Schließungspläne der Stadt

Friesi-Freunde planen für 2013

FRIESDORF.  Geht es nach der Verwaltungsspitze, so wird das Freibad Friesdorf im nächsten Jahr nicht mehr aufgemacht. Neben dem Hardtbergbad stehen auf der Streichliste aus dem Stadthaus auch das Melbbad sowie das Ennertbad und die Beueler Bütt, die mittelfristig durch ein Kombibad in der Beueler Rheinaue ersetzt werden könnten. Und eben das "Friesi".
Magnet für die jungen Gäste: Kinder der Servatiusschule bei einem Sponsorenschwimmen im Juli im Freibad Friesdorf. Foto: Rüdiger Franz

Dort ist ein Aufschrei bislang ausgeblieben. Bei den "Freibadfreunden Friesdorf" (FFF) bewegt sich die Stimmung zwischen Unverständnis, Zuversicht und Kampfbereitschaft. So auch beim jüngsten Stammtisch des Fördervereins, bei dem es naturgemäß nur dieses eine Thema gab.

"Die Vorlage ist schon starker Tobak, denn im Endeffekt sollen damit fünf Bonner Schwimmbäder geschlossen werden", sagt FFF-Vorsitzende Ingeborg Cziudaj. Unverständlich sei zudem, dass die Stadt 70.000 Euro für ein Gutachten einer Unternehmensberatung bezahlt, welches dann komplett verworfen werde, meint ein Neubürger, der vor wenigen Jahren aus Darmstadt zugezogen ist. "Ich hatte andere Erwartungen von der langjährigen Bundeshauptstadt", bemerkt er.

Dennoch wollen sich die Freibadfreunde vom Verwaltungsvorschlag nicht weiter beirren lassen: "Zum einen haben wir unser Angebot erneuert, uns weiterhin an Betriebs-, Personal- und Investitionskosten zu beteiligen", sagt Ingeborg Cziudaj. Zum anderen setze man auf die Entscheidungshoheit der Politik: Im Bäderkonzept der CDU etwa sei der Bestand des "Friesi" nachzulesen. Und erst vor einer Woche hatte sich auch die FDP-Ratsfraktion bei einem Ortstermin für den Erhalt des Bades ausgesprochen. "Unser Planungen für die kommende Freibadsaison laufen wie gewohnt", so Cziudaj.

Für besondere "Begeisterung" bei den Friesdorfern sorgt ein Passus in dem Verwaltungskonzept, der sich mit den Einsatzmöglichkeiten der Fördervereine beschäftigt. Das vom Stadtrat beauftragte Gutachten hatte vorgeschlagen, grundsätzlich alle Freibäder unter der Vorgabe zu erhalten, dass sich die Fördervereine substanziell an den Betriebskosten beteiligen. Hierzu heißt es nun seitens der Stadtverwaltung wörtlich: "Faktisch verfügen nur das Melbbad und das Freibad Friesdorf über mitgliedsstarke und damit finanzkräftige Fördervereine.

Die Fördervereine am Römerbad und am Freibad Rüngsdorf verfügen nur über eine geringe Mitgliederzahl; das Ennertbad hat keinen Förderverein. Damit würde die Vorgabe des Gutachtens zu einer Ungleichbehandlung (...) führen, wenn Freibäder nur dann erhalten werden können, wenn ein Förderverein vorhanden und gleichzeitig in der Lage ist, (...) finanzielle Beteiligungen an den laufenden Betriebskosten zu leisten".

Bei den FFF wirkt diese Argumentation wie eine schallende Ohrfeige für 20-jähriges Engagement: "Wer sich Mühe gibt und viel auf die Beine stellt, ist der Dumme. Das ist Sozialismus", murmelt ein Anwesender. "2012 haben 80 Kinder bei uns das 'Seepferdchen' absolviert, das sind auch die Schwimmbadgäste von morgen. Wir haben das Sommerkino ins Leben gerufen und die Gastronomie übernommen, von den üblichen Aktionen ganz zu schweigen", sagt Inge Cziudaj.

Ein wenig Freude, allerdings auch Kopfschütteln, konnte die Stadt bei den Friesi-Freunden vor wenigen Tagen dann aber doch noch auslösen: Mitarbeiter montierten im Bad ein schmuckes neues Klettergerüst aus Holz. "Der OB will das Bad nicht mehr öffnen, baut aber ein Klettergerüst", sagt Ingeborg Cziudaj, "daraus soll nun einer schlau werden."

Die Antwort hat auf GA-Nachfrage die Sportverwaltung: Bei Kontrollen im Frühjahr habe sich herausgestellt, dass das alte Gerüst aus Sicherheitsgründen ersetzt werden musste. Zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe habe es den neuen Verwaltungsvorschlag noch nicht gegeben, so dass es nun zu der Überschneidung gekommen sei.

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