung bewahrte, dafür von den Tätern fast zu Tode geschlagen wurde und am 15. Oktober 2011 ins Koma fiel, sei er trotz offener Augen nicht ansprechbar gewesen.

"Und plötzlich hat man ein Echo. Plötzlich lächelt Daniil Safin zurück, plötzlich lacht er sogar bei einem Witz." Der Oberarzt streift sich auf dem Weg zum Patienten ebenso wie Schwester Caroline Mehnert Quarantänekleidung über. Das Personal schützt sich vor einem aus Russland eingeführten Virus.

Doch im Zimmer fällt die Begrüßung mit Daniil herzlich aus. Der Student, der sein Leben so mutig für andere riskierte, antwortet mit einem langen Laut. Sein Bruder Ruslan und Schwägerin Olesia stehen ihm rund um die Uhr am Bett zur Seite.

Olesia hält Daniil Safin nun die Hand, als der Oberarzt ihm eine Spritze setzen muss. Auf dem Nachttisch stehen mehrere Ikonen. Die Familie ist gläubig. Die Mutter hat in ihren Monaten am Bett des Sohnes regelmäßig gebetet, berichtet Valeria Gavrilenko, die als Dolmetscherin für die Familie gebraucht wird. "Wir hatten solche Angst, dass Daniil nicht mehr aufwacht", so Ruslan Safin.

Jetzt danke die Familie allen, die Daniil geholfen hätten, überhaupt so weit medizinisch und pflegerisch zu kommen: allen Spendern, die die Behandlung in Bonn erst möglich machten, dem Reha-Zentrum, das so exzellent behandle, und auch dem General-Anzeiger, der in für Daniil aussichtsloser Lage eindringlich um Spenden geworben habe. "Dass mein Bruder jetzt aufgewacht ist, das ist unser gemeinsamer Sieg", sagt Ruslan Safin kämpferisch.

Der Patient sei aus russischen Krankenhäusern "in desolatestem Zustand und pflegerisch total vergammelt" in die Reha-Klinik gekommen, erinnert sich Andreas Hildesheim mit Schrecken. "Da waren Druckgeschwüre bis auf die Knochen." Von zuvor 90 Kilo war der sportliche Jurastudent auf erschreckende 27 Kilo abgemagert.

Mit intensiver aktiver Pflege brachte das Reha-Zentrum Daniil wieder auf ein gutes Gewicht. 811 Euro kostet die Behandlung täglich. "Er wird aber immer schwerst schädelhirnverletzt bleiben. Gesund im umfassenden Sinn kann Daniil nie wieder werden", ist der Oberarzt realistisch. Über die geistige Entwicklung des mehrfachen Lebensretters könne man jedoch noch keine Aussage machen.

Ein Täter war dem am Boden Liegenden mit voller Wucht auf den Kopf gesprungen. "In liebevoller Pflege muss Daniil auf jeden Fall noch über Jahre bleiben", sagt Hildesheim. Das heißt, er sei unbedingt weiter auf Spenden angewiesen. Die Familie hat schon ihr gesamtes Erspartes eingesetzt. Mutter Larissa Safin versucht derzeit, Spender in der Heimat zu finden. Ihr Sohn Ruslan findet aufmunternde Worte: "Das schaffst du. Du lernst eben alles wieder neu." Die Antwort kommt spontan: Daniil lächelt.

Spenden: Spenden, damit die Behandlung fortgeführt werden kann, kann man über die Dominik-Brunner-Stiftung, Kontakt über www.dominik-brunner-stiftung.de/node/422 oder über ein extra eingerichtetes Spendenkonto. Mehr dazu im Internet auf www.daniilhelp.ru.

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