Führung in Bad Godesberg

Zu Besuch im Mausoleum

Anja Sieberg von der Kirchengemeinde St. Andreas erläuterte bei ihren Führungen die Geschichte des Mausoleums.

Anja Sieberg von der Kirchengemeinde St. Andreas erläuterte bei ihren Führungen die Geschichte des Mausoleums.

BAD GODESBERG. Beim Tag des offenen Denkmals öffnen historische Bauten und Stätten bundesweit ihre Türen. Auch die Bürgerstiftung Rheinviertel beteiligt sich an der Aktion

Wenn Steine reden könnten, sie hätten einiges zu erzählen. Am Sonntag öffneten historische Bauten und Stätten am „Tag des offenen Denkmals“ bundesweit ihre Türen. Bei einer Vielzahl von Führungen und Veranstaltungen konnten die Besucher dabei mehr über die stummen, steinernen Zeugen der Geschichte erfahren. So auch in Bad Godesberg: Das sonst für Besucher nicht zugängliche Mausoleum von Carstanjen gewährte am Sonntag interessante Einblicke. Die Bürgerstiftung Rheinviertel bot Führungen und eine Fotodokumentation an.

Eine Gruppe von rund 50 Personen drängte sich in die Rotunde des Mausoleums. Vorneweg ging Anja Sieberg, die die Gruppe zielgerichtet zu einer mächtigen Bodenplatte in der Mitte des Raumes führte. Die Metallplatte mit der Aufschrift „Denket mit Liebe an uns – Adolf von Carstanjen – 1897“, kann angehoben werden. Dort wurden früher Särge in die Gruft abgelassen.

An diesem Ort erzählte sie die Historie des Gebäudes. „Ursprünglich wurde das Mausoleum Ende des 19. Jahrhunderts von dem Zuckerfabrikanten, Kunstsammler und Mäzen, Graf Adolf von Carstanjen als Begräbnisstätte für seine Familie erbaut“, sagte Sieberg.

„Nachweislich sind dort fünf Familienmitglieder bestattet, die letzte Beisetzung fand zu Beginn der 1980er Jahre statt.“ In den folgenden zwei Jahrzehnten sei das Bauwerk zunehmend verwahrlost, so Sieberg. „Die Grünanlage war verwildert, die Glaselemente in der Kuppel zerstört, Wasser war eingedrungen und hatte dem Mauerwerk stark zugesetzt.“ Zudem hätten laut Sieberg Sprayer die Wände und Türen mit Graffitis beschmiert.

Im Jahr 2005 übernahm die Bürgerstiftung Rheinviertel das unter Denkmalschutz stehende Mausoleum und wandelte es in eine christliche Begräbnisstätte um. „Hier kann nun jedermann seine letzte Ruhe finden“, sagte Sieberg. Die Kosten für eine Unterbringung in einem der Urnengräber seien im Vergleich recht überschaubar: Für 15 Jahre zahlt man für eine Grabkammer rund 1600 Euro. Das Mausoleum verfügt derzeit über 3000 Kammern, von denen 450 besetzt sind. Zudem liegen 1400 Anwartschaften vor. Eine, die sich ihren Platz in dem direkt am Rheinufer gelegenen

Mausoleum jetzt schon gesichert hat, ist die 81-jährige Christel Jäger aus Beuel. „Ich bin kinderlos und wenn ich sterbe, wer sorgt dann für mein Grab?“ Das Mausoleum sei dann genau die richtige Ruhestätte. „Vorsorge ist wichtig, ich möchte aber noch ein bisschen mein Leben genießen.“ In einem Magazin erfuhr sie, dass das Mausoleum im Zuge des Denkmaltags geöffnet ist, und kam vorbei, um sich alles anzuschauen.

Das antik wirkende Gebäude war am Sonntag auch Anziehungspunkt für viele Hobbyfotografen. „Es gibt hier einiges abzulichten, wie die Bleiglasfenster und die vielen Symbole“, meinte Kajo Meyer, der mit seiner Kamera jedes Detail festhielt. Dank des guten Wetters besuchten auch viele Radfahrer und Spaziergänger, die zufällig vorbeikamen das Mausoleum. Der Bonner Robert Pollock zum Beispiel fuhr mit seiner Familie auf dem Fahrrad am Mausoleum vorbei und sah, das es offen war. „Die offenen Türen haben schließlich meine Neugier geweckt“, sagte er.