Kammerspiele Bad Godesberg: "Wie es euch gefällt" - Komödie im Eispanzer

BAD GODESBERG.  David Mouchtar-Samorai macht in den Kammerspielen Bad Godesberg aus "Wie es euch gefällt" eine düstere politische Parabel. Doch ist gibt auch Lichtblicke.
Szene aus der Bonner Inszenierung von William Shakespeares 'Wie es euch gefällt'.
							Foto: Thilo Beu
Szene aus der Bonner Inszenierung von William Shakespeares 'Wie es euch gefällt'. Foto: Thilo Beu

Kalt ist es im Ardenner Wald. Die Bäume kahl, von Raureif überzogen, Himmel und Erde ein scharf gezackter Dreiklang von Schwarz, Weiß und Grau. Keine Umgebung, in der sich ein arkadisches Idyll so entfalten kann, "wie es euch gefällt" - aber das möchte David Mouchtar-Samorai ja auch verhindern.

Seine Inszenierung in den Kammerspielen treibt der Shakespeare-Komödie alles Leichte, Traumselige gründlich aus und zwängt sie in den denkbar düstersten politisch-historischen Kontext: Schon in der ersten Szene tragen Rosalind und Celia Kleider und Schuhe im Stil der 40er Jahre. Am Hof des Usurpators Frederic laufen düstere Gestalten in langen Ledermänteln herum, die auch schon mal verängstigte Menschen mit Gewehren vor sich her treiben. Der Ringkampf zwischen Charles und Orlando findet im Off statt, umrahmt von einer nationalsozialistischen Marsch- und Massengeräuschkulisse. Da braucht es nicht mehr viel Fantasie, um diesen Theaterabend als Parabel für Nazi-Diktatur und Holocaust zu begreifen.

Doch was in Frederics Machtzentrum noch einigermaßen funktioniert, läuft im Wald ins Leere. Mögen auch Gewehrfeuer und das leitmotivisch wiederkehrende Bellen von Hunden auf der Menschenjagd die Figuren auf der Bühne vorübergehend erstarren lassen und uns wieder an das aufgepfropfte Thema erinnern - Shakespeares Zauberwald bleibt ein Traumort, in dem klar benannte Realitäten nichts zu suchen haben. Nichts ist hier, wie es scheint. Identitäten, Geschlechterrollen, Beziehungen, Poesie und Parodie, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, alles wirbelt in einem unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive durcheinander. Schlechte Voraussetzungen für eine Geschichtsstunde.

Das einzig Sinnvolle, was man in diesem Wald tun kann, ist, sich lustvoll auf das Vexierspiel der Schäfer, Liebeskranken und Clowns einzulassen, und das tut Mouchtar-Samorai auch. Da wird gescherzt und gespottet, gerungen und gesungen, zu schwermütigen Klezmer-Klängen sogar getanzt, aber die Bedrohung bleibt ebenso wie Hunger und Kälte stets präsent. Selbst das doppelbödige Liebeswerben zwischen Orlando und der als Jüngling verkleideten Rosalind, eigentlich ein Musterbeispiel für die Heiterkeit und Grazie höfischer Konversation, behält einen aggressiven Unterton, und wer Rosalinds alptraumhafte Vision taumelnd tanzender Paare gesehen hat, mag nicht so recht an die Zukunft des jungen Glücks glauben.

Erwartungsgemäß streicht der Regisseur die wundersame Bekehrung Frederics und die wonnige Vierfachhochzeit am Ende der Komödie: Zwar finden auch auf Christoph Rasches spröder Bühne immerhin drei Paare zueinander, doch ein Grund zum Feiern ist das nicht. Dicht zusammengedrängt wie eine Schafherde stehen die Waldbewohner da, als der Vorhang fällt, beieinander Schutz suchend gegen die Kälte und gegen die Häscher, die zweifellos kommen werden.

Für Lichtblicke in dieser Düsternis sorgen die Schauspieler, die die Seelenzustände der von Shakespeare meist nur flüchtig skizzierten Charaktere mit Leben erfüllen. Verena Güntner als Rosalind etwa, die erst Hosen anziehen muss, um ihre ganze Leidenschaft und Klugheit freisetzen zu können. Dieser Naturgewalt kann Thomas Zieschs Orlando nur als naiver Draufgänger begegnen. Wolfgang Rüter wechselt in seiner Doppelrolle als neuer und alter Herzog gekonnt vom gnadenlosen Machtmenschen zum milden, desillusionierten Landesvater; Konstantin Lindhorsts Prüfstein unterhält mit ätzend scharfem Witz und clownesker Beweglichkeit.

In der heimlichen Hauptrolle glänzt Arne Lenk: Er ist als gewitzter Melancholiker Jacques ein echter Vorläufer Hamlets, er hat die besten Monologe, und seine Philosophie ist einfach zeitlos: "Die ganze Welt ist eine Bühne / Und alle Fraun und Männer bloße Spieler. / Sie treten auf und gehen wieder ab . . .".

Die nächsten Vorstellungen: 1., 4., 12., 24. und 26. Februar in den Kammerspielen Bad Godesberg. Karten in allen GA-Zweigstellen und bei bonnticket.de.

Abo-Bestellung
News, Informationen und Service aus dem Stadtbezirjk Bad Godesberg

Leserfavoriten

Folgen Sie uns auf Google+