Polizei in Bad Godesberg: Kaum Personal und zu viel Arbeit | GA-Bonn

Polizei in Bad Godesberg

Kaum Personal und zu viel Arbeit

BAD GODESBERG.  Zu wenig Beamte, ein zu hoher Altersdurchschnitt und viel zu viel Arbeit: Die Situation im Wachdienst der Polizei ist laut Udo Schott, Bonner Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), alarmierend.

Ein Streifenwagen verlässt die Wache an der Zeppelinstraße. Foto: Axel Vogel

"Wir haben eine völlig unzureichende Situation in allen Wachen. Es läuft auf allerunterstem Niveau", sagt Schott. Die Wachen, die rund um die Uhr besetzt sind, befinden sich in Bonn, Ramersdorf, Duisdorf, Rheinbach und Bad Godesberg. Dort hatte ein Leser jüngst erfahren, was die theoretische Unterbesetzung praktisch bedeutet.

Wie berichtet (siehe Link), war er mit seiner Frau am Samstag um Mitternacht in der Fußgängerzone unterwegs gewesen. In der Alten Bahnhofstraße kamen ihnen zehn bis 15 Jugendliche entgegen, die beide beleidigten und anpöbelten, so der Leser. Ganz in der Nähe stand ein Streifenwagen, dessen Besatzung gerade damit beschäftigt war, einem Ortsunkundigen den Weg zu erklären.

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Der Hilferuf des Lesers blieb ungehört: Bei zwei Streifenwagen, besetzt mit je zwei Kollegen, die nachts in Bad Godesberg unterwegs seien, sei es nicht möglich, sich um die pöbelnden Jugendlichen zu kümmern. Außerdem spielte Angst eine Rolle, berichtet der Leser, der großes Verständnis für die Polizisten zeigte.

Das bestätigt auch Schott: "Die Einsätze sind teilweise konfliktbeladen." Wenn die Kollegen dann wüssten, dass entweder keine Verstärkung da sei oder erst sehr viel später komme, "schränkt das die Handlungsfähigkeit ein". Ein großes Problem sei die Altersstruktur: Das Durchschnittsalter der 400 Beamten, die im Schichtdienst in den Wachen arbeiten, läge bei 49 Jahren - ist also hoch.

Dadurch und durch die starke Belastung komme es zu vielen Ausfällen, viele sind krank. Das Ergebnis: Wer dann noch im Dienst ist, muss entsprechend mehr arbeiten. Bei der Kriminalwache sehe das nicht viel anders aus.

"Es ist ganz schlecht, wenn wir nur noch als Feuerwehr arbeiten", sagt Schott. Soll heißen, dass die Beamten von Einsatz zu Einsatz rasen, für Präsenz, Kontakt zu den Bürgern und Fußstreifen durch die Stadt bleibe keine Zeit.

"Die Stimmung auf den Wachen ist katastrophal", beschreibt Schott. Die Kollegen litten unter dem Druck, sie seien objektiv überlastet. Die Lösung: "Es müssen weiter junge Polizisten nach Bonn kommen, um etwas gegen die desolate Altersstruktur zu tun", sagt Schott.

Dies sei auch ein großes Anliegen der Bonner Behörde. Es sei wichtig, dass das Innenministerium Bonn beim Nachersatz weiterhin berücksichtige, "um junges Personal in die Dienststellen zu bekommen". Die Bonner Polizei wird in den nächsten Tagen Stellung zu der Thematik beziehen.

Dass die Situation unbefriedigend ist, meint auch Wolf Kuster, Gründer der Initiative "Go Respect - Godesberg gegen Gewalt". Dass Polizisten aus welchen Gründen auch immer nicht eingreifen würden, sei "eine Bankrotterklärung". Dies sei ein "absoluter Tiefpunkt. Da gibt es auch nichts zu beschönigen".

In Gesprächen habe sich gezeigt, dass viele Jugendliche das Vertrauen verloren hätten. Sie hätten das Gefühl, dass ihnen nicht zugehört werde, sie abgewimmelt würden. Es werde immer so getan, als sei alles "prima in Ordnung". Aber das sei es eben nicht.

"Die City-Streife gibt es nicht ohne Grund", sagt Stadtmarketing-Chefin Brigitte Grüll. Diese Streife wird privat von Geschäftsleuten bezahlt, ist jede Nacht unterwegs. Polizeiaufgaben dürfte sie natürlich nicht erfüllen, so Grüll. Aber City-Streife, städtischer Ordnungsdienst und Polizei unterstützen sich gegenseitig.

Generell kann man sagen, dass die Polizeipräsenz niedrig ist", sagt Grüll. Fahrradstreifen etwa habe sie in Godesberg schon länger nicht mehr gesehen. Aber man könne den Beamten keinen Vorwurf machen: "Die, die da sind, arbeiten wirklich viel."

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