Bad Godesberg

Bürger wehren sich gegen Verdichtung ihres Wohngebiets

FRIESDORF.  Es sind zwei viergeschossige Mehrfamilienhäuser, die im Wohngebiet Grüner Weg, Eltviller, Rüdesheimer und Ürziger Straße errichtet werden sollen. Und genau dieser Plan hat einen Sturm der Entrüstung unter den Anliegern hervorgerufen.
Mängel an den bestehenden Häusern: Auch Elke Plum protestiert gegen die Neubaupläne. Sie will von den Eigentümern vielmehr die Schäden an ihrem Balkon beseitigt haben. Foto: Axel Vogel

Denn sie sind - anders als die Stadt - überhaupt nicht damit einverstanden, dass ihr Wohngebiet noch weiter verdichtet werden soll und zwei der ohnehin rar gesäten Grünflächen sowie ein Spielplatz verschwinden sollen. Deshalb hat Gina Bulger einen Bürgerantrag gestellt, in dem sie im Namen der Anwohner darum bittet, die Baumaßnahme abzulehnen. Bulger steht nicht allein: 169 Unterschriften hat sie bereits beisammen. Tendenz steigend.

50 Wohneinheiten sollen nach Wunsch des Investors in den beiden geplanten Häusern unterkommen. Zusätzlich soll eine Tiefgarage gebaut werden. Am 29. Oktober hat die Stadt den Bauantrag positiv beschieden.

Das Vorhaben erfülle die rechtlichen Voraussetzungen, die notwendigen Abstandsflächen werden eingehalten, argumentiert die Verwaltung. Momentan stünden die Häuser 50 bis 70 Meter auseinander, das findet "sich in dem Gebiet ansonsten nicht wieder". Stehen die beiden Mehrfamilienhäuser, betrüge der Gebäudeabstand 14 bis 20 Meter.

Hinzu komme, dass die Gestaltung des Kinderspielplatzes und die Gebäudegestaltung im Baugenehmigungsverfahren nachgewiesen worden seien. Und: Der Bauherr habe "ein Baumgutachten vorgelegt, auf dessen Grundlage Baukörper und Tiefgarage so angeordnet wurden, dass wertvoller Baumbestand erhalten werden kann".

Das allerdings bezweifeln die Bürger. Denn acht Bäume plus Strauchwerk mussten schon vor Monaten weichen - und die seien, anders als auf Nachfrage von der Stadt behauptet - nicht alt oder krank gewesen. "Ein Kirschbaum stand kurz vor der Blüte", erzählen Margret Feuerhardt und Ute Sembritzki. "Darf man überhaupt einfach so die Bäume fällen?"

Durch die Bebauung werde wertvoller, alter Baumbestand beseitigt, heißt es denn auch in dem Bürgerantrag. Außerdem werden "die großzügigen Grünflächen, die die Siedlung bislang auszeichnen" zerstört. Für die Tiefgarage wird ein großer Teil der dortigen Wiese unterbaut und mit Beton versiegelt. "Künftig wird dieser Bereich nur noch mit einer dünnen Bodenschicht überdeckt sein." Somit verschwinde die Grünfläche, die Spielmöglichkeiten für die Kinder würden eingeschränkt, der Wohnwert gemindert.

Doch das ist lange nicht das einzige Argument: Auch die Gestaltung der Gebäude bereitet den Anliegern Kopfzerbrechen. Denn auf die vier Geschosse werde noch ein Staffelgeschoss gesetzt, so dass die Häuser "fünfgeschossig und damit im Vergleich zur übrigen Bebauung zu hoch wirken". Die geplanten Flachdächer passten außerdem nicht zur Umgebung, die von Satteldächern geprägt sei.

Hinzu komme die Verkehrsproblematik. "Früher war der Parkraum ausreichend", erzählt Bernd Schliack. Mittlerweile aber habe sich das Autoaufkommen auch ohne Neubauten bereits verdoppelt. "Die Leute sind quasi genötigt, verkehrswidrig zu parken." Werden nun 50 neue Wohneinheiten eingerichtet, für die aber wohl nur 50 neue Parkplätze gebaut werden, "wird die Situation sich noch verschärfen". Das bestätigt auch Karl-Johann von Eicken. "Dann haben wir hier noch mehr Verkehrschaos."

Generell sei festzuhalten, dass durch die geplanten Gebäude die Wohn- und Lebensqualität im Viertel sinke, sind sich die Anlieger einig. "Der ganze Wert der Siedlung geht unter, wir sind alle betroffen." Und: "Man sieht ja gar nichts mehr, wenn man aus dem Fenster schaut", so eine Anwohnerin. Sie frage sich überhaupt, "ob die sich das hier mal vor Ort angeschaut haben". Haben sie bestimmt nicht, pflichten andere bei. Genauso wenig, wie Stadt oder Investor die Anlieger mit Informationen versorgt haben.

"Wenn der Bürger Bund nicht ein paar Flugblätter verteilt hätte, wüssten wir gar nichts", sagt von Eicken. Doch nicht nur die Erwachsenen, auch die Kinder machen ihrem Unmut Luft. Denn dass Wiese und Spielplatz verschwinden sollen, passt ihnen gar nicht: "Wir sind hierher gezogen und konnten auf der Wiese toll toben. Ist es ein großer grauer Stein, fangen alle an zu wein'", ist auf einem Protestplakat zu lesen, das sie eigenhändig gemalt haben.

Ob es (und der Bürgerantrag) Wirkung zeigt, wird sich am 10. April zeigen. Dann steht das Thema auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung Bad Godesberg. Eins auf jeden Fall ist sicher: Die Anwohner werden zahlreich erscheinen. "Es sollen so viele hinkommen, dass die Stadthalle platzt", sagt Bulger. Und erntet zustimmendes Kopfnicken bei ihren Mitstreitern.

Die öffentliche Sitzung der Bezirksvertretung beginnt am Mittwoch, 10. April, um 17 Uhr in der Bad Godesberger Stadthalle.

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