GA-Serie Godesberger Gegensätze

Zwischen Luxus-Immobilien und Abriss-Häusern

PENNENFELD/LANNESDORF. Stadtvillen, Parkensembles, Luxusterrassen, Rheinresidenzen, Entrées und Palais - in Bad Godesberg ist schöner Wohnen keine leere Worthülse. An vielen Stellen entstanden in den vergangenen Jahren und entstehen zurzeit hochwertige bis luxuriöse Wohnprojekte.

Eigentlich war das vor gut 100 Jahren schon so, als sich reiche Pensionäre und Bankiers aus der Region in Godesberg niederließen, um in ihrer Sommerresidenz mit Blick auf Rhein und Siebengebirge die gute Luft zu genießen. Auf der Cäcilienhöhe fand kürzlich ein Penthouse, circa 270 Quadratmeter, Käufer, die dafür 1,32 Millionen Euro zahlten. "Vermutlich handelt es sich um die exklusivste und teuerste Wohnung, die in diesem Jahr in Bonn verkauft worden ist", berichtet Rolf Ludwig Becker, Geschäftsführer von Becker Immobilien Bonn.

Die Cäcilienterrassen sind ein Premium-Objekt, das mit neun Luxuswohnungen von circa 111 bis 264,50 Quadratmetern Wohnfläche höchste Ansprüche und den Käufern "ihren individuellen Traum vom luxuriösen Wohnen erfüllt", heißt es in der Objektbeschreibung. Wegen des aktuell gesenkten Quadratmeterpreises auf 4000 Euro pro Quadratmeter für Wohnungen unterhalb des Penthouses ist Becker optimistisch, im nächsten halben Jahr alle weiteren Wohnungen zu verkaufen.

Quadratmeterpreise von 4500 Euro sind auch beim "Palais 21" in Plittersdorf zwischen Auf der Hostert und Am Büchel Realität. Der gerade fertig gestellte Komplex mit

24 Wohneinheiten plus drei Einfamilienhäusern findet zügig seine Käufer. 75 Prozent sind nach Auskunft von Projektleiter Lutz Langer bereits verkauft."Wir rechnen damit, dass bis zum Ende des ersten Quartals 2016 alle Wohnungen verkauft sind."

Komplette Ortsteile neu erschaffen

Spätestens seit das ehemals eigenständige Bad Godesberg zur Hauptstadt Bonn gehört, wuchs der Bedarf an Wohnraum für die Ministerialangestellten, Beamten und Diplomaten. Wohnsiedlungen entstanden, komplette Ortsteile - siehe Heiderhof - wurden neu erschaffen. Das Wachstum, noch einmal angefeuert durch den Regierungsumzug seit 1999 und den damit verbundenen Zuzug tausender Neubürger, setzt sich fort.

Doch heute ist der Platz begrenzt, Wohnraum knapp, Bad Godesberg als Wohnstandort äußerst beliebt. Die Folge: Es fehlt an Wohnungen, vor allem an bezahlbaren. Und: "Es fehlt an zeitgemäßem Wohnraum", meint Benjamin Knüpling, Godesberger Immobilienmakler, zum Beispiel Klein-wohnungen für Rentner und Studenten.

Knackpunkt: "Wohnraum, der neu gebaut wird, ist für die breite Masse nicht bezahlbar", so Knüpling. "Beim Wohnungsneubau handelt es sich außerdem primär um reinen Klientelwohnbau", betont er. Und noch etwas gibt er zu bedenken: "Seitens der Investoren gibt es oft Lippenbekenntnisse - am Ende sehen die Ergebnisse oft anders aus."

"Geförderter Wohnungsbau braucht Positiv-Kampagne"

Dafür, dass auch Menschen mit geringem Einkommen eine Wohnung finden, sorgt die Vereinigte Bonner Wohnungsbau AG (Vebowag), eine Beteiligungsgesellschaft der Stadt. Sie investiert zurzeit in Bad Godesberg, weil es hier besonders viele ältere Gebäude aus den 1950er Jahren gibt.

Wenn sie nicht zu sanieren und barrierefrei umzubauen sind, setzt die Vebowag auf Abriss und Neubau, wie an der Kreisauer Straße in Plittersdorf. Vebowag-Chef Michael Kleine-Hartlage findet: "Der Ruf des geförderten Wohnungsbaus braucht eine Positiv-Kampagne." Es sei nicht fair gegenüber den Mietern, sie schlechtzureden.

Viele mit geringem Einkommen hätten Anrecht auf einen Wohnberechtigungsschein. Die Vebowag achtet darauf, einzelne Siedlungen nicht zu überfrachten. "Wir haben keine schwierigen Standorte", sagt Kleine-Hartlage. Es gebe aber schon Mal Häuser, wo die Belegung nicht ideal sei.

Eines der größten Neubauprojekte in Bad Godesberg mit 258 Wohnungen sind im Moment die sogenannten Siebengebirgsterrassen, die an der Deutschherrenstraße auf dem ehemaligen Grundstück des Streitkräfteamtes und Amtes für Zivilschutz errichtet werden. Baubeginn, so der Investor Soka-Bau, ist im Frühjahr 2016.

Leitziel des städtebaulichen Konzeptes ist dort "die Realisierung eines attraktiven, familienfreundlichen Wohnquartiers mit einem differenzierten Angebot an zeitgemäßen Mietwohnungen und hoher Aufenthaltsqualität im Freiraum", heißt es auf der Homepage.

Das neue Quartier soll ein Angebot für unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen und Generationen bieten. Barrierefreie Haus- und Wohnungszugänge, Wohnungsangebote von 1,5 bis fünf Zimmer, eine moderne, energieeffiziente Gebäudeausstattung und attraktive Grün- und Freianlagen.

"Godesberg ist ein aufstrebender Standort"

Eine viergruppige Kindertagesstätte sowie ein Kiosk, Backshop oder Café mit Terrasse am zentralen Eingang im neuen Quartier sollen eine sinnvolle Ergänzung für die Mieter und die Nachbarschaft darstellen. "Godesberg ist ein aufstrebender Standort", meint Projektleiter Klaus Christ, "es gibt ein gutes Umfeld".

Mit dem Umfeld in Pennenfeld und Lannesdorf kennen sich besonders die dortigen Quartiersmanager aus. Seit fünf Jahren arbeiten Frank Wilbertz in Pennenfeld und Ines Jonas in Lannesdorf. "Im Pennenfeld hat die Vebowag eine ganze Menge investiert", berichtet Wilbertz. Allein 100 Wohneinheiten sind durch Dachgeschossausbau in den Siedlungen neu entstanden.

Das Ziel hier: "Vor allem die Senioren sollen im Viertel bleiben - und: Wir wollen das Viertel mit unseren Angeboten aufwerten", erklärt er. Immerhin sind rund 25 Prozent der Mieter Erstmieter aus den 1960er Jahren. "Die Menschen hier sind bodenständig, nicht elitär, normale Leute", beschreibt der Sozialarbeiter seine Klientel.

Deutlich heterogener ist die Sozialstruktur in Lannesdorf. "Hier haben wir eine andere Bevölkerungsstruktur mit vielen muslimischen Bewohnern", erzählt Sozialarbeiterin Ines Jonas. "Die alten Lannesdorfer nehmen viele unserer Angebote, wie zum Beispiel unser Stadtteilfrühstück, sehr rege an. Man ist dann aber doch eher unter sich. Die Gruppen mischen sich nicht", so Jonas.

"Versuch Brücken zu schlagen, ist manchmal sehr mühsam"

"Auf der anderen Seite sind aber zum Beispiel die Deutschkurse rappelvoll." Dennoch: "Es sind zwei Welten in Lannesdorf." Und: "Der Versuch Brücken zu schlagen, ist manchmal sehr mühsam", ergänzt Wilbertz.

Die eine, harmonische Welt, gibt es nicht. "Auch die klassische Nachbarschaft wie früher gibt es nicht mehr", meint Ines Jonas. Was aber unterscheidet die Menschen aus Pennenfeld und Lannesdorf von denen im Villenviertel, wenn es ums Thema Wohnen geht? "Im Villenviertel", sagt Wilbertz, "leben Menschen, die gelernt haben, für ihre Interessen einzustehen."

Umso wichtiger ist es deshalb, dass es auch künftig noch ein Quartiersmanagement gibt. "Eigentlich soll es weitergehen, aber der politische Beschluss fällt erst im November im Rat", berichtet Wilbertz. "Der Prozess, den wir hier eingeleitet haben, muss langfristig sein", meinen beide.

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