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Nachbarschaftstreff in der König-Fahad-Akademie
Kein Verständnis für Angriff
Von Ayla Jacob
LANNESDORF. Der 5. Mai hat das Leben in Lannesdorf verändert. Als während einer Veranstaltung von Pro NRW, bei der die Teilnehmer Mohammed-Karikaturen in die Luft hielten, die Situation eskalierte und radikale Salafisten mit Steinen und Messern auf Polizeibeamte losgingen, herrschte Ausnahmezustand in dem Ortsteil. Die König-Fahad-Akademie distanzierte sich von den Gewaltausbrüchen. Und präsentierte sich am Mittwochabend als Teil der Lannesdorfer Gesellschaft.
Große Runde, und alle Plätze sind besetzt: die Diskussionsrunde in der Akademie. Foto: Ronald Friese
Das Team um Direktor Ibrahim Al-Megren hatte zu einem Nachbarschaftstreff eingeladen, bei dem es um den 5. Mai gehen sollte. Die Einladung wurde gerne angenommen: Rund 100 Muslime und Christen, Anlieger und Politiker, Vertreter von Vereinen, Kirchen, Schulen und Quartiersmanagement waren in die Akademie gekommen. Einige zum ersten Mal: "Ich war noch nie hier und wollte die Chance nutzen", sagte Kirchenmusiker Christoph Grießer. Seine Lebensgefährtin,
Presbyterin Helgard Rehders, hatte ein Geschenk dabei: Sie sang in der Akademie ein Lied der christlichen Nonne Hildegard von Bingen. "Das Lied und die Ausstellung Godesberger Künstler, die wir hier sehen: Das ist der wirkliche Austausch", sagte sie.
Im Anschluss entspann sich eine lange Diskussion, in deren Mittelpunkt neben der Verantwortung der Täter, dem Islam als friedliche Religion und dem Verhalten gegenüber Pro NRW vor allem ein Thema stand: die Meinungsfreiheit. "Ich denke, dass die Meinungsfreiheit nicht unendlich ist. Sie hört da auf, wo man jemand anderen verletzt", sagte ein muslimischer Teilnehmer. "Ich verurteile die Gewalt", aber Pro NRW habe die Ausschreitungen provoziert.
"Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut bei uns", entgegnete SPD-Landtagsabgeordneter Bernhard von Grünberg. "Die Frage, was ihr entspricht, können nur die Gerichte klären." Sie hätten die Möglichkeit, Verbote auszusprechen und Grenzen zu setzen. "Es kann nicht angehen, dass jemand sagt: »Das interessiert mich nicht«, und sich mit Steinen und Messern vermeintlich zur Wehr setzt." Deutschland habe mit Drittem Reich und DDR eine Geschichte, die zeige, dass die Meinungsfreiheit ein Gut sei "für das es sich lohnt zu kämpfen".
Der Grund für die Ausschreitungen sei nicht gewesen, dass die Randalierer Verlierer seien oder keine Bildung hätten, sagte ein anderer muslimischer Teilnehmer. "Der Grund ist, dass sie sich beleidigt fühlen. Der Innenminister verbietet das Zeigen der Karikaturen, die Richter erlauben es", und die Polizei müsse es dann ausbaden.
"Der richtige Weg ist zu klagen", meinte Elisabeth Thissen vom Interreligiösen Dialogkreis Bad Godesberg. Die Verwaltungsgerichte bräuchten die Rechtsprechung vom Bundesverfassungsgericht, um Demos wie die von Pro NRW verbieten zu können. Für die gewaltbereiten Salafisten zeigte sie kein Verständnis: "Es waren junge Leute, die wissen müssen, dass Gewalt nicht angewendet werden darf." Das Verhalten von Pro NRW sei menschenverachtend, das sei aber kein Grund für diese Reaktion.
Die König-Fahad-Akademie war mit dem Treffen sehr zufrieden. "Es hat uns gezeigt, dass die Menschen den Dialog wollen", sagte Akademie-Sprecherin Katharina Wildermuth. Deswegen soll die Veranstaltung auch einmal im Jahr wiederholt werden - "als Ergänzung zu weiteren thematischen Veranstaltungen".
Artikel vom 25.05.2012
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