Alte Vermessungsmarke am Rhein

Viel Rummel um Myriameterstein

BAD GODESBERG.  Jahrzehntelang lag er auf der Seite und wurde von niemandem beachtet: der umgestürzte Stein an der Bastei, am heutigen Von-Sandt-Ufer. Dank der beiden Vermessungsingenieure Werner Bengel und Astrid Sudau von der Bundesanstalt für Gewässerkunde ist seit kurzem klar, dass es sich um ein historisches Kleinod handelt.
Premiere in Bad Godesberg: Der Myriameterstein am Von-Sandt-Ufer wird vermessen. Foto: Ronald Friese

Der vernachlässigte Stein ist in Wirklichkeit ein Myriameterstein, den die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, die 1816 gegründet wurde und noch heute tätig ist, errichten ließ.

Myriametersteine sind örtliche Vermessungsmarken. 1864, als eine Gesamtvermessung des Rheins von Basel bis zur Rheinmündung angeordnet wurde, wurde links und rechts des Rheins zwischen Basel und Rotterdam alle 10 000 Meter ein Stein aufgestellt, erläuterte Martin Ammermüller vom Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte, dessen Mitglieder nun ein Auge auf den Bad Godesberger Stein haben.

Von dieser Entfernung haben die Steine übrigens ihren Namen. Denn die Zahl 10 000 heißt auf griechisch myria. Wann das historische Kleinod an der Bastei umgestürzt ist, kann man nicht sagen. "Ich kenne ihn nur so", sagte Ammermüller.

Vor zwei Wochen auf jeden Fall ließ das Wasser- und Schifffahrtsamt Köln, Außenbezirk Niederkassel, den Stein wieder aufrichten. Gestern dann wurde er von einem Trupp höhenmäßig eingemessen. Wie weit er über dem Amsterdamer Pegel liegt, ist noch nicht klar. "Wir rechnen damit, dass wir Anfang 2013 alle Ergebnisse zusammengestellt und ausgewertet haben", erläuterte Bengel.

Er, seine Kollegin Sudau und der Messtrupp um Thomas Bertus und Ronald Meske sind seit Juni entlang des Rheins unterwegs. Los ging es in Mainz, Schluss ist in Bonn. Ziel ist es, die Strecke höhenzuvermessen. So wird in regelmäßigen Abständen zum Beispiel erneut festgelegt, wie weit sich der jeweilige Punkt über dem Amsterdamer Pegel befindet.

Dabei stießen Sudau und Bengel auf die Myriametersteine, die nun erstmals wieder vermessen und in das Höhennetz eingeflochten werden. Ein Zufall sei es nicht gewesen, eher "eine Inspiration", sagte Sudau begeistert. "Wir fanden die Idee sehr schön, dass die Myriametersteine seit 150 Jahren vom europäischen Gedanken zeugen." Durch diese Vermessung würden sie nun wieder ins europäische Höhennetz eingespeist.

Bertus und Meske sind zu Fuß unterwegs. "Pro Tag legen sie drei bis fünf Doppelkilometer zurück", so Sudau. Soll heißen, dass sie drei bis fünf Kilometer rheinauf- und wieder -abwärts gehen, um ganz sicher zu sein, dass ihre Messergebnisse richtig sind.

Welcher Abschnitt des Rheins vermessen wird, richtet sich laut Bengel nach den Anfragen der Wasser- und Schifffahrtsämter. "Im nächsten Jahr vermessen wird die Strecke zwischen Karlsruhe und Mainz."

Die Myriametersteine:
Die Myriametersteine sind durchlaufend nummeriert, der Godesberger Stein trägt die Nummer 48. Sie tragen auf jeder Seite Inschriften: eine Höhenangabe über Amsterdamer Pegel, die Entfernung nach Basel und Rotterdam sowie zur damaligen preußischen Grenze. Auf dem Bad Godesberger Stein ist nichts mehr zu erkennen, da er aber gegenüber des Niederdollendorfer Steins steht, gelten laut Astrid Sudau dieselben Maße: 480 Kilometer bis Basel, 344,450 bis Rotterdam sowie 111,180 und 209 Kilometer zur preußischen Grenze. Es sind nicht mehr alle Myriametersteine erhalten. "Zwischen Unkel und Niederwerth haben wir keine gefunden", so Sudau.

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