Am "Warmnachtsbaum"

Zur warmen Suppe gibt es einen warmen Schal

Mali Müller spielt die Weihnachtsfrau und verteilt vor dem Suppenhimmel Schals an Bedürftige. Simone Stein-Lücke (3.v.l.) und Wolfgang Picken (2.v.r.) unterstützten die Aktion.

Mali Müller spielt die Weihnachtsfrau und verteilt vor dem Suppenhimmel Schals an Bedürftige. Simone Stein-Lücke (3.v.l.) und Wolfgang Picken (2.v.r.) unterstützten die Aktion.

Bad Godesberg. Mali Müller verteilt Gestricktes und Gehäkeltes vom "Warmnachtsbaum" an Bedürftige.

90 Schals, gestrickt, gehäkelt, feinmaschig oder grob, bunt, mehrfarbig oder schwarz, mit Troddeln oder ganz schlicht: Am "Warmnachtsbaum" von Mali Müller war für jeden Geschmack etwas zu finden. Die Rentnerin aus Wachtberg-Niederbachem saß am Samstag von 12 bis 14 Uhr vor dem Suppenhimmel in der Bad Godesberger Innenstadt und verteilte selbst genähte Schals und Mützen.

Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke und Dechant Wolfgang Picken unterstützten die Aktion und waren bei der Verteilung der ersten Schals dabei.

"Ich dachte mir, jetzt wo ich in Rente bin, kann ich auch mal was Soziales machen", meinte Mali Müller. Auf die Idee ist sie gekommen, als sie vor einem Jahr einen Artikel über vier Oldenburger Studenten las, die selbst gestrickte Schals verteilten.

Unter dem Motto "be japy" findet die Warmnachtsbaum-Aktion dieses Jahr sogar in mehreren Städten statt. "Japy steht für Julian, Andreas, Peter und Yannik. Das sind die Gründer der Aktion", erklärte Müller. "Frau Müller kam im März in meine Sprechstunde, erzählte mir von ihrer Idee und ich war von den Socken. Ich finde die Aktion superklasse", sagte Simone Stein-Lücke.

Schnell war der Suppenhimmel als Ort für den "Warmnachtsbaum" gefunden. "Hier eignet es sich besonders gut, weil hier ja hauptsächlich Leute Suppe essen, die bedürftig sind", meinte Mali Müller. Seit Januar 2016 gibt der von Dechant Wolfgang Picken initiierte Suppenhimmel Am Fronhof kostenlose Mahlzeiten aus, die von sechs Gastronomien aus der Umgebung gespendet werden.

Am Samstag gab es zur warmen Suppe noch einen warmen Schal. "Die meisten Schals haben Freunde und Bekannte von mir gestrickt. Nur fünf Fremde haben mitgemacht", erzählte Müller. Die bunten Schals hingen in Tüten verpackt am Baum. Die Tanne wurde von Robert Schreiber gespendet, der in Wachtberg-Niederbachem Weihnachtsbäume verkauft.

Jeder, der wollte, durfte sich einen Schal aussuchen. Während die meisten zu Beginn eher scheu auf die Aktion reagierten, waren nach einer halben Stunde bereits rund 30 Schals weg. Trotzdem bleibt der "Warmnachtsbaum" wahrscheinlich eine einmalige Sache: "Das war schon sehr sehr mühselig, auch einen geeigneten Termin zu finden", meinte Mali Müller. Kurz vor Weihnachten war die Aktion aber besonders passend.

"Das ist eine ganz tolle Sache, wenn man soziale Not unkompliziert beheben kann", meinte Dechant Picken. Und auch Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke lobte das Projekt nachdrücklich: "Solche Leute wie Frau Müller brauchen wir."