Veranstaltung in der Stadthalle

Benefiz oder Propaganda?

BAD GODESBERG.  Offiziell ist es eine Benefizveranstaltung für Syrien, die am Ostersonntag in der Stadthalle stattfinden soll. Doch nicht wenige Indizien sprechen dafür, dass ausgerechnet der hohe christliche Feiertag in Bad Godesberg für eine Propagandaveranstaltung islamischer Fundamentalisten genutzt werden könnte.
Dieses Foto der syrischen Nachrichtenagentur SANA zeigt die Auswirkungen einer Explosion in Damaskus am 21. Februar.
Dieses Foto der syrischen Nachrichtenagentur SANA zeigt die Auswirkungen einer Explosion in Damaskus am 21. Februar.

"Islamic Events" nennt sich der Veranstalter, der für den 31. März zu einer "Benefizaktion für Syrien" einlädt. Beginn in der Stadthalle soll um 12 Uhr sein. Neben Vorträgen, Musik und Speisen, so ist es auf Plakaten zu lesen, wird auch ein Kinderprogramm mit Hüpfburg angeboten. Für Männer und Frauen soll die Veranstaltung in getrennten Räumen stattfinden, wie dies auch teilweise in Moscheen praktiziert wird.

Zweck des Treffens ist laut Plakat die Sammlung von Spenden für Hilfsbedürftige. "Spende! Und sei es nur mit einer halben Dattel", heißt es dort. Mit von der Partie ist auch der Verein "Ansaar Düsseldorf", eigenen Angaben zufolge ein Hilfsbund für notleidende Muslime in Syrien, Somalia, Marokko, Burma, Indonesien und Deutschland, wo er jedoch hauptsächlich in der "Da'wa", dem Aufruf zum Islam, aktiv sei.

Mit drastischen Bildern aus dem syrischen Bürgerkrieg wirbt der Veranstalter in einem Video auf der Plattform Youtube für seine Aktion. Der Urheber des Films ist im Internet auch mit anderen Sequenzen präsent, in denen er namhafte Protagonisten aus dem Milieu der fundamentalistischen Salafisten in Szene setzt. Und auch im sozialen Netzwerk Facebook wird bereits eifrig die Werbetrommel für die Oster-Veranstaltung gerührt. Vorträge, Versteigerungen und Hennabemalung werden da für den 31. März versprochen. Und einige Überraschungsgäste.

Die könnten es nach Informationen des General-Anzeigers in sich haben. Wie der GA erfuhr, werden an dem Tag führende Repräsentanten des politischen Salafismus in der Stadthalle erwartet, unter ihnen Ibrahim Abou Nagie aus Köln, einer der Köpfe der Gruppe "Die wahre Religion". Auch mit dem Konvertiten Pierre Vogel, ebenfalls ein guter Bekannter aus der rheinischen Salafistenszene, werde gerechnet, so heißt es.

Beide, Abou Nagie und Pierre Vogel, hatten schon Mitte Januar in Berlin unter dem Deckmantel einer angeblichen Benefizveranstaltung für notleidende Muslime in Syrien eine islamistische Propagandaveranstaltung abhalten wollen. Auch ihre Bonner Mitstreiter Abu Abdullah und Abu Dujana hatten sich in Berlin angesagt. Nach Protesten und Medienberichten sagte der Betreiber des ursprünglich gemieteten Saales in Berlin-Kreuzberg den Extremisten dann aber wieder ab.

Anders in Dortmund, wo bereits im Dezember eine erste salafistische Spendenaktion für Syrien stattgefunden hatte. Mit dabei auch dort: Abou Nagie, Abu Dujana und Abu Abdullah. Thema war laut Medienberichten zwar offiziell die Situation der Notleidenden in Syrien. Am Rande sei es jedoch immer wieder um den vermeintlichen Kampf gegen die Muslime und den Islam auch in Deutschland gegangen. Wörtlich wurde Abou Nagie in Zeitungsberichten mit den Worten zitiert: "Alle unsere Geschwister in Syrien sind Gotteskrieger. Und derjenige, der hier spendet, rüstet einen Gotteskrieger auf!"

Stadthallen-Pächter Thomas Weiermann hat sich vor Abschluss des Mietvertrages beim Staatsschutz rückversichert, wie der dem GA berichtet: "Man hat mir mitgeteilt, dass seitens der Sicherheitsbehörden keine Bedenken bestehen. Darauf verlasse ich mich", so der Gastronom. Prinzipiell enthalte er sich einer inhaltliche Bewertung der Veranstaltungen in seiner Halle, so lange nicht gegen geltendes Recht verstoßen werde.

Auf Nachfrage des General-Anzeigers heißt es bei der Bonner Polizei: "Wir haben die Veranstaltung im Blick."

Netzwerke funktionieren trotz Verbots:

Sollten wie im Dezember in Dortmund auch am Ostersonntag in der Stadthalle tatsächlich Redner wie Abou Nagie und Abu Abdullah auftreten, dann erhielten dort Hauptprotagonisten der Gruppe "Die wahre Religion" (DWR) eine Bühne.

Anders als die drei salafistischen Vereine, die Innenminister Friedrich am Mittwoch verboten hatte, ist DWR weiterhin zugelassen. Sie steckt hinter den Koranverteilungen in Städten wie Bonn. Beim Innenministerium hatte es auf Anfrage zuletzt geheißen, man habe die Gruppierung "im Blick".

Nach GA-Informationen wird ein Verbot überprüft. Wie berichtet, bestehen ideologische Übereinstimmungen und personelle Verbindungen zwischen DWR und der trotz Verbots weiterhin aktiven Gruppierung "Millatu Ibrahim". Von der engen Zusammenarbeit zeugen Videobotschaften, darin enthaltene Sympathiebekundungen und Grüße sowie gemeinsame Auftritte wie auch etwa am 5. Mai in Lannesdorf.

Eine inhaltliche Nähe von DWR scheint es auch zu der am Mittwoch verbotenen Gruppe DawaFFM zu geben, die hauptsächlich in und um Frankfurt angesiedelt ist und dort "Islamunterricht" gibt. Wie Vertreter von DWR war auch sie am 5. Mai bei den Ausschreitungen mehrerer hundert Salafisten in Lannesdorf zugegen. Später kursierte im Internet ein von DawaFFM produzierter Film, der die Straßenschlachten mit der Polizei in Bonn zu glorifizieren versuchte.

Als Begründung für das Verbot der Gruppe "An-Nussrah" erklärten die Behörden am Mittwoch, diese werde als Ableger und "Überbleibsel" der bereits im Juni 2012 aufgelösten Vereinigung Millatu Ibrahim angesehen. Auch dies eine Parallele zur "Wahren Religion".

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