Die Palliativschwester Claudia Reifenberg

Im Dienste des Abschieds

BAD GODESBERG.  Die alte Dame wollte nur sterben, aß nichts mehr und hatte sich schon ein Buch über giftige Pflanzen herausgesucht. Angehörige gab es nicht, sodass die Hausärztin schließlich die Nummer von Claudia Reifenberg wählte. Seit August ist die 44-Jährige für die Bürgerstiftung Rheinviertel hauptamtlich als Ambulante Palliativschwester unterwegs.
Ihr Dienstwagen ist ein roter Smart: Palliativschwester Claudia Reifenberg vor der Pfarrkirche Herz Jesu an der Beethovenallee.
								Foto: Ronald Friese
Ihr Dienstwagen ist ein roter Smart: Palliativschwester Claudia Reifenberg vor der Pfarrkirche Herz Jesu an der Beethovenallee. Foto: Ronald Friese

In ihrem roten Smart saust sie zwischen Plittersdorf und Mehlem umher, um Sterbenden und Angehörigen den Abschied nach Kräften zu erleichtern. Bekanntlich ist die dreifache Mutter längst nicht die einzige, die sich in Bad Godesberg um die Hospizarbeit verdient macht. Gerade viele ehrenamtliche Helfer leisten hier Dienst am sterbenden Nächsten.

Eine hauptamtliche Kraft wie Claudia Reifenberg ergänzt diesen Einsatz nun. Etwa ein Dutzend Sterbebegleitungen hat sie seit August geleistet. Ihre fachlichen Grundlagen liegen in der langen Berufserfahrung als Krankenschwester sowie in den Zusatzqualifikationen, die sie sich im Palliativdienst für Kinder erwarb.

Ihre Dreiviertelstelle, die bei der Caritas angesiedelt ist und von der Bürgerstiftung mit rund 45.000 Euro vollständig refinanziert wird, widmet sie ausschließlich den Aufgaben des ambulanten Palliativdienstes und unterscheidet sich damit beispielsweise von den Mitarbeitern vieler Pflegedienste, deren zwangsläufiger Zeitdruck die nahe, persönliche Betreuung oftmals verhindert. So pflegt die Triererin einerseits intensiven Kontakt zu anderen Wohlfahrtsorganisationen und medizinischen Einrichtungen und erfüllt andererseits eine Brückenfunktion zu den örtlichen Seelsorgern, die von ihr erfahren, wo jemand im Sterben liegt.

Der Wunsch eines Familienmitglieds, im heimischen Umfeld zu sterben, werde von vielen Angehörigen unterschätzt: "Sowohl in medizinischer als auch in organisatorischer und psychologischer Hinsicht erweist sich dies häufig als kaum zu bewältigende Aufgabe", sagt sie. Zur Verfügung steht sie jedem Menschen, der im Aufgabenbereich der Bürgerstiftung wohnt, Religion oder Konfession spielen keine Rolle.

"Zu Beginn jeder Betreuung prüfe ich die mögliche Selbsthilfe der Umgebung: Gibt es Nachbarn oder Freunde, kann jemand Essen kochen?", schildert die Schwester ihre Vorgehensweise. So auch im Falle jener älteren Dame, an deren Bett sich schließlich die Nachbarn mit einem selbst geschriebenen "Dienstplan" abgewechselt haben. "Ich habe ihr den Wunsch nach Kuchen aus dem Café Nick erfüllt, aufmerksam hat sie dann die US-Präsidentschaftswahl verfolgt und ist umgeben von einigen Nachbarn friedlich gestorben", erzählt die Schwester und ergänzt: "Wenn ich auf diese Weise auch noch nachhaltig auf die Nachbarschaft wirke, dann weiß ich, dass meine Arbeit gut war". Und: Somit habe der Tod nicht nur etwas Trennendes, sondern könne Menschen auch zusammen führen.

Zu erreichen ist Claudia Reifenberg unter Tel. 0178/9406822, E-Mail: palliativschwester@rheinviertel.de

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