Historische Villen an der Kurfürstenallee

Zeile der geschlossenen Fensterläden

BAD GODESBERG. Das Herz des Godesberger Kurviertels macht vormittags einen ziemlich verschlossenen Eindruck: Überall zugeklappte Fensterläden und heruntergelassene Rollläden.

Während spätestens am Nachmittag in die Musikschule und in die Ausstellungsräume im Haus an der Redoute Leben einkehrt, bleibt es im Haus Nummer sechs ganztägig dunkel. Der Verkauf an einen Notar ist gescheitert. Insgesamt geht es mit den Plänen der Stadt, die Kurfürstliche Zeile nach und nach zu vermarkten, nicht so recht voran. Die SPD hebt das Thema heute mit einer Großen Anfrage auf die Tagesordnung der Bezirksvertretung.

Die Kurfürstenallee steht heute noch fast genauso da, wie sie im 19. Jahrhundert für reiche Sommerfrischler errichtet wurde. Sie reicht von der Redoute mit der Hausnummer 1 bis zur Villa mit der Nummer 10, die zum Evangelischen Altenzentrum Haus am Redoutenpark gehört. Prägend für die Geschichte der Häuserzeile waren laut Denkmalliste der Stadt die Kölner Bankiers und Zuckerfabrikanten der Familie vom Rath, die gleich mehrere Villen besaßen.

Die historische Zeile hat nur eine Lücke: Das einst von Carl vom Rath bewohnte Gebäude mit der Nummer vier wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wegen eines schweren Bombenschadens abgerissen. Es stand da, wo heute der Zugang zum Redoutenpark ist.

Vor einigen Jahren gab es die Idee, mit einer Ansammlung medizinischer Dienstleistungen an der Kurfürstenallee an die Tradition als Heilstätte anzuknüpfen. 2010 beschloss die Bezirksvertretung Bad Godesberg dann, dass die Verwaltung prüfen solle, ob Bürgeramt, Standesamt und Musikschule gemeinsam in einem sanierten Altbau Kurfürstenallee 2-3 untergebracht werden können.

Die Prüfung durch das Städtische Gebäudemanagement fiel grundsätzlich positiv aus. 2011 folgte deshalb der Beschluss, für die Sanierung Planungsmittel in Höhe von 250.000 Euro bereitzustellen. "Seitdem warten wir darauf, dass uns mehr Details vorgestellt werden", sagt die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Hillevi Burmester (SPD).

Aktuell taucht der "weitere Umgang mit der Kurfürstlichen Zeile" auf der Sparliste von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und Kämmerer Ludger Sander auf, und zwar unter der Rubrik "Noch zu prüfende Objekte". Die SPD könnte sich laut Burmester vom maroden Rathausneubau, der hinter der Kurfürstlichen Zeile liegt, trennen. An der Sanierung der Altbauten führe aber kein Weg vorbei.

Die neue Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke (CDU) hat erst kürzlich ihr Büro im ehemaligen kurfürstlichen Hoftheater neben der Redoute bezogen. Das Haus an der Redoute wird auch für Veranstaltungen vermietet.

Man sieht an der Fassade des Rathaus-Altbaus noch, dass er eigentlich aus mehreren Gebäuden besteht. Der Kurfürst ließ nach 1791 neben der Redoute Logierhäuser für die Kurgäste erbauen. Später wurden die Baulücken zwischen den Hotels geschlossen und das Haus des kurfürstlichen Musikdirektors Franz Anton Ries hinzugekauft. So entstand 1895 zunächst die "Kur- und Wasserheilanstalt", die 1936 Rathaus wurde.

Frisch saniert präsentiert sich bisher nur das Haus Kurfürstenallee 5, das im Privatbesitz ist. Im vergangenen Jahr ist hier die Firma Axxessio eingezogen. Das auf IT-Beratung spezialisierte Unternehmen hatte seinen Hauptsitz nach Bad Godesberg verlegt.

Zur Geschichte

Nachdem Kurfürst Max Franz um 1790 den Godesberger Mineralbrunnen neu fassen ließ und das Ballhaus (Redoute), das benachbarte Hoftheater (heute Haus an der Redoute) und die Logierhäuser entstanden, erlebte Godesberg seine große Blüte und wurde zu einem bekannten Kurort. An die kurfürstlichen Bauten schlossen sich private Sommervillen vermögender Bürger mit großen Gärten an. Teile der Gärten gingen später in Redoutenpark und Stadtpark über.

Große Anfrage der SPD

Für die Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg, die heute ab 17 Uhr in der Stadthalle tagt, hat die SPD-Fraktion eine Große Anfrage gestellt, in der es um den Stand der Planungen für die Kurfürstliche Zeile geht. Sie möchte unter anderem über das Ergebnis der Vorplanung informiert werden. Außerdem fragt die SPD: "Hat die Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde stattgefunden?" Eine schriftliche Antwort der Verwaltung lag am Dienstag noch nicht vor.