Katholische Kirche in Bad Godesberg

Zehn Millionen Euro für Kindergärten

Baumpflanzaktion im Kindergarten Herz Jesu: Er ist einer von 14 Einrichtungen der katholischen Kirche in Bad Godesberg, in denen insgesamt 655 Kinder betreut werden.

BAD GODESBERG. Als der Saxofonist Peter Materna und der Jazzpianist Florian Weber jetzt in der Hildegardkirche ihr neues Programm vorstellten, da wippten insgeheim auch die Verantwortlichen und Mitarbeiter des neuen Beratungs- und Förderdienstes der Kindergärten in Burg- und Rheinviertel mit. Ihrer Arbeit kommt der Erlös des von der Bürgerstiftung Rheinviertel initiierten Benefizkonzertes jetzt zugute - rund 4000 Euro haben die beiden Musiker erspielt.

Gertrud Lindlar, die den Beratungs- und Förderdienst leitet, steht gemeinsam mit der Kindergartenkoordinatorin Sonja Velten den katholischen Kindergärten bei der Arbeit mit den Kindern mit besonderem Förderbedarf zur Seite. Als verantwortlichen Mitarbeiterinnen der katholischen Kindergärten in Bad Godesberg fällt ihnen bei der Kinderbetreuung im Stadtbezirk eine Schlüsselrolle zu. Denn fast ein Drittel der Betreuungseinrichtungen im Stadtbezirk betreibt die Katholische Kirche und betreut somit in 33 Gruppen insgesamt 655 Kinder.

Umbaumaßnahmen, Neubauten, pädagogische Erweiterung, Betreuung von Unterdreijährigen (U3), Personalpläne und die Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen - die Tätigkeitsfelder, mit denen sich die Verantwortlichen in Kindergärten inzwischen wiederfinden, haben sich gewandelt. Das gilt für staatliche Kindergärten gleichermaßen wie für kirchliche Einrichtungen, in denen in ganz Bonn knapp ein Drittel aller Kindergartenkinder betreut wird. Während die Kirche häufig für ihre umfassende Gestaltungsfreiheit innerhalb der Einrichtung in der Kritik steht, verweisen ihre Vertreter darauf, dass der Kindergartenbetrieb auch mit erheblichen Kosten verbunden ist.

So investiert beispielsweise allein die Katholische Kirche in Bad Godesberg in diesem Jahr mehr als zehn Millionen Euro allein in ihre Kindergärten. Etwa ein Fünftel davon fließt aus staatlichen Kassen in Bund und Land zurück, den größten Teil muss der Klerus aus Kirchensteuern und Rücklagen selbst tragen. "Vielen Menschen sind diese Zusammenhänge nicht bekannt", sagt Sonja Velten, seit eineinhalb Jahren Kindergartenkoordinatorin der Bürgerstiftung Rheinviertel, in deren Wirkungskreis knapp 660 Kinder betreut werden. Ähnlich sehe es beim Ausbau der U 3-Plätze aus, die in der Öffentlichkeit häufig als politische Initiative und Sache des Staates wahrgenommen werde. "Allein Im Sonja-Kill-Kindergarten investieren wir zurzeit 1,5 Millionen Euro , davon stammen 153.000 Euro aus öffentlichen Mitteln", skizziert Velten die Dimensionen. Insgesamt werde zurzeit in neun von 14 Einrichtungen investiert.

Auch mache sie die Erfahrung, dass die unterschiedliche Höhe der Betriebszuschüsse je nach Träger in der Öffentlichkeit ebenfalls kaum bekannt sei. So haben nach dem Kinderbildungsgesetz kirchliche Träger als Eigenanteil zwölf Prozent, freie Träger neun Prozent, Elterninitiativen vier Prozent und kommunale Träger 21 Prozent zu übernehmen. "Wo die Kommune kirchliche Kindergärten übernimmt, steigen somit die staatlichen Ausgaben deutlich", sagt Dechant Wolfgang Picken, der darin gar eine kirchliche Subventionsleistung für das öffentliche Bildungssystem sieht. Seinen Zahlen zufolge wird allein durch die kirchlichen Kindergärten in Bad Godesberg der städtische Haushalt um eine Million Euro entlastet.

Nicht berücksichtigt sei dabei die oftmals ehrenamtliche Organisationsstruktur der Kirche und ihre Rolle als Arbeitgeber. Zugleich aber, so berichtet Sonja Velten, erfahre sie gerade wegen des ideellen Aspekts eines kirchlichen Kindergartens reichlich Zuspruch: "Viele Eltern haben einfach kein Interesse daran, dass mit ihren Kindern Halloween oder gar statt Ostern das ?Hasenfest? gefeiert wird, sondern wünschen sich ausdrücklich traditionelle Brauchtumspflege und entscheiden sich ganz bewusst für uns, was auch anhand der Anmeldezahlen ablesbar ist.

Das gilt übrigens auch für viele unserer Mitarbeiter", sagt Sonja Velten. Will die Kirche im Sinne der zu betreuenden Kinder den Qualitätsstandard halten oder gar ausbauen, komme es ihrer Überzeugung nach darauf an, vorhandene und Strukturen und Fachkräfte weiter miteinander zu vernetzen, wie dies in Bad Godesberg inzwischen geschehe.

Godesbergs Kindergärten

In Bad Godesberg gibt es insgesamt 49 Kindergärten und Betreuungseinrichtungen für Kinder. Mit 14 Einrichtungen ist die Katholische Kirche als Träger am stärksten vertreten. Die Evangelische Kirche betreibt fünf Kindergärten. Hinzu kommen neun städtische Kindergärten sowie sieben Elterninitiativen, zehn Eindichtungen, die von freien Trägern betreut werden sowie vier Betriebskindergärten von großen Bonner Unternehmen.

U 3-Betreuung

In den katholischen Kindergärten Bad Godesbergs werden im aktuellen Kindergartenjahr 660, im kommenden Kindergartenjahr 655 Kinder in 33 Gruppen betreut. Der Anteil der U 3-Kinder verdoppelt sich 2013/14 von 43 auch 99. Zudem wird das Angebot für Kinder mit Behinderung von sieben auf 25 erhöht. Wo möglich, werden zudem zusätzliche Plätze für Kinder über drei Jahren angeboten, um dem hohen Bedarf gerecht zu werden.