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Ehemalige Türkische Botschaft
Investor: Schmerzgrenze für Neubauten erreicht
Von Rüdiger Franz
MEHLEM. Nibelungenkarree für Fortgeschrittene: Dieser Unterrichtsstoff stand am Dienstagabend auf dem späten Stundenplan der Domhofschule. Zur geplanten Bebauung des Geländes der früheren türkischen Botschaft standen dort Projektentwickler Ingo Teichgräber und Architekt Johannes Finkelstein rund 50 Anwohnern Rede und Antwort.
Rechtliche Auswirkungen im Sinne der Bauleitplanung hat das Treffen nicht: Es war ein freiwilliges Angebot des Bauträgers, der in zwei Neubauten rund 40 Eigentumswohnungen errichten will und sich nach eigener Überzeugung dabei in den Grenzen des geltenden Bebauungsplans bewegt. Das sehen, wie berichtet, all jene anders, denen besonders die auf den drei Vollgeschossen vorgesehenen Staffelgeschosse ein Dorn im Auge sind.
- Bauhöhe: "Verzichten Sie auf das Staffelgeschoss auf dem Neubau an der Rüdigerstraße", lautete Teil eins des Appells der Anlieger. Wie sich nach mehrfach korrigierten Angaben nun herausstellte, soll der Bau an der Rüdigerstraße mitsamt dem Staffelgeschoss 2,70 Meter höher werden als die Botschafterresidenz, die sich dort bislang befand. Was die unmittelbare Nachbarschaft mit Sorge erfüllt, ist für Teichgräber und Finkelstein eine schonende Variante: "Insgesamt bleiben wir weit unter dem, was rechtlich möglich gewesen wäre", sagte Johannes Finkelstein.
Zudem habe man die lichte Raumhöhe "bis an die Grenze des Erträglichen" auf 2,50 Meter gesenkt, so der Architekt. Ferner sei das geplante Haus im Sinne der nördlichen und östlichen Anlieger sowohl vom Severinsweg als auch von der Rüdigerstraße in Richtung der Grundstücksmitte verschoben worden. Und schließlich habe man alle vier Ecken beider Neubauten in Höhe des zweiten Obergeschosses ausgeschnitten und anstelle von Wohnraum dort Terrassen geschaffen, um somit der Umgebung noch weniger Sicht zu rauben. Kaum thematisiert wurde die Gebäudehöhe an der Utestraße. Der dortige Neubau soll 60 Zentimeter höher werden als der Altbau.
- Tiefgaragen: Der geplanten Tiefgaragenzufahrt an der Rüdigerstraße galt Teil zwei des Appells: Dort soll es zwei separate Tiefgaragen geben, in denen 54 Autos Platz finden. Ein- und Ausfahrt der einen Garage soll wie bei der Botschaft von der Utestraße aus erfolgen. Dass die Zufahrt der anderen Tiefgarage an der Rüdigerstraße exakt gegenüber dem bestehenden Wohnhaus angeordnet werden soll, störte besonders jene, die zur Straße hin ihre Schlafzimmer haben. Sie wollen eine Verlagerung an den nördlichen Grundstücksrand. "Das ist kontraproduktiv", meldete sich ein anderer Nachbar zu Wort, weil dann der Verkehr vollständig an dem bestehenden Wohnhaus vorbeifahren müsste. Architekt Finkelstein sieht keine Alternativen für die Zufahrten. Der Sorge, dass es in dem Nibelungenviertel zum Verkehrschaos kommen könnte, mochte Finkelstein nicht folgen.
Teichgräber und Finkelstein gaben zu erkennen, dass mit den überarbeiteten Plänen aus ihrer Sicht die Schmerzgrenze erreicht ist - nicht zuletzt auch unter ökonomischen Gesichtspunkten. Die jedoch würden noch mehr in Mitleidenschaft geraten, käme es doch zu einem völlig neuen und langwierigen Bebauungsplanverfahren, wie es von einem Teilnehmer als Drohung in den Ring geworfen wurde.
"Die haben sich durchaus bewegt", war am Rande von Anwohnern zu vernehmen. "Gehen Sie davon aus, dass auch wir an einer Aufwertung des Viertels interessiert sind, denn schließlich möchten wir auch die künftigen Bewohner von unseren Wohnungen überzeugen", so Teichgräber.
Inwieweit sich das Viertel mit den aktualisierten Plänen arrangieren kann, werden die nächsten Wochen zeigen. Entscheiden werden die Kommunalpolitiker, Vertreter fast aller Fraktionen verfolgten die Diskussion aufmerksam.
Artikel vom 29.11.2012
Stadtbezirk Bad Godesberg
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