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Getragen im Leid
Pietà von Stefan W. Knor in Alt St. Martin
Von Ebba Hagenberg-Miliu
MUFFENDORF. In Alt St. Martin ist die Fastenzeit hindurch das personifizierte Leid zu sehen. Der gesamte Altarraum wird durch eine riesige, schwarz verkohlte und nur leicht mit Blattgold konturierte Muttergottes bestimmt, die ihren gerade vom Kreuz genommenen Sohn auf den Knien hält.
Verbindung von Verkohltem und Gold: Die Pietà von Stefan W. Knor steht bis Ostern in Alt St. Martin. Foto: VOLKER LANNERT
"Aber diese Pietà ist keine Glorifizierung des Schmerzes, sondern Ausdruck dafür, dass wir alle im Leid getragen sind", verdeutlichte Stefan W. Knor am Samstagabend bei der Vernissage und wies auf den (bei allem Schmerz) verklärten Ausdruck der Maria hin. Zudem spiegele der kleine Engel zu ihren Füßen das Mitleid Gottes wider.
Der Theologe und Künstler hat die 450 Kilogramm schwere Installation, die auf einem Plexiglaspodest zu schweben scheint, schon bundesweit und international, etwa im Salzburger Dom ausgestellt. Diese Passionszeit bekam die Gemeinde St. Martin und Severin den Zuschlag.
"Die Zusammenstellung von Verkohltem und Gold hebt den scheinbaren Graben zwischen Leid und Erlösung nochmals hervor und zugleich auf", erklärten die Projektveranstalter. Jesus sei für die Sünden der Menschen gestorben, führten Pfarrer Andreas Haermeyer, Gemeindereferentin Olivia Höffinger und Pastoralreferentin Rebekka Koller-Walbröl aus. Aber in diesem Tod liege die Erlösung für die Menschen. Das Leid werde durch diese Pietà nicht verherrlicht, sondern gewürdigt.
Und dann erzählte Knor, der seit Jahren sakrale Räume transzendental in Szene setzt, wie er die rabenschwarze, einst farbige Pietà des Schnitzers Balthasar Schmitt aus dem Jahr 1904 auf einem Speicher der Münchener St.-Paul-Kirche fand, sie sofort ins Herz schloss und als Dauerleihgabe erbat. In den 80ern hatte ein Kirchenbesucher vor dieser Plastik durch Opferkerzen ein Feuer entfacht. Die Pietà verkohlte völlig. "Die Ölfarben glimmten eine ganze Nacht lang", erzählte Knor.
Die Münchener fertigten von dem zerstörten Original eine Kopie an - und setzten Mutter und Sohn damit durch Auftragen einer Tonmasse und Einbringen von 300 Reißzwecken nochmals zu, erzählte Knor und zeigte an seiner Pietà die Spuren, die er bewusst an den Körpern beließ. Und noch eine Überraschung hatte er parat: Die hohle Figur birgt auf kleinen Zetteln schon Tausende Gebetsanliegen, der die Godesberger bis zum Ostermorgen noch weitere in einer Kiste hinzufügen können.
Sie sei erst mal erschrocken gewesen, als sie diese fast gesichtslose Maria erblickte, bekannte Josefine Kahlenborn, die sinnend in der Kirchenbank saß. Inzwischen sei sie aber vom Nutzen gerade dieser schwarzen Madonna für Einkehr, Gebet, Stille und Fürbitte überzeugt. Auch sie sei anfangs skeptisch gewesen, ob eine verkohlte Maria in die Passionszeit gehöre, erzählte Kirchenvorstandsmitglied Elisabeth Schwüppe. Das Schlimmste für eine Frau sei ja, ihr eigenes Kind begraben zu müssen, sagte sie. "Gerade dieser verkohlte Jesus zeigt, dass er bestialisch umgebracht wurde. Und diese schwarze Schmerzensmutter trägt damit das ganze Leid der Welt in sich."
Alt St. Martin, Martinstraße, ist bis Ostern täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Jeden Dienstag um 20 Uhr wird zum Gebet, mittwochs um 18 Uhr zum Rosenkranz, freitags um 6.30 Uhr zur Frühschicht und um 18 Uhr zur Eucharistiefeier sowie samstags und sonntags zu Messfeiern geladen. Jeden Mittwoch um 20 Uhr gibt es einen Vortrag im Pfarrsaal, Klosterbergstraße. Am Mittwoch, 29. Februar, gibt Pater Claudius Groß eine Einführung ins innere Gebet.
Artikel vom 27.02.2012
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