Pädagogium in Bad Godesberg

Sexueller Missbrauch am Päda - Staatsanwaltschaft ermittelt

BAD GODESBERG.  Nun hat mit dem Pädagogium (Päda) die dritte Bonner Schule ein Missbrauchsproblem. "Wir haben den Fall bei der Staatsanwaltschaft Bonn zur Anzeige gebracht", sagte Klaus Otto Kühne für den Träger Otto-Kühne-Schule Godesberg GmbH. Es geht um "sexuelle Übergriffe an Jugendlichen" durch einen Lehrer im "Zeitraum von 1985 bis 2006", steht in einem Brief der Schule an die Eltern.
Die Godesberger Otto-Kühne-Schule ist ein privates Gymnasium, an dem rund 850 Schüler unterrichtet werden.
								Foto: Ronald Friese
Die Godesberger Otto-Kühne-Schule ist ein privates Gymnasium, an dem rund 850 Schüler unterrichtet werden. Foto: Ronald Friese

Der Mann habe im Februar 2011 den Dienst quittiert, nachdem der Vorwurf der Schule bekannt geworden sei, sagte Kühne. Schulleitung und Schulträger seien über die Vorfälle zutiefst beschämt und bäten die Betroffenen um Verzeihung für das ihnen widerfahrene Unrecht und Leid. Nach GA-Informationen waren Mädchen betroffen.

Die Nachricht habe im Privatgymnasium mit 850 Schülern für große Aufregung gesorgt, berichteten Eltern. Der ehemalige Lehrer sei beliebt und als ausgezeichneter Pädagoge geschätzt gewesen. Jetzt spekulierten viele Eltern über mögliche Anzeichen in der Vergangenheit.

"Wir Eltern und die Abiturienten, die schon informiert wurden, sind sehr erschüttert", sagte die Schulpflegschaftsvorsitzende Ute Danicke-Biskup. Noch vor den Osterferien sollen die übrigen Schüler aufgeklärt werden. Gerade Kinder empfänden Schule als geschützten Raum. Danicke-Biskup wünscht sich eine offensive Aufklärungs- und eine ebensolche Präventionsarbeit.

Der erste, mehr als zwanzig Jahre zurückliegende Fall "sexuellen Missbrauchs" sei nach Bekanntwerden Anfang 2011 einer juristischen Prüfung unterzogen worden, erläuterte Kühne. Schulträger und Schulleitung hätten den vom Opfer dargelegten Sachverhalt zwar als "zutreffend" eingeschätzt. Anzeige erstattete man aber trotzdem nicht: Die Bezirksregierung habe die Verjährung des Falls festgestellt und das Päda entsprechend informiert.

Anders im zweiten Fall, von dem die Schule ebenfalls erfuhr. Dieser Übergriff soll sich 2006 zugetragen haben. Erst vor kurzem habe man jedoch von der Opferseite "das Mandat erhalten", in dieser Sache Anzeige zu erstatten. "Über das laufende Verfahren kann ich keine Auskunft geben", sagte Kühne. Das Opfer sei mittlerweile nicht mehr an der Schule.

Eltern, die nicht genannt werden wollen, werfen der Päda-Leitung mangelnde Transparenz vor. Sie kritisieren, dass vom Ausscheiden des Lehrers im Februar 2011 bis zur Information über die Vorwürfe in einem Elternbrief neun Monate vergangen seien.

Klaus Otto Kühne dazu: Die Schule sei damals nicht an die Öffentlichkeit gegangen, weil die vorgeworfene Tat verjährt war und der Mann das Gymnasium verlassen hatte. Im November habe man sich aber gezwungen gesehen, auf kursierende Gerüchte mit sachlichen Informationen über das vor über 20 Jahren Geschehene zu reagieren.

Die Päda-Leitung sorgt sich, dass der Mann weitere Schüler missbraucht haben könnte. "Wir ermutigen alle, denen Leid widerfahren ist, sich vertraulich an uns oder die Leiterin unserer Sozialwerkstatt zu wenden", sagte Kühne. Mit Brigitte Gadebusch arbeitet seit Jahren eine Fachkraft des Diakonischen Werks im sozialen Auftrag am Päda.

Sollten weitere Missbrauchsfälle bekannt werden, werde man laut Kühne "ohne Rücksicht auf Namen oder Personen" alle Schritte zur Aufklärung und Strafverfolgung einleiten. Außerdem sei Prävention das Hauptthema. Die Schule biete bereits Kurse, in denen Kinder stark gegen Gewalt gemacht werden. Zudem habe man im November einen Präventionsleitfaden im Kollegium verteilt.

Mögliche Betroffene können sich an Brigitte Gadebusch wenden. Ihre E-Mail lautet brigitte.gadebusch @cd-bonn.de

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