Kabarettistische Glaubenswoche in der Pauluskirche

Übersinnlich und scharfsinnig

Friesdorf.  Die kabarettistische Glaubenswoche in der Pauluskirche endete mit Auftritten Eckart von Hirschhausen und Oliver Welke. Pfarrer Siegfried Eckert zog eine positive Bilanz. Insgesamt kamen rund 2850 Besucher.
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Am Sonntagabend wurde Dr. Eckart von Hirschhausen mit Stehapplaus von seinen zahlreichen Zuhörern in der komplett gefüllten Kirche - darunter SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück - verabschiedet. Am Montagabend sorgten Oliver Welke, Altpräses Manfred Kock und Pfarrer Siegfried Eckert für ein interessantes Finale der Glaubenswoche.

Es war ein mal lustiges, mal nachdenkliches, immer aber unterhaltsames Finale, das sich in der Pauluskirche bot. Vor ausverkauften Rängen ließen Welke, Kock und Eckert die Glaubenswoche Revue passieren, sprachen über Religion, gaben Persönliches preis, beantworteten Fragen der Zuhörer und ließen stets Raum für Satire - dafür sorgten nicht nur die Gesprächsteilnehmer selbst sondern auch die Einspieler aus Welkes Heute Show.

Da wurde über das Thema Salafismus und Pro NRW oder den Papstbesuch und den Titanic-Titel gesprochen, über die Narretei des Mittelalters, bei der hierarchische Strukturen umgedreht wurden, die uns heute verloren gegangen zu sein scheint.

Wie darf Kirche auf sich aufmerksam machen? Wie weit darf Satire gehen? Und gibt es Dinge, die bei einer kabarettistischen Glaubenswoche tabu sein sollten? "Der Künstler setzt die Grenzen", sagte Welke. Und auch Kock meinte: "Ich will denjenigen, die ich in diesen Raum lasse, keine Grenzen setzen. Ich erwarte, dass sie das selbst tun." Und Welke ergänzte: Provokation sei nichts schlimmes, man solle froh sein, dass man Teil einer Kirche sei, in der so etwas möglich sei.

Fast scheint es so, als habe sich Dr. Eckart von Hirschhausen vorgenommen, seine Programme stets in der Kirche auszuprobieren. Denn nach der Vorpremiere von "Liebesbeweise" in der Christuskirche stand am Sonntagabend eine weitere Vorpremiere auf dem Programm.

Anlässlich der kabarettistischen Glaubenswoche präsentierte Hirschhausen "Wunderheiler" in der Pauluskirche. Ein Ort, an dem er gerne spielt: "In der Kirche ist es anders. Es kommen Leute, die sich grundsätzlich für so etwas wie Spiritualität und Gesundheit interessieren", sagte Hirschhausen.

Ist Homöopathie fauler Zauber? Wieso hat Jesus seine Heilkräfte nicht zielbringender eingesetzt, indem er zum Beispiel ein Krankenhaus gebaut hat? Ist Schulmedizin wirklich wirksam? Woher kommen feste Überzeugungen, die nachweislich Quatsch sind? Und hilft Humor tatsächlich beim Heilprozess?

Gespickt mit Power Point Präsentationen, Liedern und Tricks - Hirschhausen war vor 20 Jahren selbst als Zauberkünstler aktiv - entführte er die Zuhörer in die Welt des "Übersinnlichen". Da konnte er die Gedanken von Peer Steinbrück lesen und erkannte das Sternzeichen einer Zuschauerin allein an deren Art, Pizza zu essen.

Die Menschen ein wenig verwirrter zurückzulassen als sie gekommen sind, ihre Wahrnehmung zu verändern, sie zum Zweifeln zu animieren - und ihnen gleichzeitig ein gutes Stück (Aber-) Glauben zu lassen: Diese Ziele verfolgte (und erreichte) Hirschhausen auf mitreißende Art und Weise.

"Zweifel ist ein Zeichen von Qualität - in der Medizin und überhaupt", sagte er. Und: "Wenn man auf etwas Übersinnliches trifft, sollte man es einem Zauberkünstler zeigen. Wenn der es nicht versteht, dann erst ist es interessant, einen Wissenschaftler hinterherzuschicken."

Doch das ist nur eine Seite der Medaille: "Warum pustet man einem Kind aufs Knie? Keiner denkt, dass es physikalisch hilft." Das Magische sei das Ritual, der Effekt die Zuwendung. "Die Vorstellung ist heilsam." Und auch das soll und muss es eben geben.

"Was wäre für Sie ein Wunder?", war die letzte Frage, die das Publikum auf Postkarten beantworten sollte, Hirschhausen las einige vor - und eine reizte ihn besonders zum Lachen: "Es wäre ein Wunder, wenn Peer Steinbrück Kanzler werden würde." Der konnte übrigens - genau wie alle anderen - herzlich über die Anmerkung lachen. Und Hirschhausen kommentierte: "Die besten Witze schreibt eben doch das Leben."

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