Umbaupläne in Mehlem

Zukunft der Turmstation "Kunigunde" weiter offen

Mehlem. Ob „Kunigunde“, die kleine Mehlemer Turmstation, umgebaut werden darf, ist weiter offen. Der Unterausschuss Bauplanung hat das Thema am Mittwoch auf Antrag der CDU vertagt, die noch internen Beratungsbedarf hat.

Wie berichtet will Eigentümerin Daniela Kinkel das ehemalige Trafohaus, das sie für einen Euro vom Stromversorger RWE übernommen hatte, zu einer Ferienwohnung für Radfahrer umbauen. Das lehnt das Bauordnungsamt ab.

Amtsleiterin Sigrun Scharf sieht eine Ferienwohnung im Wohngebiet auch deshalb kritisch, weil jemand, der dort seinen Urlaub verbringe, „anders unterwegs“ sei als die Nachbarschaft. Sie haben bereits E-Mails von Nachbarn bekommen, die Lärm fürchten, wenn am Turm Gäste draußen sitzen. Die Umbaupläne sehen eine kleine Dachterrasse auf dem Anbau in Richtung Mehlemer Bach und Kita vor. Scharf zeigte im Ausschuss außerdem die Überflutungskarte eines 200-jährigen Hochwassers, bei dem „Kunigunde“ im Wasser stehen würde.

Daniela Kinkel hatte nach der Übernahme von RWE zuerst die Idee, den Turm kulturell zu nutzen. „Ein kleines Kindertheater fanden wir charmant“, berichtete Scharf. Es sei kein Problem, „wenn 20 Mal im Jahr ein paar Kinder kommen“. Eine Ferienwohnung sei mit Blick auf den für die Nachbarschaft gültigen Bebauungsplan aber nicht zulässig.

Marcel Schmitt (Bürger Bund Bonn) gab zu bedenken, dass Parkplätze an der Kunigundenstraße Mangelware sind: „Was ist, wenn die Radtouristen doch mit dem Auto vorfahren?“ Auf dem winzigen Grundstück selbst lässt sich kein Stellplatz unterbringen. „Das würde aber jeglicher Nutzung entgegenstehen“, sagte Scharf. Es werde geschaut, ob anderswo noch ein Fahrzeug unterzubringen sei. Die Entscheidung über das Bauvorhaben wurde schließlich in die Sitzung am 14. März vertagt.

Nach einem Aufruf im GA ist das erste historische Fotos von „Kunigunde“ aufgetaucht. „Ich habe in den Fotoalben meiner Großeltern ein Bild gefunden, da steht das Trafohäuschen inmitten der verwüsteten Bachlandschaft nach dem verheerenden Unwetter von 1931“, berichtet eine GA-Leserin, die darauf hinweist, dass der Mehlemer Bach in den vergangenen acht Jahren drei Mal über die Ufer getreten sei. Sie hält das Projekt trotz neuem Entlastungskanal für gewagt.

Probleme mit Hochwasser hat ein anderer GA-Leser, der Monteur bei RWE war, nicht erlebt. „Das Wasser kam nicht bis in den Turm“, sagt der 79-jährige Lannesdorfer. An einen nächtlichen Einsatz 1963 in Mehlem kann er sich aber besonders gut erinnern. Die Monteure arbeiteten im neuen Anbau der Turmstation, da lief im Radio die Nachricht, dass John F. Kennedy erschossen wurde.

Heute gibt es im Trafohäuschen keine Schaltanlage mehr, die den Strom von 11.000 Volt auf 380 Volt transformiert. Das Gebäude ist leer, auch Haken und Drähte draußen sind verschwunden. „Früher liefen die Stromleitungen für Straßenbeleuchtung und Häuser noch über die Dächer“, erinnert sich der ehemalige RWE-Monteur.