Pflegeforum Palliative Care

Zwischen Leidenschaft und Überlastung

Workshop-Teilnehmer präsentieren im Pflegeforum ihre Ideen, Ergebnisse und Ausblicke. FOTO: SENNEKAMP

Workshop-Teilnehmer präsentieren im Pflegeforum ihre Ideen, Ergebnisse und Ausblicke. FOTO: SENNEKAMP

Bad Godesberg. Pfleger und ehrenamtliche Hospizhelfer tauschen sich bei Pflegeforum im Pfarrzentrum aus.

Auf einer Leinwand im Pfarrzentrum St. Marien lief am Mittwochnachmittag ein Trickfilm über die fiktive Geschichte von Bill, der ein glückliches Leben führt, bis ein Arztbesuch sein Leben plötzlich auf den Kopf stellt. Bill erfährt, dass er krank ist und sterben muss. Zu Hilfe kommt ihm ein Palliativdienst, der ihn auf seinem Weg bis zum Tod begleitet.

Am Ende der rund fünf Minuten dauernden Animation herrschte betretenes Schweigen unter den Zuschauern. Denn für die im Pfarrzentrum erschienenen Menschen war Bills Geschichte nicht bloße Fiktion, vielmehr bildete der Film ihren Alltag ab. Die rund 135 Anwesenden waren nämlich Teilnehmer des zweiten Pflegeforums Palliative Care. Sie alle arbeiten in Pflegeberufen oder engagieren sich ehrenamtlich in der Hospizarbeit.

Organisiert wurde die schon Wochen vorher ausgebuchte Veranstaltung von der Bürgerstiftung Rheinviertel, dem Caritasverband Bonn, dem St. Vinzenzhaus und dem CBT Wohnhaus Emmaus. "Es geht hierbei darum, den Erfahrungsaustausch voranzubringen", erklärte Oliver Tiemann von der Bürgerstiftung.

"Dazu sollen in einer Mischung aus Fachvorträgen und Workshops Probleme aufgezeigt und Lösungen erarbeitet werden." Los ging es am Mittwoch daher mit einem Impulsvortrag der pensionierten Familienministerin Ursula Lehr. Danach fanden vier Workshops statt, in denen sich die Teilnehmer mit der Ausbildung von Pflegepersonal, der Begleitung gerontopsychiatrisch erkrankter Menschen (zum Beispiel Demenzkranken), den gesetzlichen Neuerungen und der ganzheitlichen Pflege beschäftigten.

Zwischenzeitlich gab Pfarrer Wolfgang Picken bei einem Vortrag Einblicke in die geistliche Begleitung angesichts des Todes, bevor unter Anleitung des Seelsorgebereichsmusikers Daniel Kirchmann gemeinsam gesungen wurde, um Körper und Geist zu lockern.

Am Ende des Tages präsentierten die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse. In einem Punkt waren sich dabei alle Gruppen einig: Es fehlt an Personal. "Rund 80 Prozent der Menschen wünschen sich, zu Hause sterben zu können", so Christine Kiderlin von der Bürgerstiftung. "Nur bei 20 Prozent ist das aber wegen des Mangels an Pflegern und Helfern möglich."

Dem schließt sich auch Michael Steilen an, der bei der Caritas arbeitet. "Nachts gibt es in manchen Einrichtungen nur zwei Pfleger für 80 Bewohner", sagt er. "Überlastung ist in der Pflege alltäglich." Trotzdem will der leidenschaftlich engagierte Pfleger seinen Beruf nicht missen: "Ich habe, wenn ich abends nach Hause komme, das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben."