Kleine Beethovenhalle Muffendorf

Vereine sorgen sich, weil der Saal zum Verkauf steht

MUFFENDORF.  Für Karnevalsveranstaltungen, Theateraufführungen, Konzerte und Familienfeiern hat sie sich stets bewährt. Jetzt jedoch geht in Muffendorf die Angst um die Kleine Beethovenhalle um.
An der zur Hauptstraße gelegenen Seite wird die Kleine Beethovenhalle zum Kauf angeboten.
								Foto: Ronald Friese
An der zur Hauptstraße gelegenen Seite wird die Kleine Beethovenhalle zum Kauf angeboten. Foto: Ronald Friese

Auf Plakaten in den zur Muffendorfer Hauptstraße gelegenen Fenstern wird die Liegenschaft zum Kauf angeboten. Die Zukunft des beliebten Veranstaltungssaales scheint im Dunkeln zu liegen.

Selbst die ältesten Muffendorfer kennen die Kleine Beethovenhalle Zeit ihres Lebens. 1896 ließ sie der Wirt Mathias Schneider errichten. Und schon auf Postkarten aus der Kaiserzeit bildete der Saal mit seinem charakteristischen Holzgebälk im Basilikastil das zentrale Motiv. Viele rauschende Feste wurden dort gefeiert. Mit der Halle ist das benachbarte Gasthaus verbunden, das Anwesen ist in Privateigentum.

1990 hatte die Stadt den Saal für einen hohen sechsstelligen D-Mark-Betrag sanieren lassen. Die Bedingung war damals, dass die Muffendorfer Vereine dort unentgeltlich feiern dürfen, während die Gastwirtschaft für die Bewirtung sorgte. Jene Vereinbarung war auf 25 Jahre begrenzt worden, läuft also in zwei Jahren aus. Schon dies hatte zuletzt in einigen Vereinen vereinzelt Unruhe ausgelöst.

Hinzu kam vor einigen Jahren ein anderes Problem: Für das Grundstück bestehen erhebliche Forderungen der Stadt, die sich aus Erschließungskosten für Hopmannstraße, Muffendorfer Hauptstraße und das parallel verlaufende Gässchen zusammensetzen. Nachdem die Zahlung mehrfach gestundet wurde, soll sich inzwischen ein Betrag in sechsstelliger Höhe aufgestaut haben.

Dem Vernehmen nach sieht sich der Inhaber, der gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, angesichts solcher Forderungen gezwungen, das ganze Anwesen zu verkaufen. Die Bank, die bereits die Vermarktung übernommen hat, bietet die Kleine Beethovenhalle für 449.000 Euro an.

Weil dies für das komplette Ensemble in einer der begehrtesten Lagen Bonns nun nicht als heillos überteuert erscheint, könnten ernsthafte Kaufinteressenten nicht lange auf sich warten lassen. Die Hoffnung der Verkäufer ist zugleich die Sorge der örtlichen Vereine und vieler Mitglieder und Bürger: Sie fragen sich, was im Falle eines Verkaufs aus ihren Veranstaltungen werden soll.

Hinzu kommt die Befürchtung, dass der Festsaal künftig Zwecken dienen könnte, die jedes Bezugs zur Muffendorfer Ortsgeschichte entbehren. Nach Informationen des General-Anzeigers soll bereits eine sunnitische Glaubensgemeinschaft vorstellig geworden sein, die sich die Kleine Beethovenhalle auch als Moschee vorstellen kann.

Doch auch andere Interessenten, für die eine Nutzung durch die Ortsvereine weiter denkbar ist, sollen bereits einen Blick auf die Halle geworfen haben. Seitens der Politik hat die FDP das Thema aufgegriffen. Ob und inwieweit Politik und Verwaltung bei dem privaten Immobiliengeschäft überhaupt Einfluss auf den künftigen Eigentümer nehmen können, erscheint indes fraglich.

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