Fliegen und Lotsen simulieren

BAD GODESBERG.  Im Haus der Luft- und Raumfahrt steht der virtuelle Tower des Köln-Bonner Flughafens. Mitglieder des Virtual Air Traffic Simulation Network (VATSIM), eine weltweit agierende Onlineflugorganisation, haben es sich zur Aufgabe gemacht, die zivile Luftfahrt so realitätsnah wie möglich nachzubilden.
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Die Fluglotsen greifen ein: (v.l.) Jesper Wiebus, Leonard Bierwirth.
											Foto: Ronald Friese

Die Fluglotsen greifen ein: (v.l.) Jesper Wiebus, Leonard Bierwirth. Foto: Ronald Friese

Es ist kurz vor zwölf Uhr am Mittag als sich Sascha Höhle (33) und Adam Trzcinski (26) Headsets auf ihre Köpfe setzen, vor ihren Bildschirmen Platz nehmen und gespannt auf jene blicken. Es erscheinen Karten und Radarbilder. Für den Laien sieht es etwas unübersichtlich aus.

Zusammen mit sieben weiteren Mitstreitern besetzen Höhle und Trcinski virtuell die Funklotsen- Stationen des Köln-Bonner Airports. Um eines vorwegzunehmen: Die neun Männer greifen nicht in den realen Flugverkehr ein. Sie alle sind Mitglieder des Virtual Air Traffic Simulation Network (VATSIM), eine weltweit agierende Onlineflugorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die zivile Luftfahrt so realitätsnah wie möglich nachzubilden. Die Szenerie, die sich dem Laien bietet, erinnert ein wenig an große LAN-Partys. Einige der Lotsen sitzen vor gleich mehreren Monitoren und auf iPads laufen Zusatzinformationen ein.

"Es ist eigentlich nichts anderes als ein Spiel im Mehrspieler-Modus", erklärt Sascha Höhle. "Es gibt zwei Parteien", so der 33-Jährige weiter, "die Piloten und die Fluglotsen".

Die Piloten fliegen über den Microsoft Flight Simulator und müssen sich gleichzeitig ins VATSIM-System einklinken. So kann zum Beispiel ein Pilot virtuell von München nach Köln-Bonn fliegen. Tritt der Pilot mit seiner Maschine in den Köln-Bonner Luftraum ein, so übernehmen die Fluglotsen die Begleitung des Piloten - bis zur endgültigen Parkposition in Köln.

Hobby-Lotsen kommen von weit her

Heute ist das Besondere, dass die Lotsen des virtuellen Konrad-Adenauer-Flughafens alle im Haus der Luft- und Raumfahrt in Bonn sitzen und von dort aus den virtuellen Flugverkehr steuern. Normalerweise gehen die Männer ihrem Hobby in den Abendstunden oder am Wochenende von zu Hause aus nach. Die Hobby-Lotsen kommen längst nicht alle aus der Region, manche sind extra aus dem Sauerland, dem Münsterland und aus Darmstadt angereist.

"90 Prozent ist Sprachkommunikation", sagt Adam Trzcinski. Die Kommunikation ist, wie im realen Leben auch, das "A und O" zwischen dem Piloten und dem Fluglotsen - natürlich in Englisch. Da VATSIM sich den hohen Anspruch stellt, so realitätsnah wie nur möglich zu sein, können auch Notfälle während des Fluges simuliert werden. "Beispielsweise Triebwerksausfälle oder auch Turbulenzen", so Trzcinski. Rund zwölf Stunden lang wollen die Lotsen die Geschicke des virtuellen Köln-Bonner Flughafens steuern, es sei eine sogenannte "Noon2Midnight"-Veranstaltung, wie Sascha Höhle verrät.

Der Jüngste unter den Hobby-Fluglotsen ist der 16-jährige Leonard Bierwirth aus Mülheim. "Ich mache gerade den Motorsegler-Flugschein und da ist das virtuelle Fliegen und Lotsen eine gute Übung", so der Schüler. Schon lange steht für den jungen Mann fest, dass er später einmal als Pilot die Kontinente entdecken möchte. "Vor zwei Jahren habe ich angefangen über VATSIM zu fliegen und zu lotsen, es macht einen großen Spaß", so Bierwirth.

Die neun Flugbegeisterten freuen sich vor allem auf die Abendstunden, denn dann können sie den Flugsimulator in das VATSIM-System einklinken. Dann schlüpfen die Lotsen in die Rolle des Piloten eines Airbus A320 - und werden von den Kollegen nebenan gelotst.

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